PRIEN
SOPHIA SCHÜLKE

Erholen mit Soforteffekt: Magischer Chiemsee bietet Kultur, Sport und Berge

Sportliche kraxeln direkt durch die Alpen, Naturliebhaber beobachten Wasservögel vom Boot aus und Kulturfans durchforsten Schlösser und Klöster. Der Chiemsee ist ein Reiseziel für vielseitig Interessierte. Doch der größte Vorteil dieses schönen Fleckchens - der See mit Inseln ist vor eine beeindruckende Bergkulisse hingegossen - offenbart sich direkt bei der Ankunft. Egal, ob es in Strömen schüttet und die Sturmwarnlichter blinken oder die Sonne auf den See niederbrennt und sich gleißend ihn im spiegelt. Blickt man vom Ufer auf die weite Wasserfläche, geht selbst bei richtig gestressten Urlauberexemplaren der Puls direkt runter. Dann fallen die vielen Segelboote auf. Wie sie so losgelöst durchs Wasser gleiten oder gemächlich vorm Anlegen einen leichten Bogen um die Inseln nehmen, das verströmt eine behagliche Atmosphäre der Leichtigkeit. Sofort, nicht erst beim Aufwachen am nächsten Morgen.

Der kulturinteressierte Tourist sollte sich unbedingt am ersten Tag auf einen der Dampfer verabschieden und in See zur Herreninsel stechen. Der Umstand, dass unter dem Schiffsboden Renke, Forelle oder Saibling - nur drei von insgesamt 28 Fischarten - vorbeiziehen, wird ihm später noch oft genug begegnen. Im Zweifelsfall in einem der Restaurants auf den zwei bewohnten von insgesamt drei Inseln. Auf die Spuren der 17 Fischerfamilien rund um den Chiemsee wird er aber auch anderweitig stoßen: Der Dampfer wird eines ihrer Boote überholen und auf den Bugwellen schaukeln lassen oder der Besucher wird die Fischerboote am Ufer liegen sehen, vielleicht sogar zur Reparatur in den Schuppen der Bootsbauer.

Ruckzuck durchs neue Versailles

Auf der Herreninsel mit den anderen Touristen ausgeladen, kann man sich zu Fuß oder mit der Pferdekutsche zum Schloss von Ludwig II. begeben. Der Bau versammelt das Beste von damaligen Besten: besonderen Marmor, prächtige Wandgemälde, feinste Möbel und teuerstes Porzellan. Einziges Manko ist, dass Besucher bei der geführten Besichtigung recht schnell durch das Schloss gejagt werden. Längeres Begaffen der Reichtümer oder fassungsloses Bestaunen der verspielten Details wird durch eilige Museumsführer und enge Taktung der Besucherströme recht eingeschränkt. Toll, wie beim Original. Wer sich darüber trösten muss, vergrößert sein Wissen über Ludwig II. im dazugehörigen Museum oder schaut noch im Souvenirladen an der Anlegestelle vorbei.

Mit blau-weißer Ludwig-Tasse samt Spitzbart und Goldrand geht es zur Fraueninsel. Vom Boot aus weit sichtbar sind das 772 gegründete Kloster Frauenwörth und der freistehende Glockenturm des 1.200 Jahre alten Münsters. Auf dieser Insel, um die sich alte Sagen ranken, wurde 1828 die kleinste Künstlerkolonie Europas gegründet. Heute leben hier 300 Bewohner, welche, auch dank der Touristen, ein lebendiges Kunsthandwerk pflegen. In gut 40 Anwesen leben Wirte, Töpfer, Fischer und ein Brauer.

Ob für ein Wochenende oder einen längeren Urlaub, unterschiedliche Aktivitäten gibt es am Chiemsee viele, selbst beim dritten oder vierten Besuch noch. Im Sommer locken die Herrenchiemsee Festspiele mit Klassik, aber auch ansonsten findet der Kulturfan hier weitere Termine im Jahr, etwa das Opernfestival auf Gut Immling, Kulturveranstaltungen im wunderschönen, still gelegenen Kloster Seeon oder den Kulturfrühling in Prien direkt am See.

Naturliebhaber werden auf Booten an Vogelbeobachtungstouren zum Delta der Tiroler Achen, eines der am besten ausgebildeten Binnendeltas in Mitteleuropa, oder an Fledermaus-Führungen auf Herrenchiemsee ihre Freude haben. Ansonsten eröffnet die Erkundung vom Rad aus eine andere Perspektive auf den See, ausreichend Gelegenheit bieten die 57 Kilometer des Chiemsee-Rundwegs. Bergsteiger und Wanderer finden ihre Herausforderung am steilen Berggipfel der Kampenwand und Mountainbiker auf Fernradwanderwegen wie dem Mozart-Radweg.

Wiederholungstäter in Gummistiefeln

Bei der Wahl des Urlaubsdatums sollten Touristen, die vor allem Entspannung und Stille suchen, bedenken, dass das „Bayerische Meer“ nicht nur für Ferngereiste, sondern auch im Umland lebende Naturfans ein beliebtes Erholungsziel ist. Allein Prien, die größte Stadt am Chiemsee, lockt jährlich 700.000 Besucher an. Vor allem am Wochenende können daher auch in der Nebensaison auf der Frauen- und der Herreninsel die guten Restaurants voll sein.

Und wer aus seinem Urlaub am Chiemsee das Größtmögliche herausholen will, sollte - vor allem, wenn er nicht in der Hauptsaison fährt -, auch auf Dauerregen vorbereitet sein. Davon muss sich aber keiner nicht abschrecken lassen. Herrenchiemsee, Kloster Frauenwörth und die schönen Seeufer verströmen auch bei nassem Wetter ihren Charme - und man kann sie mehr in Ruhe genießen, weil die nicht wetterfesten Reisenden sich lieber in die Wellnesstempel verziehen und dort einmummeln.

Wer neben Sonnenbrille auch Fleecejacke, Regenmantel und wasserfeste Schuhe oder gleich Gummistiefel einpackt, wird gelassen bleiben: Wetter ist auch, ja. Und ebenso gelassen wieder abfahren. Bis zum nächsten Mal. Denn viele Chiemseebesucher neigen dazu, sich früher oder später als Wiederholungstäter zu entpuppen. Irgendwann, ob beim Kochen, im Stau, am Kaffeeautomaten oder beim Wetterbericht, wird sich die Frage aufdrängen, wie gekräuselt die kleinen Schaumkämme auf dem See wohl gerade sind und ob die Renke-Fischbrötchen auf der Fraueninsel tatsächlich so gut schmecken, wie man es in Erinnerung hat. Da hilft nur eins: Lieber noch mal nachschauen.

Weitere Infos unter www.chiemsee-alpenland.de