LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

SIX arbeitet an den Bezahllösungen der Zukunft

Milch alle? Kein Problem: Der Kühlschrank wird künftig selbständig Nachschub bestellen können. Was Firmen wie Electrolux bereits vor 20 Jahren testeten, könnte in nächster Zukunft zum Standard werden. Der Kühlschrank ist nur ein Beispiel aus dem „Internet of Things“. Bis 2020 könnte es Abermilliarden vernetzter Apparate geben. Amazon hat in den USA „Dash Buttons“ eingeführt - ein Knopfdruck genügt und schon geht eine Bestellung der fehlenden Ware raus - Walmart hat sich mit Google zusammen geschlossen. Wer einen Sprachassistenten von Google hat, kann ihm nun sagen, welche Ware er beim Einzelhandelsgiganten bestellen will. Was dem Konsumenten das Leben einfacher macht, ist im Hintergrund eine enorme technische und logistische Herausforderung. Es geht nicht nur um die Frage, wer die Milch bringt und wer sie am schnellsten bringt, sondern auch, die Zahlung für den Verbraucher so bequem und sicher abzuwickeln, wie irgend möglich. Hier kommt SIX ins Spiel. Die schweizerische Gruppe, Marktführer beim bargeldlosen Bezahlen in mehreren Ländern, will im Januar eine Lösung für die Ära des „Internet of Things“ heraus bringen, wie ihre Vertreter gestern bei einer Pressekonferenz in Munsbach ankündigten.

Derzeit sammelt sie Einzelhändler, die bereit sind, einzusteigen. Denn ihre Inventar- und Logistikdaten müssen in einer zentralen Stelle landen, damit die Software herausfindet, wer die Ware am schnellsten und vielleicht auch am günstigsten zum „smarten“ Kühlschrank zu liefern vermag.

Neutrale Plattformen bieten

SIX bietet seit dem Herbst auch eine Lösung an, um den klassischen Verkauf mit dem Online-Verkauf zu kombinieren. Was bisher getrennte „Kanäle“ waren, wächst zusammen, „Omni Channel“ nennt das Unternehmen das. Sie haben ein Hemd online bestellt und es passt oder gefällt Ihnen nicht? Sie können es natürlich zurückschicken, müssen dann aber länger auf das neue Hemd warten. Sie können aber auch in den nächsten Shop gehen, um ihr Hemd zu tauschen. Das neue können sie sofort mitnehmen oder es sich aber nach Hause liefern lassen. Der Clou: Die ganzen Transaktionen, die mit diesem Umtausch zusammen hängen, finden vollautomatisch statt.

Vorstellbar, dass ein Kunde sich irgendwann einfach Waren in einem Shop abholt, ohne auch nur einmal die Kreditkarte zücken zu müssen. In den USA werden solche Konzepte bereits getestet. „Zahlungsmöglichkeiten müssen sich den Kundengewohnheiten anpassen“, sagten die Experten von SIX, die sich nicht in die Strategien der Händler und schon gar nicht in die Warenlogistik einmischen wollen.

Ihr Ziel ist, eine neutrale und sichere Plattform zur Verfügung zu stellen, die Transaktionen schnellstmöglich abwickelt. Auf die Frage, ob der Markt in Luxemburg nicht zu klein sei für solche Lösungen, hieß es von SIX, sie könnten auf alle Bedürfnisse zugeschnitten werden. Das Unternehmen zeigt sich auch sehr interessiert an den Bemühungen der Regierung und des Handels, eine nationale E-Commerce-Plattform aufzubauen. In naher Zukunft werde man dazu Gespräche führen.
SIX - kurz für „Swiss Infrastructure and Exchange“ - ist ein weltweit tätiger Dienstleister für Börsenplattformen und „Clearing“ und konzipiert und vertreibt Systeme für den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Die Schweizer Firma mit Sitz in Zürich ging 2008 aus dem Zusammenschluss der SWX Group, der SIS Group und der Telekurs Group hervor.

Das Unternehmen, das von rund 130 nationalen und internationalen Finanzinstituten gehalten wird, die seine Dienstleistungen nutzen, hat sich in den vergangenen Jahren durch Akquisitionen vergrößert, In Luxemburg unterhielt SIX seit 2008 eine Partnerschaft mit CETREL. 2014 wurde SIX dessen einziger Teilhaber und 2016 fusionierten CETREL S.A. und „SIX Payment Services (Europe)“ S.A. Während die Gruppe das Rückgrat des schweizerischen Finanzzentrums darstellt, ist sie Marktführer im Kreditkarten-Business in der Schweiz, in Österreich und in Luxemburg. Die Aktivitäten im Großherzogtum generieren etwa 13 Prozent des Umsatzes von SIX.