LUXEMBURG
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Wie zentral die Schule für die Persönlichkeitsbildung, die Integration in die Gesellschaft und die berufliche Zukunft ist, unterstreichen alle Parteien in ihren Wahlprogrammen. In unserer Serie darüber konzentrieren wir uns heute auf die Vorschläge der Parteien für die Verbesserung des Bildungssystems für die schulpflichtigen Altersklassen in Grund- und Sekundarschule.

Die Vorschläge in der non-formalen Bildung, die Ansätze im Kleinkindbereich, werden wir anderweitig behandeln. Genau wie die Kapitel über höhere Bildung. Wie gewohnt präsentieren wir die wichtigsten Vorschläge in einer Reihenfolge nach den Listennummern der Parteien. Die Liste 9 „Demokratie“ hat sich bekanntlich mittlerweile selber aus dem Rennen genommen. Die Liste 10 „Déi Konservativ“ tritt lediglich im Wahlbezirk Süden an. 

Piraten: Weiter modernisieren

Die Piraten wollen die Schule neu stärken und diese stärker an die Wissenschaften und die Entwicklungen der Forschung anpassen. Diese sei in dem System der vergangenen 100 Jahre hängen geblieben. Das bedeute auch, neue Infrastrukturen zu schaffen und so etwa die Ganztagsschulen zu stärken. Internetanschlüsse müssten in jedem Klassenzimmer präsent sein, um das Internet auch als Lerninstrument präsent zu haben. Das Schulsystem insgesamt müsse stärker an die jeweiligen Stärken und Schwächen der Schüler durch ein Modularsystem anpassbar sein, sodass niemand mehr kategorisch durchfällt, weil ihm ein Bereich nicht passt. Gleichzeitig müsse das Lehrpersonal besser geschult werden, damit es mit den neuen System zurecht komme. Auch die Berufslehre soll aufgewertet werden, indem unter anderem die Gehälter gleichmäßig für alle angehoben werden. Durch eine Zusammenlegung von Schulen an einem Standort könnten sich die Wege für Personal und Schüler gleichermaßen reduzieren. Gemeinsam mit einem späteren Schulanfang könnten täglich Staus reduziert werden. Das Bildungsmaterial soll auf offenen Ressourcen basieren, die keiner Lizenz unterliegen. Luxemburgisch soll als Integrationssprache verankert werden. Die Piraten fordern zudem ein Medienkompetenz-Modul sowie eine obligatorische Sexualkunde. Auch die Diversität im Zusammenleben soll als Schulfach gesellschaftliche Regeln vermitteln. Der Schulsport schließlich soll zumindest als Wahlfach erhalten bleiben und durch optionale Angebote ergänzt werden.

dei greng: Sprachhürden abbauen

„Déi Gréng“ wollen in der Grundschule weiterhin in den drei Landessprachen unterrichten. Gleichzeitig dürften Sprachkompetenzen nicht zur Bildungshürde werden. So wollen „déi gréng“ auch „das Recht einführen, in Regelschulen ebenfalls in Französisch zu alphabetisieren“. Außerdem will die Partei die Zusammenarbeit zwischen Regelschulen, Kompetenzzentren und Kinderbetreuung institutionalisieren und harmonisieren. Die Grünen wollen auch eine Bildungsplattform organisieren, „um die zukünftigen Personalbedürfnisse, Bildungsinhalte und Rekrutierungsmaßnahmen“ zusammen mit allen Schul- und Sozialpartnern zu analysieren und Lösungsansätze zu finden. Anstelle des Schulpräsidenten stellen sich „déi gréng“ einen hauptamtlichen Schulleiter vor. Lehrer sollen von administrativer Arbeit entlastet werden. Was den Sekundarunterricht betrifft, will die Partei einen Dialog über Programminhalte und neue Lehrmethoden mit allen Lehrkräften führen und ab der Oberstufe das Lehrangebot in Haupt- und Nebensprachen gliedern. In allen Sekundarschulen soll eine individuelle Betreuung aller Schüler durch Coaches garantiert werden. In der Berufsausbildung sollen möglichst alle Ausbildungsgänge in deutscher und französischer Sprache angeboten werden, wo es sich anbietet auch in englischer Sprache. Tutorat und „Conseiller à l’apprentissage“ sollen aufgewertet werden und neben der fachlichen Kompetenz auf soziale Kompetenzen vermittelt werden sowie „die Vorbildfunktion der Gemeinden und öffentlichen Verwaltungen durch ein breites Angebot an Praktika“ gestärkt werden.

