LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die Idee ist zu gut: Altes Plastik schreddern, einen 3-D-Drucker damit füttern – und etwas ganz Neues drucken. Claude Wolf, der angehende Maschinenbau-Ingenieure an der Universität Luxemburg unterrichtet, hat sie gemeinsam mit dem Technoport FabLab und dem EcoInnovation Cluster von Luxinnovation umgesetzt, unterstützt vom „Fonds National de la Recherche“. Vor gut einem Jahr ging das als Projekt „Fused Deposition Modeling“ (FDM) durch die Presse. Seither ist es still geworden. Warum? „Das Projekt wurde eigentlich zur Sensibilisierung der Studenten für Recycling und ‚Circular Economy‘ durchgeführt. Aber es gab auch das Ziel, die Ausbildungswege der Universität klarer und bekannter zu machen. Alle diese Ziele wurden erreicht“, meint Wolf. Er hat mit seinen Studenten sowohl den Schredder als auch den 3-D-Drucker entwickelt. „Wir haben das auf mehreren Messen und in Lyzeen gezeigt. Was wir aber sehen, ist ein echtes Interesse der Studenten, 3-D zu drucken und zu recyceln.“ Gerade die Generation Z sei interessiert an Projekten, hinter denen auch ein Sinn steht, hat er beobachtet.
Es wäre angesichts der Idee nur normal, wenn sie auch genutzt würde. Doch bislang gibt es keinen industriellen Partner. „Wir haben zu wenig Mittel und zu wenig Zeit“, bedauert Wolf, der die meiste Zeit mit dem Unterricht verbringt. Er hatte Kontakt mit dem Unternehmen Husky, das unter anderem PET-Flaschen herstellt. Husky stellt ihm verschiedene Polymere für Tests zur Verfügung. „Aber wir sind noch nicht auf industriellem Niveau“, bedauert der Wissenschaftler. Auch mit französischen Unternehmen katte er Kontakt, ohne dass es zu einer Übernahme der Idee kam. „Dabei könnte es wirklich interessant sein“, ist Wolf überzeugt.
Deshalb hat er sowohl die Pläne für die Maschine als auch die Möglichkeiten als „Open Source“ gratis im Internet zur Verfügung gestellt. So könnte es doch noch zu einer industriellen Nutzung kommen. Allerdings gibt es Grenzen. „Das betrifft den Typ der Polymere, da nicht alle recyclingfähig sind und bei einigen Abgase entstehen“, zeigt er die Limits auf. Ein weiteres Problem: Die Trennung verschiedener Polymere. „Wenn es nur einen Typ gibt, ist das gut. Aber bei Mischungen ist das schwierig“, hat Wolf beobachtet. Er hat gute Erfahrungen mit Flaschenverschlüssen und CD-Hüllen gemacht. Doch Wolf sieht noch ein anderes Hindernis. „Das Problem der Industrie ist immer die Zeit. Bei 3-D-Druck ist Zeit ein großes Problem. Und für Industrie ist Zeit Geld. Aber für große Volumen ist der Drucker nicht geeignet“, führt er aus. Wolf würde sich über jedes Unternehmen freuen, das die Technologie übernehmen will. „Wir sind nicht sicher, ob das den kommerziellen Anforderungen entspricht. Aber jeder kann im Internet nachschauen, ob er das übernehmen will."

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