LUXEMBURG
LJ/PIER BUCHHOLZ

Wenzel der Lützelburger, Gründer des Bautzener Weihnachtsmarktes

An vielen Orten wird in der Weihnachtszeit ein Markt abgehalten und je nach lokaler Tradition wird er auch Nikolausmarkt, Adventsmarkt oder Christkindlesmarkt genannt. Daneben gibt es regionale Namenszusätze wie beispielsweise den Dresdner „Striezelmarkt“. Viele davon sind weltweit bekannt, und es gibt in vielen Ländern, auch in Luxemburg, Weihnachtsmärkte nach deutschem Vorbild. Ursprünglich konnten sich die Menschen hier zu Beginn der kalten Jahreszeit mit Waren für den Winter eindecken.

Älteste Weihnachtsmärkte der Welt

Der älteste Christkindlmarkt in München wurde im 14. Jahrhundert als „Nikolaimarkt“ erstmals erwähnt und gehört somit zu den ältesten Weihnachtsmärkten im deutschen Sprachraum. Traditionelle Weihnachtsmärkte gibt es auch in Frankreich. Als ältester gilt der seit 1570 abgehaltene Weihnachtsmarkt von Straßburg. Wien hat nicht nur die meisten Kaffeehäuser, sondern auch den ältesten Markt zur Adventszeit. Bereits 1296 erhielten die Wiener Händler das Privileg zur Abhaltung eines „Dezembermarktes“, um die Versorgung der Wiener Bevölkerung sicherzustellen. Daraus entwickelte sich der heutige „Christkindlmarkt“ auf dem Rathausplatz. Bis zurück ins Jahr 1393 ist urkundlich belegt, dass in Frankfurt am Main Weihnachtsmärkte mit „Quetschemännsche und Äppelwoi“ stattfanden.

Die Geschichte des Bautzener Weihnachtsmarktes ist ebenfalls eine sehr alte. Bereits 1384 verlieh König Wenzel der Stadt Budissin, der heutigen Stadt Bautzen in der sächsischen Oberlausitz, das Recht zur Abhaltung eines freien Fleischmarktes. Vom St. Michaelstag an war es sonnabends jedem Fleischer erlaubt, sein Fleisch öffentlich auf dem Markt zu verkaufen. 1505 wurde diese Verordnung sogar soweit ausgedehnt, dass außer Budissin kein anderer Ort in der Oberlausitz einen solchen Fleischmarkt haben durfte. In späteren Jahrhunderten haben sich dann zu diesem Fleischmarkt andere Erzeugnisse des täglichen Bedarfes gesellt, wodurch aus dem Fleisch-Weihnachtsmarkt der klassische Weihnachtsmarkt hervorging. Seit 2009 heißt er offiziell Bautzener „Wenzelsmarkt“, dies obwohl der ehemalige Herrscher aus dem Luxemburger Geschlecht häufig als Tyrann bezeichnet wird, und ist nachweislich der älteste in Deutschland.

Um den Titel „Deutschlands ältester Weihnachtsmarkt“ streiten Dresden und Bautzen seit Jahren. Nun gibt es eine Lösung: Danach ist der Dresdner Striezelmarkt „Deutschlands ältester beurkundeter Weihnachtsmarkt“ und der Bautzener Wenzelsmarkt „Deutschlands ältester in einer Chronik genannte Weihnachtsmarkt“. Für Bautzen sei 1384 der erste Fleischmarkt in den Annalen vermerkt, Dresden habe eine Urkunde von 1434.

Weihnachtsmarkt eines Lützelburgers

Wenzel von Luxemburg entstammte dem Fürstengeschlecht des Hauses Limburg-Luxemburg, oft auch kurz Haus Luxemburg, Luxemburger oder Lützelburger genannt. Begründer der Linie war Heinrich V., dessen Enkel Heinrich VII. als Graf von Luxemburg im Jahre 1298 das Privileg oder Recht verliehen bekam, in Luxemburg einen Markt abhalten zu dürfen. Dieser konnte seinen Sohn Johann, „Jang de Blannen“, 1310 als König von Böhmen einsetzen. Johann besiegelte das Messerecht seines Vaters im Jahre 1340 mit der Gründung der „Schueberfouer“ und erwarb sich als König von Böhmen hohes Ansehen. Sein Sohn Karl IV. wurde zum wohl bedeutendsten Herrscher des Spätmittelalters und es gelang ihm, seinen Sohn Wenzel, Beiname der Faule, noch zu seinen Lebzeiten zum römisch-deutschen König wählen zu lassen. Wenzel besiegelte als Wenzel IV. den Bautzener Weihnachtsmarkt.

Doch zeigte sich Wenzel nicht in der Lage, die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Am 20. August 1400 kamen vier Kurfürsten zusammen und erklärten Wenzel den Faulen für abgesetzt. Sie bezeichneten ihn als „einen unnützen, trägen, unachtsamen Entgliederer und unwürdigen Inhaber des Heiligen Römischen Reiches“. Das Haus Luxemburg verlor durch den unfähigen, umtriebigen, trunksüchtigen und oft grausamen Herrscher nicht nur die Königswürde sondern auch viel Respekt.

Den Weihnachtsmarkt konnten die Herrschaften allerdings nicht absetzen. Dieser wurde zum ältesten Weihnachtsmarkt in Deutschland und findet dieses Jahr nach offizieller Zählung zum 634. Male statt. Diese Geschichte zeigt einmal mehr, welch bedeutsame Rolle die Luxemburger sozusagen „vom Vater zum Sohn“ in der Vergangenheit auch über die Grenzen hinaus im Marktwesen gespielt haben.