LUXEMBURG
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Zum Welt-Schlaganfall-Tag am 29. Oktober: Chantal Keller von „Blëtz asbl“ über ihre Arbeit

In Europa gehören Schlaganfälle zu den häufigsten Todesursachen. Auch Chantal Keller erlitt einen Schlaganfall, das war vor einigen Jahren. Heute engagiert sie sich als Präsidentin in der Asbl „Blëtz“, die im Vorfeld des Welt-Schlaganfall-Tags am 29. Oktober einige Projekte organisiert hat, um auf diese Krankheit aufmerksam zu machen und aufzuklären.

„Jeden Tag erleiden im Durchschnitt vier Personen in Luxemburg einen Hirnschlag. Rund ein Drittel der Betroffenen erholen sich durch die entsprechende medizinische Versorgung bereits nach einem Monat wieder von ihrem Schlaganfall, ein weiteres Drittel behält Schäden und Behinderungen zurück und das letzte Drittel stirbt innerhalb eines Jahres an den Folgen des Hirnschlags“, erklärt Keller.

Bei „Blëtz a.s.b.l“ handelt es sich um eine Vereinigung, deren Ziel es ist, Personen mit einem Hirnschlag zu helfen. „Sie bietet den Betroffenen, ihren Familien und Freunden Hilfe und Unterstützung an. Sie achtet auf die Integration der Betroffenen in die Gesellschaft, dazu unterstützt sie die Verbesserung der Lebensbedingungen der Betroffenen und ihres Umfelds“, erklärt Keller. Zusammen mit dem Verein informiert sie die Öffentlichkeit über die Fragen, die mit Gehirnverletzungen einhergehen und die Bedürfnisse, die sich aus diesen Verletzungen ergeben. „Blëtz a.s.b.l fördert auch die medizinische und die wissenschaftliche Forschung, die sich diesem Thema widmet. Denn richtige Forschung gibt es hier in Luxemburg so noch nicht“, sagt Keller. Auch Statistiken seien Mangelware.

Früherkennung ist wichtig

Warnzeichen für einen Schlaganfall gibt es mehrere, die man allesamt ernst nehmen muss. Sinnvoll sei es aber, sofort den Notruf zu wählen. Anzeichen können etwa eine kurzzeitige Lähmung des Arms, Beins oder des Gesichts sein. Auch vorübergehende Probleme beim Sprechen oder Verwirrung können auf einen Schlaganfall hindeuten. Daher ist der Zeitfaktor ungemein wichtig. „Wir haben darauf hinwirken können, dass die Rettungsdienste bei Anzeichen auf einen Schlaganfall jetzt sofort die entsprechende Klinik anfahren sollen“, sagt Keller, denn je schneller der Patient in der Klinik ist, umso besser stehen später auch die Chancen, möglichst keine Folgeschäden zu haben. Da die Risikofaktoren vielfältig und vor allem in unserer Ernährung und unserem Lebenswandel begründet sind. Hierzu zählen etwa hoher Blutdruck, Übergewicht, Rauchen und Stress. Im Alter nimmt das Risiko zwar weiter zu, es kann aber auch Kinder und Jugendliche treffen. Für Frauen ist es wichtig zu wissen, dass die Kombination aus Rauchen und der Pille ein hohes Risiko darstellt. „Im Rahmen unserer diesjährigen Aktion haben wir es geschafft, dass rund 50 Apotheken im Land sich bereiterklärt haben, Blutdruckmessungen vorzunehmen. So kann der Rat ausgesprochen werden, doch bei einem erhöhten Blutdruck einmal den Arzt aufzusuchen.“

Um sich von einem Schlaganfall zu erholen, „spielt die Hilfestellung durch die Familie eine wichtige Rolle. Denn nur durch deren Unterstützung, Geduld und Verständnis kann eine Erholung gelingen. Daher helfen wir als asbl den Familien, die auch in diesem Jahr am 29. Oktober bei uns im Mittelpunkt stehen. So wird in diesem Zusammenhang auch ein Buch von Keller vorgestellt. Hier beschreibt sie das Schicksal von 24 Betroffenen und deren Familien. Diese persönlichen Geschichten sind in vier Sprachen in Deutsch, Französisch, Englisch und Portugiesisch, geschrieben und werden durch 26 informative Artikel ergänzt. „Einige davon sind von Professoren aus dem Bereich der Medizin, andere von Vorsitzenden unterschiedlicher Organisationen mit Bezug auf den Schlaganfall verfasst“, beschreibt die Autorin. Diese Artikel sollen dazu dienen, dem Leser so viele Informationen wie nur möglich über das Thema Schlaganfall zukommen zulassen, das heißt, zu erklären, „was ein Schlaganfall überhaupt ist und wie die Angehörigen Hilfe und Unterstützung bekommen können, bei der Betreuung eines Menschen, der vom ‚Blitz‘ getroffen wurde.“ „Man muss einfach sagen, dass es ohne eine Familie einfach nicht geht“, sagt Keller und spricht eine wichtige politische Baustelle an. „Das ist die Nachsorge.“ Wenn man einen Schlag erlitten hat, erfolgt eine rund einjährige Behandlung und Kontrolle im Krankenhaus und in der Reha. „Doch danach ist man quasi auf sich allein gestellt hier in Luxemburg.“ Anders sei das beispielsweise in Deutschland in sogenannten neurologischen Nachsorgezentren. „Das fehlt bei uns komplett“, sagt Keller. Bei den politisch zuständigen Ministern Mutsch und Cahen habe man diesbezüglich kein offenes Ohr gefunden. „Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Wie notwendig das ist, zeigt der Umstand, dass beispielsweise eine 32-jährige Patientin, die Pflege bedarf, in ein Altersheim gebracht werden muss.“ Hier hofft „Blëtz asbl“ nun auf etwas royale Unterstützung. „Erbgroßherzogin Stéphanie hat die Schirmherrschaft bei uns übernommen. Ihre Eltern hatten auch einen Schlaganfall. Sie weiß aus persönlicher Erfahrung, worum genau es geht.“

„Blëtz-Eclair“ und mehr

Damit die Menschen erkennen, wenn sie selbst oder jemand anderes einen Schlaganfall erleidet (hierzu auch der Infokasten mit dem sogenannten „FAST-Test“), wurden für den diesjährigen Welt-Schlaganfall-Tag wieder einige Projekte und Aktionen gestartet. Diese reichen von Plakaten an öffentlichen Plätzen über Filmbeiträge bis hin zu Gebäck. „Denn am 28. Oktober können Kunden in 26 Bäckereien im Land die mittlerweile bekannten ‚Blëtz‘-Eclair kaufen und uns so unterstützen.“

Das Buch wird von Blëtz a.s.b.l. am 29. Oktober vorgestellt und ist ab dem 2. November (Hardcover; Format A4; 204 Seiten) zum Preis von 45 Euro erhältlich - alle Infos - auch zu den anstehenden Veranstaltungen - gibt es unter www.bletz.lu