LSAP: Mehr Chancengleichheit

Die LSAP spricht sich für den landesweiten Ausbau von öffentlichen Ganztagsschulen aus. Auch will die LSAP die Mehrsprachigkeit auch in Zukunft auf allen Unterrichtsstufen fördern und darauf achten, dass sie nicht zur unüberwindbaren Hürde auf dem Weg zum Schulabschluss wird. Mehrsprachigkeit sollte als Errungenschaft und nicht als Bürde wahrgenommen werden. Das Erlernen der Luxemburger Sprache spielt eine wichtige Rolle, wenn es um die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund in das Luxemburger Schulsystem geht. Die LSAP wird diesem Sachverhalt Rechnung tragen und die mündliche Praxis der Luxemburger Sprache auch weiterhin verstärkt fördern. Die LSAP spricht sich für eine Neugewichtung und Aufwertung der mündlichen Sprachkompetenz aus, befürwortet grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bildungsbereich und spricht sich für die Einführung eines fächerübergreifenden Medienerziehungsprogramms aus. Die LSAP tritt für eine inklusive Schule ein, die für jeden Schüler ein passendes Angebot bereithält, und spricht sich für eine Ausweitung der Ausbildungspflicht auf 18 Jahre für Schüler aus, die keiner regulären Arbeit nachgehen. Die LSAP spricht sich für eine Aufwertung der Berufsausbildung und die Schaffung eines „Bac professionnel“ aus, der gleichzeitig als Meisterprüfung und Hochschulreife dient. Die LSAP will alles dransetzen, um den Mangel an qualifizierten Lehrern in den kommenden Jahren abzubauen und die Attraktivität des Lehrberufs zu steigern. Die LSAP spricht sich für eine Aktualisierung der Schulprogramme aus, die mit gesellschaftlichen Veränderungen Schritt halten müssen. Für die LSAP hat der öffentliche Bildungsauftrag und freie Zugang zu einer kostenlosen Schulbildung Vorrang vor Privatschulen.

CSV: Ein Plan für die Schule

Die CSV will den Dialog der Schulpartner institutionalisieren. Die CSV will besonders darauf achten, dass Schulen in sozio-ökonomisch schwachen Gegenden oder Vierteln adäquat unterstützt werden. Es könne durch mangelnde Unterstützung dazu kommen, dass diese Schüler selbst zu einem Faktor hinter diesen Ungleichheiten werden („Phénomène de banlieue“). In enger Absprache mit den Lehrkräften und der Wissenschaft müssten für die Zukunft Lösungen erarbeitet werden, die allen Schülern die gleichen Chancen ermöglichen. Digitale Kompetenzen der Heranwachsenden müssten von Anfang an konsequent gefördert werden. Der Lehrer sei im Bildungsbereich der entscheidende Faktor; der Beruf des Lehrers müsse wieder attraktiver gestaltet werden. Eingesetzt wird sich für eine Professionalisierung des Schulkomitees beziehungsweise für den Schuldirektor mit Weisungsbefugnis in der Grundschule. Die CSV will den „Plan de développement scolaire“ (PDS) einer präzisen Auswertung unterziehe. Eine gezielte Schulentwicklung benötige Mittel und die notwendigen Instrumente. In Anlehnung an den Sekundarunterricht schlägt die CSV vor, mit der Einführung des „Projet d’établissement“ in den Grundschulen neue Wege zu beschreiten und zusätzliche Möglichkeiten zu öffnen. Die CSV will das neu geschaffene Fach „Vie et sociéte“ evaluieren und die Inhalte anpassen. Die CSV will die luxemburgische Sprache ab dem Zyklus 1 konsequent fördern, und das Erlernen der englischen Sprache bereits ab der 7. Klasse einführen. Der Sprachenunterricht in den Lyzeen soll hinsichtlich der angewandten Unterrichts- und Evaluationsmethoden sowie der Lehrpläne analysiert, und mit dem Ziel, die Fremdsprachenvermittlung insgesamt flexibler zu gestalten, angepasst werden.

