LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Ab der Jahresmitte 2018 soll es auch am Findel automatisierte Passkontrollen geben

Wer öfter mit dem Flugzeug im Schengenraum unterwegs ist, weiß zwar was ihn an Sicherheitskontrollen erwarten kann, vom Schuhe ausziehen über den vollelektronischen Körperscanner bis hin zur Leibesvisitation - mit einem muss er aber nicht rechnen: Mit langwierigen Passkontrollen nach alter Väter Sitte.

Über eine Stunde Wartezeit?

Das Bild ändert sich schlagartig, wenn man den Schengenraum verlässt. Das gilt auch bei der Wiedereinreise in den Schengenraum. Auch auf dem Flughafen Findel.

Dort stehen dann einem vollbesetzten Flugzeug nur zwei Einreisebeamte gegenüber, was zu einer entsprechend langen Abfertigungszeit führt. Der sozialistische Abgeordnete Marc Angel, aufmerksam gemacht durch einen Presseartikel, hat sich in einer parlamentarischen Anfrage auf diesen Umstand bezogen und sogar von 300 Passagieren gesprochen, denen nur zwei Beamte gegenüberstehen. Wobei die Passagierzahl für einen Ferienflieger sehr hoch gegriffen scheint.

Grundsatzfragen

Zunächst wollte Marc Angel von Sicherheitsminister Etienne Schneider wissen, ob sich einreisende Passagiere in den Schengenraum via Findel wirklich auf eine Abfertigungszeit von mehr als einer Stunde bei der Passkontrolle einstellen müssen. Falls dem so sei, fasse der Minister dann eine Aufstockung des Personals ins Auge? Könnten elektronische Reisedokumente die Einreiseprozedur im Schengenraum und auf dem Findel verkürzen?

Abfrage in europäischen Datenbanken

Minister Schneider räumt ein, dass sich die Kontrollzeiten im Jahr 2017 verlängert haben, aber nur in den seltensten Fällen über eine Stunde dauern. Wartezeiten von dreißig Minuten und mehr seien 2017 aber öfter vorgekommen. Dafür gebe es zwei Gründe. Zum einen sei die Gesamtzahl der ankommenden Passagiere stark gestiegen, zum anderen würden seit April 2017 für alle Einreisenden Abfragen bei den Datenbanken von SIS und INTERPOL durchgeführt. Die Abteilung für Grenzkontrollen sei - nach einer Überprüfung durch die EU - schon 2016 um vier Beamte verstärkt worden, 2017 seien drei weitere hinzugekommen. Für 2018 ist die Einstellung von drei weiteren Beamten vorgesehen, die Personalstärke der Abteilung steigt dann auf 34 Beamte.

Automaten sollen kommen

Zurzeit stehen auf dem Flughafen Findel drei Einreise- und drei Ausreiseschalter für Passkontrollen zur Verfügung. Laut Minister Schneider wird die Installation einer „Automated Border Control“ (ABC) - wie sie es schon an einigen deutschen Flughäfen und auch in Amsterdam gibt - entwickelt. Mit diesem System würde dann das Gros der Reisenden - Inhaber von EU-Pässen - durch ein automatisiertes System überprüft. Da im Umkehrschluss dann nur noch die Einreisepapiere von Nicht-EU-Bürgern durch Grenzbeamte kontrolliert werden, verkürzt sich die Wartezeit drastisch. Für den Findel ist die Einführung für die erste Jahreshälfte 2018 vorgesehen.

Kapazitätserhöhung zur Jahresmitte

Von Mitte des kommenden Jahres an sollen für die Ausreise drei besetzte Kontrollschalter und fünf automatisierte Terminals zur Verfügung stehen. Bei der Einreise können bis zu vier Kontrollposten besetzt werden, für die automatische Einreisekontrolle stehen auch dort fünf Terminals zur Verfügung.