LUXEMBURG
MARCO MENG

Luxemburg will mit gesetzlicher Regelung grüne Anleihen attraktiver machen

Nirgends auf der Welt sind so viele „Green Bonds“ gelistet wie an der „Bourse de Luxembourg“. Die luxemburgische Börse war 2007 auch der erste Standort, an dem eine grüne Anleihe begeben wurde. Nun soll laut Finanzminister Pierre Gramegna ein Gesetz für grüne - ebenfalls erstmalig auf der Welt - klare rechtliche Standards bringen. Das Ziel, welches das Finanzministerium damit verfolgt, liegt auf der Hand: Das Vertrauen möglicher Investoren in solche Produkte soll gestärkt werden - und Luxemburgs Rolle als führendes Zentrum in diesem Bereich.

Heute schon ist es so, dass etwa 50 Prozent aller weltweit aufgelegten „green Bonds“ in Luxemburg gelistet sind: Die vor einem Jahr gestartete „Luxembourg Green Exchange“ (LGX) der luxemburgischen Börse ist die erste globale Plattform, die ausschließlich grünen Finanzinstrumenten gewidmet ist. Und im September 2017 schloss sich die Börse Luxemburg dem „green equity index“ des CSI 300 Index an, wo die hundert wichtigsten Firmen der Börsen Shanghai und Shenzhen gelistet sind.

Die erneuerbare Energien-Anleihe

Mit der Begebung grüner Anleihen (Green Bonds) beschaffen sich Emittenten Geld für Umwelt- und Sozialprojekte, zum Beispiel in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Wasserreinhaltung.

Der Gesetzesvorschlag soll in den nächsten Tagen ins Parlament kommen, wie das „Journal“ gestern aus dem Finanzministerium erfuhr. Der weitere Verlauf der Prozedur liegt dann bei der Chamber. Hintergrund ist auch, dass mit dem zunehmenden Boom solcher Anleihen auch die Kritik an einem möglichen „greenwashing“ laut wurde. Mit einheitlichen Kriterien, Definitionen und Standards soll das luxemburgische Gesetz Abhilfe schaffen, zumindest im Kontext erneuerbarer Energien. So sollen beispielsweise in dem Gesetzesentwurf, der am 5. Januar 2018 vom Regierungsrat verabschiedet wurde, klare rechtliche Standards für die entsprechenden Vermögensgegenstände vorgegeben werden, die als Deckungswerte für grüne Bonds in Frage kommen. Ein Schritt, der weltweit einmalig wäre - und längst überfällig.

Sicherheit für Anleger

Konkret legt der Gesetzesentwurf unter anderem den rechtlichen Rahmen für eine neue Art von hypothekenbesicherten Anleihen fest. Die Einführung ins luxemburgische Recht dieser neuen Art von Hypothekenanleihen, die so genannten „Garantiebrief für erneuerbare Energien“, spiegele die Bedeutung wider, die Luxemburg der Erreichung der Ziele nachhaltiger Entwicklung beilege und stärke die Position von Luxemburg als Kompetenzzentrum im Bereich „Green Finance“, wie das Finanzministerium mitteilt. Das Gesetz sei auch Teil einer Strategie zur Diversifizierung des Finanzplatzes. Der Gesetzentwurf enthält laut Ministerium strenge Kriterien (einschließlich des Zwecks der finanzierten Ausrüstung und Infrastruktur), um den „grünen“ Charakter dieser neuen Kategorie von Hypothekenanleihen zu gewährleisten.

Eine Bank, die eine erneuerbare Energie-Anleihe emittiert, muss Sicherungswerte vorhalten um den Inhabern (Anlegern) von Pfandbriefen die Rückzahlung des gesamten von ihnen investierten Betrages zu garantieren.

Zehn Jahre Expertise

Letztes Jahr feierte die Börse Luxemburg zehn Jahre „Grüne Anleihen“, da die Europäische Investitionsbank 2007 den weltweit ersten grünen Anleihe mit dem „Climate Awareness Bond“ aufgelegt hatte. 132 Green Bonds sind derzeit an der Börse Luxemburg gelistet: „Grüne“ Umwelt-Anleihen mit einem Volumen von 63,5 Milliarden Euro, soziale Anleihen im Volumen von 7,6 Milliarden Euro sowie Anleihen, die Nachhaltigkeitsprojekte finanzieren im Volumen von 1,8 Milliarden Euro, zusammen sind das 72,9 Milliarden Euro. Auch davon abgesehen können sich übrigens die Zahlen der Börse Luxemburg sehen lassen. Mehr als 11.000 neue Wertpapiere wurden hier letztes Jahr neu gelistet; das Gesamtvolumen der Papiere, die an der luxemburgischen Börse gehandelt werden, belief sich Ende 2017 auf sechs Billionen Euro.