KPL: Mehr Geld, mehr Leistungen

Die KPL möchte zunächst das Budget in die Höhe schrauben und das um ganze 30 Prozent. Das kostenlose Schulfrühstück soll an sämtlichen Grundschulen wieder eingeführt werden. Auch das gesamte Schulmaterial soll kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Sämtliche Aktivitäten, die von der Schule organisiert werden, sollen ebenso gratis sein für die Schüler. Zu diesen Aktivitäten sollen verstärkt auch wieder kulturelle Angebote gehören. Dazu gehören für die Kommunisten etwa Lesungen für Kinder, Theateraufführungen, Museumsbesuche sowie sonstige kulturelle und sportliche Veranstaltungen. Apropos Sport: Der Sportunterricht soll auf drei Stunden in der Woche erhöht werden. Auch pädagogische, paraschulische Angebote sollen so weit es geht ausgebaut werden, sofern diese sinnvoll sind. Die Kommunisten wollen zudem eine Ganztagsschule einführen. Dazu müssten neue Kantinen, Freizeitangebote, Förderkurse wie auch eine effiziente Hausaufgabenhilfe geschaffen werden. Zu jeder Grundschule gehöre dementsprechend eine „Maison Relais“. Um diese Funktionen auch in der „Maison Relais“ zu erfüllen, müsste dementsprechend auch Personal eingestellt werden. Die Klassengröße soll auf ein Minimum reduziert werden. Der sogenannte Ethik- und Moralunterricht soll durch intensivere Sprach-, Naturwissenschaft- und Nachhilfe-Kurse ersetzt werden. Es soll zusätzlich eine polytechnische Sekundarschule eingeführt werden.

DP: Der „Bildungsdësch“  

Die Partei des amtierenden Bildungsministers will „massiv in die Bildung investieren, um die Zukunftschancen all unserer Kinder zu verbessern“. Damit jeder daran teilnehmen kann, will die DP einen „Lëtzebuerger Bildungsdësch“ einrichten, an dem Lehrer, Schüler, Eltern, Vertreter der Wissenschaft, der Zivilgesellschaft und des Parlaments in aller Sachlichkeit einen Konsens über die wichtigsten bildungspolitischen Vorhaben erarbeiten sollen. In der Grundschule will die DP die Regional-Direktionen ausbauen, wobei ein Fokus auf der Unterrichtsentwicklung liegen soll. Es soll auch regionale „Guichets Unique“ für Bildungsfragen geben. Die DP will Lehrern, die sich spezialisieren wollen etwa in Sachen Inklusion, Digitalisierung und Schulmanagement Möglichkeiten dafür anbieten. Die Uni soll so berufsbegleitende Master-Studiengänge in Sonderpädagogik, Schulmanagement und „Educational Technologies“ anbieten. Derweil sollen spezialisierte Lehrkräfte für digitale Kompetenzen eingesetzt werden. Der Erwerb solcher Kompetenzen soll etwa durch spielerisches „Coding“ ab der Grundschule unterstützt werden, es soll eine digitale Übungsplattform geben und ein digitales Lernangebot für den Sprachenunterricht. Ferner

soll es ein flächendeckendes Angebot für Hausaufgabenhilfe geben. Die DP setzt noch stärker auf Inklusion und will therapeutische Zentren für schwer verhaltensauffällige Kinder schaffen. In den Grundschulen soll es „Elternbereiche“ geben für den Austausch mit dem Lehrpersonal. Die Sekundarschulen sollen mehr Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit erhalten. Im Angebot sollen mehr europäische Klassen sein. Auch im Süden des Landes soll eine Modellschule mit der Uni zusammen entwickelt werden. Sprachkolonien sollen angeboten, Informatik-Sektion und die Medienkompetenz ausgebaut werden. Jeder Schüler soll ein Tablet erhalten. Aufgewertet werden soll derweil die Berufsausbildung: etwa mit Teilzertifizierungsmöglichkeiten und einem dualen BTS.

