LUXEMBURG
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Angespannte Situation: Wasserwirtschaftsamt spricht von „kleinem Winterhochwasser“

Gestern um 10.00 zeigten fast alle Tendenzpfeile des Hochwasserberichtes nach unten - die Pegel fallen. Denn ein Tiefdruckgebiet über der Ostsee bestimmte das Wetter und brachte mit einer westlichen Strömung kühle und leicht labile Luftmassen zu uns. Leichte Niederschläge seien zwar noch möglich, und diese könnten auch bis Mittwoch anhalten. Doch man müsste wieder mit stärkerem Niederschlag rechnen, prognostizierten die Wetterexperten. In der Nacht zu Donnerstag bleibt es der Vorhersage nach stark bewölkt und es fällt weiter verbreitet Regen, im Bergland auch mit Schnee.

„Kleines Winterhochwasser“

Der Direktor des Wasserwirtschaftsamtes, Jean-Paul Lickes, sprach gegenüber dem „Journal“ von einem „kleinen Winterhochwasser“ - mit Schnee und Regen, was durchaus wichtig für die Quellen des Landes sei. Denn so könnten sich die Reserven wieder auffüllen. „Die aktuelle Situation ist daher nichts Besonderes, da wir uns in der Hochwassersaison befinden, die von November bis März anzusetzen ist“, sagte Lickes. So spricht die Verwaltung bei Hochwasser offiziell von einem natürlichen Phänomen, „welches nicht verhindert werden kann. Es besitzt das Potenzial, zu Schäden für die Umwelt und die Bevölkerung zu führen sowie die wirtschaftliche Entwicklung zu gefährden.“ Allerdings würden auch bestimmte menschliche Handlungen und Klimaänderungen dazu beitragen, die Eintrittswahrscheinlichkeit von Hochwasserereignissen zu erhöhen. Um die Auswirkungen von Hochwasser in betroffenen Gebieten zu vermeiden beziehungsweise zu verringern, wurden Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten erstellt, die der Entwicklung von Hochwasserrisikomanagementplänen dienen. Hiermit sollen Maßnahmen geplant werden, die im Falle eines Hochwasserereignisses der Bevölkerung und der Infrastruktur Schutz bieten und im schlimmsten Fall Evakuierungsmaßnahmen festlegen.

Versiegelung ist ein Problem

„Ein Punkt, den wir auch immer wieder in diesem Zusammenhang aufgreifen müssen und der uns den ‚Schwarzen Peter‘ reicht, ist der Umstand der Versiegelung der Oberfläche und auch der Zersiedelung“, sagt Lickes in diesem Zusammenhang - und nennt als Beispiel den „Ban de Gasperich“. Aktuell sind offiziell 15 luxemburgische Fließgewässer mit besonderem Hochwasserrisiko ausgewiesen: Alzette, Attert, Clerve, Eisch, Mamer, Mosel Our, Pall, Roudbaach, Sauer, Schwarze Ernz, Syr, Weiße Ernz, Wark und Wiltz. Wie sich Schnee und Niederschläge auf die Pegelstände in diesen Regionen auswirken, wird an 36 Messstationen erfasst. 15 davon dienen der Vorhersage in den Flussgebieten von Sauer, Mosel und Alzette. Bisher wurden die Höchststände alle drei Stunden ermittelt. Seit der Einführung und Inbetriebnahme von „inondations.lu“ passiert dies alle 15 Minuten, um ein noch genaueres Modell zu erhalten. Wobei man auch mit internationalen Partnern zusammenarbeitet. Seit 30 Jahren ist hier ein Austausch zwischen Luxemburg, Frankreich und Deutschland vorhanden, um den Hochwasserschutz an der Mosel zu optimieren.

Wetteraussichten und Anfragen

Eine weitere Entwicklung der Wasserstände ab Wochenmitte sei momentan noch nicht einzuschätzen, es sei aber nicht auszuschließen, dass diese wieder steigen werden. „Der Hochwassermeldedienst bleibt in Bereitschaft“, wie es vom Wasserwirtschaftsamt heißt.

In einer Anfrage an die Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer hinterfragt François Benoy (déi gréng) die Situation der Alzette, die am 11. Dezember ein Rekordhoch von 233,9 cm erreicht hatte und wo Renaturierungsmaßnahmen unabdingbar seien. Diesen Projektstand soll der Schöffenrat nun darlegen.

Alle Informationen zur aktuellen Hochwassersituation gibt es unter www.inondations.lu/alerts