LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Im ganzen Rheinbecken tut sich in Sachen Niederschläge nichts - Nicht nur Bauern betroffen

Zu Beginn ein Selbstzitat, vor ziemlich genau zwei Monaten schrieben wir an dieser Stelle unter anderem: „...Wenn dieser Sommer typisch für die Zukunft sein sollte, führt auch kein Weg daran vorbei, an der Mosel neue Rebsorten einzuführen. Riesling wächst dann irgendwann auf Norderney oder Borkum.“ Wobei die Winzer zu den eindeutigen Gewinnern der Wetterlage gehörten. Gelitten haben die jungen Stöcke, aber ansonsten gelten Ertrag und Qualität des Weinjahres 2018 als herausragend. Die Folgen für die restliche luxemburgische Landwirtschaft waren nicht so dramatisch wie beispielsweise in Ost- und Norddeutschland, aber spürbar. Getreidekörner waren kleiner, der Mais kam nur schlecht in die „Gänge“, das Grünland gab kaum noch etwas her und Heu wird „wie Gold“ gehandelt. Alle hofften auf Regen.

Regen und Benzinpreise

Jetzt ist Mitte Oktober und eine Besserung - in Form einer Wetterverschlechterung - ist nicht abzusehen. Es ist warm und es regnet so gut wie gar nicht. Die Auswirkungen treffen immer noch als erstes die Landwirtschaft, aber auch auf ganz andere Dinge hat das Wetter Einfluss. So hängen die relativ hohen Benzin- und Dieselpreise zum Teil mit dem Regenmangel zusammen. Kraftstoffe werden nicht nur über die Meere per Schiff transportiert, auch einen großen Teil der Transportstrecke, etwa von Rotterdam bis zum Vertriebsnetz vor Ort, übernehmen Schiffe, natürlich Binnenschiffe, gut zu sehen im Ölhafen von Mertert. An der durch Staustufen regulierten Mosel fällt der Mangel an Niederschlägen nur durch die lästigen Blaualgen auf, aber wer in den letzten Tagen und Wochen einen Ausflug an den Rhein gemacht hat, kann und konnte die Folgen sehen. Anstelle eines breiten Stroms wartete ein breiter Kiesstreifen, manche Rheininsel war sogar trockenen Fußes zu erreichen. Die Fahrrinne in der Ferne ist eng und der Pegelstand liegt weiter unter normal, was zur Folge hat, dass die Schiffe nur noch zur Hälfte beladen werden können - wenn überhaupt. In der Folge steigen die Frachtraten dramatisch an, die wiederum auf die Verbraucherpreise aufgeschlagen wurden.

DPA meldete gestern: „Die Hoffnungen von Land- und Forstwirten auf baldigen Regen erfüllen sich wohl so schnell nicht.“ Was sinngemäß für das gesamte Rheinbecken gilt, zu dem auch Luxemburg mit Ausnahme des Korntals gehört. „Die Niederschläge, die die Flüsse füllen können, sind weiter nicht in Sicht“, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Zwar schwäche sich das wetterbestimmende Hochdruckgebiet über Weißrussland derzeit weiter ab - doch über der Nordsee bilde sich bereits das nächste. Hoch „Wolfgang“ sorgt laut DWD in den kommenden Tagen für ein paar Wolken und örtlich etwas Sprühregen. Doch das sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt ein Meteorologe. Die Folge: Die Pegelstände der Flüsse sinken weiter. Am Rhein steuern sie bereits auf ein historisches Tief zu. Noch gilt das Niedrigwasser als „Extremereignis“, es stellt sich die Frage wie lange noch.

Gartenbau würde gerne auf anderes Wasser zurückgreifen

Wie sieht es aktuell hierzulande aus? Aufgrund der gestrigen Bauernmanifestation in Ettelbrück waren die Landwirtschaftsexperten leider nicht erreichbar für ein Statement zur aktuellen Wetter- und Wasserlage. Erfolgreich waren wir mit unserer Nachfrage beim Gartenbau verband und die dortige Aussage war eindeutig. Ende August, anfangs September sei die Situation wirklich dramatisch gewesen, augenblicklich sei sie noch nicht wirklich besser, die Situation sei „nicht optimal“. Das Wetter habe natürlich Konsequenzen für alle Gartenbaubetriebe. „Wir wünschen uns einen regenreichen Winter“ - auch wenn das natürlich dem breiten Publikum nicht gefallen würde.

Da der Gemüseanbau in Luxemburg gerade einen kleinen Boom erlebt, sind die Witterungsbedingungen für Neueinsteiger ein besonderes Problem. Die Gärtnerföderation fordert deshalb schon seit ein paar Jahren die Bedingungen für die Bewässerung von Gemüse- oder Obstkulturen zu erleichtern. Anstelle mit teurem Leitungswasser, also Trinkwasser, zu bewässern, könne man doch auch mit Oberflächenwasser oder Wasser aus Flachbrunnen die Plantagen versorgen, schließlich würde das Wasser wieder direkt dem Grundwasser zugeführt. Der Gärtnerföderation setzt auf „die Option der Nutzung von Quellwasser, welches nicht trinkwasserkonform ist, aber gießwasserkonform wäre, in der gärtnerischen Produktion“. Voraussetzung ist eine Vereinfachung von Genehmigungsverfahren.