LUXEMBURG
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„New Space Europe“-Konferenz bringt Weltraumspezialisten aus aller Welt zusammen

Die Welt des Weltraumbusiness trifft sich derzeit im Europäischen Konferenzzentrum in Kirchberg, wo erstmals eine große Expertenkonferenz stattfindet, die sich rein auf die wirtschaftlichen Chancen fokussiert, die das All bietet. Die Veranstaltung wird gemeinsam vom luxemburgischen Wirtschaftsministerium und der „Space Frontier Foundation“ ausgerichtet, einer 1988 gegründeten Organisation, dessen Ziel es ist, die menschliche Besiedlung des Alls schnellstmöglich zu beginnen. So war auch der Weg auf den Mars dieser Tage ein zentrales Thema.

Startschuss vor 18 Monaten

Für Luxemburg ist die Konferenz mit hochrangigen Rednern natürlich vor allem ein weiterer Baustein in der Positionierungsstrategie als Standort für Weltraumaktivitäten. Erst 18 Monate sind es her, dass die Regierung die Initiative „SpaceResources“ gegründet und erklärt hat, das Großherzogtum zum europäischen Zentrum des „Space Mining“ auszubauen - mit einem soliden finanziellen Polster von rund 200 Millionen Euro.

Seither war vor allem der Wirtschaftsminister dauernd weltweit auf Tour - oft gemeinsam mit Erbgroßherzog Guillaume, der gestern der Eröffnung der Konferenz ebenfalls beiwohnte - um neue Partner und Interessenten für das Vorhaben zu gewinnen. „Wir haben die Welt oft überrascht und unsere große Fähigkeit demonstriert, uns anzupassen und neue Initiativen zu starten, die man nicht von uns erwartete“, reagierte Schneider auf die anhaltende weltweite Verwunderung darüber, dass sich das kleine Großherzogtum in die Eroberung des Alls stürzen würde.

Doch auch vor 30 Jahren waren Verwunderung und Skepsis groß, als Luxemburg mit der „Société Européenne des Satellites“ ins Satellitenbusiness einstieg. Die SES ist heute Weltleader in ihrer Branche. „In nur drei Jahrzehnten ist der luxemburgische Weltraumsektor von Null zum wohl dynamischsten in Europa angewachsen und macht heute rund zwei Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts aus“, unterstrich Schneider.

Rechtsrahmen, Finanzierungshebel und „Big Data“

Auf diesem Fundament baut das Land nun die „Space Mining“-Sparte auf und hat bereits einen Rechtsrahmen für die kommerzielle Nutzung von Ressourcen aus Himmelskörpern festgezurrt, als zweite Nation übrigens nach den Vereinigten Staaten.

Doch Luxemburg setzt auch auf Kooperation, in rechtlichen Aspekten und vor allem auch in der Forschung. „Memoranda of Understanding“ wurden in diesem Sinne bereits mit Portugal und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterzeichnet. Schneider kündigte gestern bereits an, dass zum Ende des Monats auch ein Abkommen mit Japan in punkto Weltraumaktivitäten unterzeichnet würde. Auch mit China gebe es fortgeschrittene Gespräche. Ein wichtiger Baustein sei auch die verstärkte Partnerschaft mit der Europäischen Weltraumagentur ESA. Luxemburg verfüge auch über wichtige Finanzierungshebel für Weltraumprojekte - die Europäische Investitionsbank könne dabei eine große Rolle spielen - und habe bald neben hochqualitativen digitalen Infrastrukturen auch einen Supercomputer.

