GREVENMACHER
PATRICK WELTER

Tess Burton, Präsidentin des Geschäftsverbandes Grevenmacher, zur Situation des Handels

Die meisten kennen sie nur als jüngste Parlamentsabgeordnete und Mitglied der LSAP-Fraktion. Das ist aber nur eine Facette ihrer Arbeit. Sie ist Unternehmerin mit einem eigenen Laden, Managerin im elterlichen Verlag, Gemeinderätin und Präsidentin des Geschäftsverbandes ihrer Heimatstadt Grevenmacher: Tess Burton.

In unserem Gespräch dreht sich alles um die Zukunft für mittelständische Einzelhändler in kleinen Städten wie Echternach oder Grevenmacher. Vor allem geht es darum, wie man mit Eigeninitiative und einer engagierten Gemeindeführung den bestehenden oder drohenden Leerstand vieler Ladenlokale verhindern kann. Anders herum formuliert: Wie bindet man die Kunden dauerhaft an kleine Stadtzentren?

Das Leerstandmanagement, das sich einige Kommunen auf die Fahnen geschrieben haben, kommt für Tess Burton zu spät. „Man muss vorher etwas tun“ so ihre klare Ansage. Natürlich sei es in Ordnung, wenn sich eine Gemeinde bemüht, Leerstände zu beseitigen, aber man sollte es nicht soweit kommen lassen. Das Problem der Klein- und Mittelunternehmen (KMU) sei auch auf Regierungsebene erkannt worden und das Wirtschaftsministerium habe einen entsprechenden Aktionsplan vorbereitet (siehe nebenstehenden Kasten).

Kaum Fluktuation

In der Fußgängerzone von Grevenmacher gibt es aktuell dreißig Geschäfte, die fast alle von den Inhabern geführt werden. Zu den positiven Seiten ihrer Stadt gehört für Tess Burton, dass es unter den Geschäften keine große Fluktuation gibt. In Grevenmacher haben wir das Glück, das viele Leute regelmäßig in die Fußgängerzone kommen, weil sie zum Arzt gehen, Kinder in die Musikschule bringen oder Banken aufsuchen. An Samstagen ist aber deutlich weniger los, meint Tess Burton. Die Fußgängerzone spreche auch viele Kunden deswegen an, weil sie sauber und sicher sei, und man in der Nähe parken könne.

Unterschiedliche Meinungen

Mit dem Parken würden die Probleme allerdings schon beginnen. Die Stadtverwaltung wolle öffentliche Plätze autofrei anlegen, die Geschäftsleute würden Wert auf Parkplätze in der Nähe legen. Nur leider hätten sie keinen Einfluss darauf. Der Widerspruch sei klar: Die Gemeinde wolle die Bürger dazu erziehen, ein Stück weiter zu Fuß zu gehen, die Kunden wollten aber möglichst geschäftsnah parken, so die Präsidentin des Geschäftsverbandes. Man könne dem Kunden aber keine Vorschriften über sein Verhalten machen, denn die Konkurrenz, die Parkplätze direkt vor dem Laden bieten kann, sei riesengroß. Gemeinden und Geschäftsinhaber würden hier nicht an einem Strang ziehen.

Natürlich seien Immobilien- und Versicherungsmakler, die sich in Ladenlokalen niederlassen, besser als der sichtbare Leerstand, sie tragen aber kaum zur Attraktivität einer Fußgängerzone bei. Zu hohe Ladenmieten sind in Grevenmacher im Gegensatz zur Hauptstadt kein Problem. Tess Burton ist auch nicht davon begeistert, dass einzelne Ladenlokale als Wohnräume genutzt werden. Die Gemeinden von der Größe Grevenmachers müssen auf die Zukunft der Fußgängerzonen schauen und selbst etwas zur Attraktivität beitragen, indem sie an schwach frequentierten Tagen, insbesondere den Samstagen, für ein anziehendes Unterhaltungsprogramm in den Fußgängerzonen sorgten

Wer Ideen hat, hat Erfolg

Zu den Problemen inhabergeführter Geschäfte gehört auch die Regelung der Nachfolge. Hier sollten die Schulen mehr tun, den Unternehmergedanken fördern und die Inhaber sollten sich nicht scheuen, sich auch nach einem ausländischen Nachfolger umzusehen.

Andere Probleme müssten auf der politischen Ebene gelöst werden. Der luxemburgische Handel sei gezwungen, seinen Einkauf über Zwischenhändler zu regeln, der Konkurrent am deutschen Moselufer könne direkt beim Hersteller einkaufen - und damit eine andere Preispolitik betreiben. Die Schwierigkeiten, die Teile des Einzelhandels haben, erklärt sich für Tess Burton daraus, dass es schlicht an Innovationen fehlt. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass gezeigtes Engagement Kunden anzieht. Natürlich eigne sich auch nicht jede Geschäftsidee für eine Kleinstadt. Ihr Motto ist ganz klar: „Liebe deine Kunden!“ Der Kunde sei immer noch der König. Daher sei es wichtig, höflich zu sein und einen guten Service anzubieten und ihm etwas entgegen zubringen. Niemand sei dazu bereit, grantige Verkäufer oder Inhaber zu akzeptieren.

Wer sein Heil allein im online-Handel sucht, weiß oft nicht, wie viel Arbeit das bedeutet, auch dort kommen die Kunden nicht einfach so zugeflogen, meint Tess Burton. Sicherlich seien mittlerweile über 90 Prozent der Luxemburger online, aber der beste Weg sei beides anzubieten. „Online ist ein Anreißer“.

Den Kunden sollte aber auch bewusst sein, dass das Motto des lokalen oder regionalen Kaufens, das sich gerade im Lebensmittelbereich beginnt durchzusetzen, auch für den Non-food-Bereich gelten sollte. Er kauft vielleicht dänisches Spielzeug, aber wenn der Kunde in seiner eigenen Stadt einkauft, trägt er zum Erhalt von Fußgängerzonen und lebendigen Innenstädten bei.

Ihr Fazit ist simpel: „Wer jung ist und sich anstrengt, hat gute Chancen auch mit einem Einzelhandelsgeschäft erfolgreich zu sein.“