LUXEMBURG
INGO ZWANK

Auf der Suche nach den Opfern von gewaltsamem Verschwindenlassen

Die Vereinten Nationen haben den 30. August zum „Internationalen Tag der Verschwundenen“ erklärt. Seit 1980 sind weltweit mehr als 50.000 Fälle bekannt, in denen Personen „verschwunden“ sind. Die Dunkelziffer dürfte jedoch noch weitaus höher sein, wie auch „Amnesty International“ ausführt.

Verschwindenlassen bedeutet „die Festnahme, den Entzug der Freiheit, die Entführung oder jede andere Form der Freiheitsberaubung durch Bedienstete des Staates oder durch Personen oder Personengruppen, die mit Ermächtigung, Unterstützung oder Duldung des Staates handeln, gefolgt von der Weigerung, diese Freiheitsberaubung anzuerkennen, oder der Verschleierung des Schicksals oder des Verbleibs der verschwundenen Person, wodurch sie dem Schutz des Gesetzes entzogen wird.“ So steht es im „Internationales Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen“ in Artikel 2. Dieses Übereinkommen verpflichtet die Vertragsstaaten zur Suche nach verschwundenen Personen. So sollen der Aufenthaltsort ermittelt werden und vor allem auch die Umstände des Verschwindens geklärt werden. 97 Staaten haben das Übereinkommen unterzeichnet, Luxemburg am 6. Februar 2007, aber nach UN-Angaben noch nicht ratifiziert.

Im schlimmsten Fall, im Todesfall, sollen die sterblichen Überreste identifiziert und an Angehörige übergeben werden können. Doch die aktiven Organisationen wissen, dass es in der Praxis recht schwierig aussieht. Die Suche wird vielerorts gar nicht vom politischen Willen getragen, die Unterstützung tendiert gegen null. Mit internationalen Eilaktionen können in solchen Fällen Betroffene bei der Suche nach Verschwundenen unterstützt werden, weiß das Deutsche Institut für Menschenrechte zu berichten.

Besonders komplex gestalte sich die Suche nach Personen, die in ein Drittland verschleppt oder außerhalb ihres Herkunftslandes Opfer des Verschwindenlassens wurden.

Solche Fälle gab es beispielsweise im Rahmen der Operation Condor in Lateinamerika (1975 bis in die 1980er Jahre), aber auch im späteren Timor Leste während seiner Besatzung durch Indonesien (1976 bis 1999), wie es in einem Bericht des Instituts heißt.

Die Vertragsstaaten sollen gemäß Artikel 15 zusammenarbeiten und sich sowohl bei der Suche und Klärung des Aufenthaltsortes als auch bei der Unterstützung der Betroffenen gegenseitig helfen. Dazu gehört auch die Ermittlung des Aufenthaltsortes und die Freilassung der Opfer oder – im Fall ihres Todes – die Exhumierung, Identifizierung und Überführung der sterblichen Überreste. Mit Ländern, in denen gewaltsames Verschwindenlassen aktuell vorkommt, funktioniert die zwischenstaatliche Zusammenarbeit jedoch nicht. Dies betrifft beispielsweise die vielen Migranten aus Zentralamerika, die in Mexiko Opfer von Verschwindenlassen werden, wie viele Menschenrechtsorganisationen bilanzieren.

Weltweit gibt es viele Organisationen, die sich mit dem Verschwindenlassen von Menschen auseinandersetzen. Die älteste von ihnen ist der Regionalverbund FEDEFAM, „Federación Latinoamericana de Asociaciones de Familiares de Detenidos-Desaparecidos“.