„Public Private Partnership“-Weltraumagentur

„Wir werden eine „Big Data“-Testfazilität für die Ära des „Smart Space“ einrichten“, versprach der Wirtschaftsminister. Seit dem Start von „SpaceResources“ haben sich sieben spezialisierte Unternehmen im Großherzogtum angesiedelt - Deep Space Industries, Planetary Resources, ispace, Blue Horizon, Kleos Space, GomSpace und nun auch Spire. Mehr seien in der „Pipeline“ sagte Schneider, der ebenfalls die Einrichtung einer luxemburgischen Weltraumagentur ankündigte, ein „Public Private Partnership“ zwischen Regierung, der Fondsindustrie und Wagniskapital-Investoren. Den Anwesenden empfahl er zum Schluss, schon mal Luxemburgisch zu lernen: „Luxemburgisch könnte die erste offizielle Sprache im Weltall werden“.

Grenzenlose Möglichkeiten: Das Weltall lockt

„Nach der Ankündigung der SpaceResources.lu-Initiative Anfang Februar 2016 ging es Schlag auf Schlag: Viele Nationen haben ihr Interesse bei mir bekundet, um mit Luxemburg zusammenzuarbeiten“, sagte Wirtschaftsminister Etienne Schneider vergangenen Oktober im Interview mit dem „Journal“.
Rund 70 seriöse Unternehmen sollen nach wie vor an einer Teilnahme am Projekt interessiert und in Kontakt mit dem luxemburgischen Wirtschaftsministerium sein. Der Abbau seltener Metalle von Asteroiden sowie die Nutzung dieser Rohstoffe auf der Erde sind aber ein eher längerfristiges Ziel der Initiative.
Denn beim sogenannten „Asteroid Mining“ geht es mittelfristig eher um Wasser, das als Treibstoff für Raketenantriebe genutzt werden könnte und beispielsweise Missionen zum Mars und anderen Objekten ermöglichen würde.
Rund 9.000 erdnahe Asteroiden sind bekannt, von denen viele reich an wertvollen Rohstoffen sind. In erster Linie dürfte es Wirtschaftsminister Schneider aber darum gehen, Luxemburgs Wirtschaft zu diversifizieren und nachhaltig aufzustellen.
Denn mehr „Space-Firmen“ bedeutet auch mehr Forschung und Entwicklung, was ein Kriterium dafür ist, bei der SpaceResources.lu-Initiative mitmachen zu dürfen. Von den 200 Millionen Euro, die das Projekt vom Staat als Budget erhielt, sind bislang laut Schneider erst 25 Millionen Euro abgerufen worden, um damit Aktionär bei Planetary Resources zu werden, das zweite Unternehmen, das am Projekt teilnahm und in Luxemburg dazu seine Europazentrale gründete.
Wenn Luxemburg darauf verweist, dass der Staat 1985 mit der Investition in das damals unbekannte Unternehmen SES den Grundstein für einen ungeahnten Erfolg legte, kann niemand dem widersprechen. Der Satellitenbetreiber ist mittlerweile mit einem Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro und mehr als 50 geostationären Satelliten der größte auf der Welt. Und seit dem Beitritt Luxemburgs zur Europäischen Weltraumagentur ESA 2005, als das Land sich eine Strategie zur Ausbildung eines mittlerweile rund 70 Firmen zählenden Weltraumsektors gab, enstand durch Ansiedlung immer neuer Unternehmen eine wahrhafte „Weltraumbranche“ im Land mit Firmen wie LuxSpace, Euro Composites, Gradel oder Hitec. Und immer mehr solcher Firmen zählen immer mehr Beschäftigte. Die Branche trägt direkt inzwischen zwei Prozent zur gesamten luxemburgischen Wirtschaftsleistung bei.
Global gesehen wächst die Weltraumbranche - wer hätte vor wenigen Jahren noch gedacht, dass ein Startup wie SpaceX dereinst von Cape Canaveral Raketen ins All schießt, die anschließend sogar wieder landen? Weltweit setzte die Weltraumbranche letztes Jahr 329 Milliarden US-Dollar um, und alle Prognosen zeigen nach oben. Mit seiner Positionierung als europäisches Zentrum bei der Erkundung und Nutzung von Weltraumrohstoffe hat Luxemburg die Grundlage gelegt, damit seine Weltraumbranche weiter wächst - und nicht nur sie. Marco Meng