adr: Neue Chancen für die Schule

Bei der adr fängt bei der Bildung alles mit einer Maxime an: die Talente jedes Kindes müssen in der Schule konkret gefördert werden, statt alles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner herunter zu deklinieren. Zu diesem Zweck sollen deshalb auch „alternative“ Bewertungssysteme zur Benotung der Schüler nur als Ergänzung hinzu gezogen werden können; das klassische Notensystem mit Punkten und Zensuren soll deshalb wieder zum Standard werden. Ein Abgangszeugnis muss der adr zufolge zur Vorbereitung auf weitere Studien oder auf die Berufswelt reichen – das Zeugnis soll wieder zum wichtigen Schlüssel zur Welt werden. Deshalb soll auch die handwerkliche Ausbildung gestärkt werden. Luxemburgisch als Schulfach soll den nötigen Stellenwert bekommen und zum Pflichtfach werden, damit es als Integrationsmittel dienen kann. Desweiteren lehnt die adr eine Sexualerziehung in der Schule ab und sieht hier eher die Eltern in der Pflicht, will gleichzeitig aber auch die Möglichkeit eines Religionsunterrichtes in den großen Weltreligionen als Option zum Kurs „Liewen a Gesellschaft“ wieder einführen. Optionale Sprachenkurse in den jeweiligen Muttersprachen sollen das mehrsprachige Angebot ergänzen. Gleichzeitig soll die Bürokratie in den Schulen reduziert werden. Das soll durch die Wiedereinführung des Direktorats in der Grundschule geschehen. Auch der Schulinspektor zur Kontrolle des Unterrichts soll wieder eine Rückkehr feiern. Damit würde das Schulkomitee abgeschafft, das Lehrpersonal könne sich auf seinen Lehrauftrag konzentrieren. Die Eltern- und Schülervertretungen müssen gestärkt werden.

déi Lénk: Schule für alle

„déi Lénk“ wollen mittel- und langfristig eine „Schule für alle“ entwickeln. Schüler sollen von Beginn an in „einem Stamm“ bis zum Ende der Schulpflicht lernen, ohne dabei nach Leistungsniveau aufgeteilt zu werden. Dabei sollen die Unterrichtsmethoden den Bedürfnissen der einzelnen Schüler angepasst werden. Eine Schule als Werkzeug der Spezialisierung wird von „déi Lénk“ abgelehnt. Eine Diversifizierung des Lehrangebotes soll in sämtlichen Lyzeen umgesetzt werden. Viel Gewicht wird auf die Vermittlung kritischen und analytischen Denkens gelegt. Anstelle des Fachs „Leben und Gesellschaft“ soll ein Kurs „praktische Philosophie“ eingeführt werden. Die Einführung in die neuen Technologien und Medien soll durch ein separates Fach gelingen. Finanzieren möchte man den kontinuierlichen Ausbau der Schulen durch die Abschaffung unnötiger Ausgaben, in diesem Fall die Investitionen in die Rüstung. Im ganzen Land soll das Angebot der Ganztagsschulen erhöht werden. Auch die Berufsausbildung soll aufgewertet werden. Nur noch 18 Schüler sollen in jeder Klasse sitzen. Betriebe sollen außerdem mehr Lehrstellen bereit halten, damit die Schüler praktisch an die Berufswelt herangeführt werden können. Wenn es um die Sprachen geht, so setzt man auch hier auf das Luxemburgische: Sie soll als Kommunikationssprache gelten. Auch die Alphabetisierung soll auf Luxemburgisch geschehen. Französisch soll zur ersten erlernten Fremdsprache werden, Deutsch hingegen zur zweiten.

dei konservativ: Fundamentaler Wechsel nötig

Déi Konservativ fordern eine grundlegende, fundamentale Schulreform. Das Ziel sei eine Schule, die sich wieder stärker mit Fachwissen und dem Leistungsprinzip beschäftigen soll. Das heiße: Kein kompetenz-orientierter Unterricht, die Abschaffung des derzeitigen Bewertungssystems oder der neuen Schulzyklen. Daneben wird die politische Neutralität der Schulen voran gestellt. Dabei sei es auch wichtig, die gleichen Bildungschancen für jeden zu garantieren. Kostenlose Schulen und kostenloses Material sollen ein Mittel sein.