LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ hat seine vier Golden Globes verdient

In der Nacht zum Montag wurden die Golden Globes in Beverly Hills von der ausländischen Presse in Hollywood vergeben. Als großer Gewinner in der Kategorie Drama ging Martin McDonaghs „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ hervor. Der Film gewann den Preis als bestes Drama, Martin McDonagh wurde für sein Drehbuch belohnt, Frances McDormand als beste Schauspielerin ausgezeichnet und Sam Rockwell als bester Nebendarsteller. Und keine dieser Auszeichnungen ist unverdient!

Mildred und die Polizei

Vor sieben Monaten wurde Mildred Hayes‘ (Frances McDormand) Tochter Angela (Kathryn Newton) ermordet und vergewaltigt. Ein Täter wurde nie gefasst. Da Mildred die Polizei der Stadt Ebbing für ihr Nichtstun in der Affäre anprangert, kommt ihr beim Durchfahren der Drinkwater Road, wo die Tat geschah, eine geniale Idee. Dort stehen drei Plakattafeln (Billboards), auf denen seit Jahren keine Werbung mehr zu lesen ist. Sie mietet bei der Werbeagentur von Red Welby (Caleb Landry Jones) die Tafeln an und lässt drei Plakate anbringen, auf denen sie unter anderem dem Polizeichef Willoughby (Woody Harrelson) die Frage stellt: „How come, Chief Willoughby?“.

Als erster sieht Polizist Jason Dixon (Sam Rockwell) die Schilder. Bald sind genauso viele Einwohner über diese Initiative von Mildred erbost, wie solche, die der trauernden Mutter Recht geben. Einige versuchen Mildred auf ihre Art und Weise, mal nett, mal auf die harte Tour, zu überzeugen, die Plakate abzunehmen, sogar ihr Ex-Mann Charlie (John Hawkes), der eine Affäre mit der neunzehnjährigen Intelligenzbestie Penelope (Samara Weaving) hat. Als Willoughby, der an einem unheilbaren Krebs leidet, sich das Leben nimmt, dreht Dixon durch.

Pure Ironie und Sarkasmus

Selten hat man in letzter Zeit einen Film gesehen, der nur so vor Sarkasmus und Ironie strotzt. Jeder Satz, jede Überlegung der Protagonisten ist intelligent durchdacht, so dass die Lachmuskeln fast die ganzen 115 Minuten Laufzeit in Bewegung sind. Frances McDormand ist einfach köstlich als enttäuschte und wutentbrannte Mutter, die vor den Polizisten kein Blatt vor den Mund nimmt und des Öfteren das „F“-Wort benutzt. Die unglaublichsten Bemerkungen über Gangs und implizierte Mittäterschaft, die aus ihrem losen Mundwerk nur so herausquellen, muss sich Pfarrer Montgomery (Nick Searcy) gefallen lassen. Sie verzieht keine Miene, und doch erkennt man, was in ihr vorgeht, und ahnt, was Schlimmes passieren wird. Interessant und kurios ist ebenfalls ihre Beziehung zum kleingewachsenen James (Peter Dinklage).

Absolut genial spielt Sam Rockwell den Polizisten Dixon, der nicht mit sonderlich vielen grauen Zellen ausstaffiert wurde und noch bei seiner Mutter (Sandy Martin) wohnt. Die Art und Weise wie er sich nach dem Lesen eines Briefes von Willoughby wandelt, ist äußerst originell, wie auch das Aufeinandertreffen mit Welby in einem Krankenhaus.

Regisseur McDonagh hat zuvor mit „In Bruges“ (2008) und „Seven Psychopaths“ (2012) bereits zwei Streifen gedreht, in denen Sarkasmus großgeschrieben wird. Mit seinem neuen Werk übertrifft er jedoch dieses Niveau. „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist einer der intelligentesten und originellsten Filme der letzten Jahre.