LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Culture UP!“-Programm für die Jugend im „Mierscher Kulturhaus“ und Kinneksbond Mamer

Junge Leute sind eine schwer zu erreichende Zielgruppe? Vor allem wenn es um das Programm von Kultur- und Theaterhäusern geht, sind sich die Verantwortlichen diesbezüglich oft einig. Manche nutzen diese Aussage aber auch als willkommene Ausrede, um sich gar nicht erst Gedanken über ein Angebot zu machen, das Jugendliche und junge Erwachsene interessieren könnte, frei nach dem Motto: „Die kommen ja eh nicht“. Ist das wirklich so?

Natürlich interessiert sich ein Großteil der Jugend für Videospiele, fürs Smartphone, fürs Chillen und eher für Musikfestivals als für ein Theaterstück. Alle über einen Kamm scheren, kann man aber nicht. Denn siehe da - die Erfahrung mancher „mutiger“ Programmgestalter hat es gezeigt -, bietet man jungen Leuten etwas an, kommen sie durchaus, wenn vielleicht auch nicht in Scharen, aber sie kommen, und sie sind interessiert. Arbeitet man dann auch noch mit den umliegenden Lyzeen zusammen und bietet Schulvorstellungen an, kommen sie erst recht. Vielleicht erst einmal unfreiwillig, weil es sich um eine obligatorische Schulaktivität handelt. Dennoch besteht die Chance, dass sie auf den Geschmack kommen, dass sie Gefallen am Theater finden, dass sie modernen Tanz mögen, dass sie plötzlich keine Angst mehr vor den Mauern eines Theater- oder Kulturhauses haben. Möglicherweise wird aus dem Pflichtgang ja sogar ein richtiges Interesse, das bis ins Erwachsenenalter andauert.

Auf den Geschmack bringen

Einschließen, statt von vorneherein, ohne es überhaupt gewagt zu haben, ausschließen, sollte die Devise im Kulturbereich lauten. Und wenn wir immer so schön von Inklusion reden, dann sollte doch nicht versäumt werden, Teenagern ebenfalls das Gefühl zu geben, ein Programm richte sich auch an sie. Oder besser noch: gerade an sie. Genauso wie man es ausnahmslos in allen Häusern tut, wenn es um Kinder ab jüngstem Alter geht. Sie haben schon lange ihr eigenes, ihrem Alter und ihren Interessen angepasstes Programm. Gezielt auf ein junges Publikum ab zwölf oder 13 Jahren wird dagegen nicht so selbstverständlich gesetzt. Ein Blick in die gemeinsame Broschüre „Culture UP!“ des Mamer Kinneksbond und des „Mierscher Kulturhaus“ lohnt sich deshalb.

In Luxemburg noch eine Nische

Beide Häuser stellen nun bereits zum zweiten Mal ganz gezielt ein Programm - mit vielen Schulvorstellungen - für junge Leute zwischen zwölf und 19 Jahren auf die Beine. In der Broschüre aufgelistet sind insbesondere die Veranstaltungen aus dem „normalen“ Saisonprogramm, die die Jugend interessieren könnten. Dazu gehören auch Tanzperformances (vor allem in Mersch) sowie Ausstellungen, in deren Rahmen geführte Besichtigungen für Schulklassen organisiert werden. „Für dieses Zielpublikum wird noch nicht ganz so viel in Luxemburg geboten. Diese Nische versuchen wir zu füllen. Wichtig ist es uns, die jungen Leute direkt einzubeziehen“, bemerkte Kinneksbond-Direktor Jérôme Konen während der Vorstellung der neuen Spielzeit. Besonders den engen Kontakt zum „Lycée Josy Barthel“ hob er hervor. In Mamer stellt man nächste Saison indes die Komödianten in den Mittelpunkt der „Culture UP!“-Programmation.

Großes Theaterprogramm in Mamer

Der Startschuss im Kinneksbond, was dem Theaterbereich anbelangt, fällt am 5. Oktober mit Brian Lobel und „Purge“. In dem Stück (in englischer Sprache, empfohlen ab 16 Jahren) geht es um Facebook, respektive die Beziehungen, die wir über die sozialen Netzwerke führen. „Meet the artist“ und Einführungen in die Stücke sind bei Schulvorstellungen übrigens oft Teil des Programms. Am 15. November wird Georg Büchners „Lenz“ (geeignet ab 16) mit Luc Feit in einer Inszenierung von Frank Feitler erneut gespielt. Auch hier steht im Anschluss ein Treffen mit dem Team auf dem Programm. Arnaud Hoedt & Jérôme Piron weisen am 23. November in „La Convivialité“ (Mindestalter 14) auf die Absurditäten der französischen Orthografie hin. In „Gen Z“ (ab 15) lässt Regisseur Salvatore Calcagno am 22. März professionelle Schauspieler auf Amateure der Generation Z (geboren nach 1995) treffen.

Neben „Lenz“ stehen auch andere Klassiker auf dem Programm: Am 31. Januar wird Goethes „Werther“ (ab 16) in einer sehr zeitgenössischen Inszenierung von Nicolas Stemann aufgeführt. Auf den Bühnenbrettern steht der bekannte österreichische Schauspieler Philipp Hochmair (unser Foto). Am 13. Februar ist es an Samuel Becketts „En attendant Godot“ (ab 14), gespielt von den beiden außergewöhnlichen Komödianten Yann-Joël Collin und Cyril Bothorel. Am 24. und 25. April bringt Regisseurin Anne Simon Molières „George Dandin“ (ab 14) auf die Bühne.

Abwechslung in Mersch

Im Merscher Kulturhaus wird besonders auf zeitgenössischen Tanz und Ausstellungen gesetzt. Junge Theaterfans kommen aber ebenfalls auf ihre Kosten, so etwa am 28. Februar sowie am 2. und 3. März im Stück „The Seagull“ (ab 16) von Anton Tschechow, dargeboten vom „New World Theatre Club“. 15 Minuten vor jeder Vorstellung wird eine Einführung in das Stück geboten, und danach ist ein Treffen mit den Künstlern möglich. Am 13. März geht es um die Frage „Wou ginn d’Elteren nuets hin“ (ab 13), wobei es sich um ein Hörstück basierend auf einem Text von Claudine Muno handelt. Jeder Ton und jedes Wort wird in dieser Inszenierung von Dan Tanson live auf der Bühne gespielt. Ein Wiedersehen mit Tanson gibt es dann am 5. April im Figurentheaterstück „Das zweite Ich“.

Unter dem Motto „Bock op Kultur! La culture, je kiffe!“ bietet das „Mierscher Kulturhaus“ noch dazu Workshops an, um die Jugend auf den Geschmack der künstlerischeren Kreation zu bringen. Der „Hip Hop Marathon“, der jedes Jahr in Zusammenarbeit mit den Rotondes und der Kulturfabrik organisiert wird, ist beispielsweise Teil dieses Kreativprogramms.


„Culture UP!“ auf einen Blick unter tinyurl.com/cultureUP.

Alle Details unter www.kinneksbond.lu und www.kulturhaus.lu