LUXEMBURG
INGO ZWANK

Noch viele Hindernisse: Der Lachs gilt hier als ausgestorben, doch „Lachs2020“ soll das ändern

Zu Weihnachten oder auch an Silvester landet er gerne einmal auf der heimischen festlich gedeckten Tafel: Doch seit 1952 wurden keine Lachse mehr in der Mosel oder den Nebenflüssen gefangen. Der Grenzfluss wurde eine Schifffahrtsstraße mit insgesamt 14 Staustufen und damit absolut unzugänglich für wandernde Fische - vorerst.

Der Lachsbestand im Moseleinzugsgebiet ging zurück, bis er komplett erlosch - doch der Fisch soll hier wieder eine Heimat finden - auch in Luxemburg. Zielgerichtete Aktion der Rheinanliegerstaaten Schweiz, Frankreich, Deutschland, der Niederlande und auch Luxemburg sollen es möglich machen.

Seit vielen Jahren betreibt die IKSR, die „Internationale Kommission zum Schutze des Rheins“, die ökologische Wiederherstellung der Wanderfischgewässer im Rheineinzugsgebiet mit erheblichen finanziellen und personellen Anstrengungen.

2011 erste Lachssichtungen

Das Projekt „Lachs 2000“, das 1987 von der IKSR beschlossen wurde, hatte so zum Ziel, „den Lachs in unseren Flüssen wieder heimisch zu machen. Das Folgeprojekt „Lachs 2020“ setzt die Aktionen fort. Als wichtigste Maßnahmen dieser Schutzprojekte sind „die Verbesserung der Wasserqualität, die Errichtung von großen Fischpässen an Staustufen, die Umgestaltung oder der Rückbau zahlreicher Wehre an den Zuflüssen, die Wiederherstellung geeigneter Laichplätze sowie umfangreiche Besatzmaßnahmen mit Junglachsen anzusehen“, erklärt Carole Molitor vom Luxemburger Wasserwirtschaftsamt, das für den Lachs und seine Wiederansiedlung maßgeblich verantwortlich ist.

In Rheinland-Pfalz werden seit 1994 im Rahmen des Wiederansiedlungsprojektes regelmäßig junge Lachse an ausgewählten Gewässern ausgesetzt. Im Moselnebenfluss Elzbach beispielsweise seit dem Jahr 2005. Im September 2011 wurde von der Umweltministerin aus Rheinland-Pfalz, Ulrike Höfken, an dieser Stelle eine Fischtreppe an der Staustufe Koblenz für den Fischwanderweg eröffnet. Bereits ein halbes Jahr später schwamm der erste Lachs über diese neue Fischtreppe.

Noch zahlreiche Anstrengungen nötig

Doch eine stabile Wildlachspopulation, die sich selbst erhält, könne sich nur entwickeln, wenn die Anstrengungen der Staaten nicht nachlassen und insbesondere die kompletten Fischwege weiter saniert werden, so der Tenor der Politik. Was auch Molitor unterstreicht. „Als Langdistanz-Wanderfisch verbringt der bis zu 150 cm lange und bis zu 30 Kilogramm schwere Lachs einen Teil seines Lebens im Meer“, erklärt Molitor. Zur Fortpflanzung steigen die Lachse in die Flüsse auf, um im Bereich der Oberläufe zu laichen. Dabei steuern sie die Stellen an, an denen sie selbst geschlüpft waren. „Doch da braucht der Lachs, der sehr hohe Ansprüche an das Wasser hat und daher sehr sensibel ist, einen optimalen Laichplatz“, erklärt die Mitarbeiterin des Wasserwirtschaftsamtes.

Früher gar in der Alzette

Die Laichzeit der Lachse fällt in die Monate September bis Februar. „An kiesigen Stellen legen die Weibchen dann ihre Laichgruben an, die nach Ablage und Befruchtung der Eier wieder mit Geröll und Kies bedeckt werden“, sagt Molitor. Die Eier und der Samen werden von den Weibchen und Männchen gleichzeitig ins Wasser abgegeben, die Befruchtung erfolgt im Wasser. Die aus den Eiern schlüpfenden Junglachse leben zunächst im sogenannten Lückensystem der Gewässersohle, bleiben dann ein bis zwei Jahre im Süßwasser, bevor sie ins Meer ziehen, wo sie sich zwei bis drei Jahre aufhalten. Danach wandern sie zum Laichen wieder in die Flüsse.

So laichte der Lachs früher in Sauer, Mosel, Our und in der Alzette. Auch in der Clerf, Woltz, Blees und Wark kam der Fisch vor. Sie wurden früher mit großen Senknetzen und Reusen gefangen. Historischen Quellen zufolge wurden am Wehr in Vianden im Jahr 1875 Lachse mit einem Gesamtgewicht von 4.000 Pfund gefangen.

„Noch ausgestorben“

Doch bei allen Bemühungen muss man aktuell sagen: „Der Lachs muss zurzeit in Luxemburg immer noch als ausgestorben eingestuft werden.“ Junglachse, die in Sauer und Our gefunden werden, seien im Rahmen von staatlichen Wiedereinführungsmaßnahmen in diese Gewässer ausgesetzt worden. Zum Laichen aus dem Meer zurückkommende erwachsene Lachse wurden bislang in Luxemburg noch nicht gefunden - es gibt eben noch zu viele Hindernisse.

In Luxemburg wurden ab 1992 in Teilbereichen von Sauer und Our Junglachse ausgesetzt, doch das Aussetzen im Rahmen des Programmes „Lachs 2020“ habe man eingestellt. „Es gibt, wie gesagt, noch einige Hürden für die Fische vom Meer bis zu uns, die zuerst beseitigt werden müssen“, sagt Molitor, sonst hat auch ein Aussetzen keinen großen Sinn. Maßnahmen müssen daher Hand in Hand gehen. So nutzt den Tieren die beste Fischtreppe nichts, wenn hinter dieser Treppe ein Wehr das Wasser staut und es keine Laichplätze mit entsprechender Fließdynamik gibt. Daher müsse man sich überlegen, ob beispielsweise ausgediente Wehrstufen, die ihren Dienst verrichtet haben, nicht abgebaut werden sollten.

Dennoch: „Eine Rückkehr und natürliche Fortpflanzung des Lachses in luxemburgischen Gewässern erscheint in Zukunft durchaus möglich“, wenn auch nicht in den nächsten fünf Jahren. Luxemburg bereite sich akribisch darauf vor. Dies zeige auch der Einsatz in Bezug auf die Kläranlagen zur Verbesserung der Wasserqualität, sagt Molitor. Ein wichtiges Ziel der Regierung ist deshalb, die Flüsse und Bächen wieder in beide Richtungen für die Wanderfische, dazu zählen auch der Aal und die Forelle, durchgängig zu machen. Das fordert auch die europäische Wasserrahmenrichtlinie. Die Mosel spiele dabei eine besondere Rolle, da sie und ihre Nebengewässer die größten Laich- und Jungfischlebensräume aufweisen.