LUXEMBURG
BILL WIRTZ

Zwei junge Forscherinnen über ihr Hobby, ihre Teilnahmebeim „London International Youth Science Forum“ und ihre Zukunftspläne

Zwischen dem 25. Juli und 8. August nahmen zwei Schülerinnen der Europaschule in Mamer am „London International Youth Science Forum“ in Großbritannien teil. Lavinia Kadar und Inès Bahlawane hatten sich mehrere Wochen mit dem Thema Desinfizierungen von Wunden, und dem potenziellen Risiko durch endotoxische Gifte auseinandergesetzt. Hierbei ging es darum herauszufinden, ob Stoffwechselprodukte von absterbenden Bakterien, die bei Desinfektionen freigelassen werden, für den Menschen schädlich sein können.

Jede freie Stunde investiert

Da das Labor in ihrer Schule nicht steril genug war, machten sich Lavinia und Inès auf die Suche nach einem anderen Labor, das ihnen ihr Material zur Verfügung stellte und ihnen bei der Auswertung der Daten half. „Es schien ersichtlich, dass bei einem gesunden Menschen keine Probleme auftreten würden, doch wir stellten uns die Frage, wie es aussehen würde, wenn beispielsweise eine Person, die momentan eine Chemotherapie durchgeht, oder einfach nur eine ältere Person mit diesen Stoffwechselprodukten von Bakterien konfrontiert wird“, erklärt Lavinia. „Fast jede freie Stunde in der Schule und sehr viele Abende sind für das Lesen von Publikationen oder Schreiben von Texten draufgegangen. Die experimentelle Arbeit haben wir innerhalb von ein paar Tagen im LCSB durchgeführt, die Zeit im Labor stellte dennoch nur einen kleinen prozentualen Anteil der Arbeitszeit dar“, fügt Inès hinzu.

Grund für die Arbeit war die Teilnahme der beiden Mädchen an dem Wissenschaftswettbewerb der Luxemburger Organisation „Jonk Fuerscher“, die verschiedenen Gewinnern Reisen zu Wissenschaftskonferenzen finanziert.

Vom Schuldirektor ermutigt

„Letztes Jahr haben wir zusammen an einem Jonk Fuerscher-Projekt gearbeitet. Diese Idee kam damals eigentlich von unserem Schuldirektor, der uns dazu auffordern wollte, am internen Science Symposium der europäischen Schulen teilzunehmen. Diesem Rat sind wir gefolgt und haben ein Projekt zusammen durchgeführt“, so Inès, die sehr gerne mit ihrer Klassenkameradin Lavinia arbeitet. Lavinia nahm indes bereits im Jahr 2016 an einer Wissenschaftsolympiade in Estland teil, und seitdem wurde diese Art von Beschäftigung ihr Hobby: „Ich mag Wissenschaft, doch ich bin ebenso begeistert von Musik.“ Eine seltene Mischung, da beide Bereiche doch sehr verschieden sind.

Von Kindheit an interessiert

Auch Inès hatte bereits vor diesem Wettbewerb Erfahrung: „Mein Interesse für Naturwissenschaften hat sich schon sehr früh entwickelt und liegt in einer gewissen Weise in der Familie. Meine beiden Eltern sind Forscher und haben mich und meine Schwestern vom kleinsten Alter durch Mitmach-Museen und kleine Experimente an eine kritische Denkweise und sehr viel Neugierde gewöhnt.“ Bei Lavinia war das anders: „Bei mir in der Familie wird sich oft gefragt, wo mein Hang zur Wissenschaft herkommt, da keiner meiner Eltern in diesem Bereich tätig ist.“

Lavinia ist 17 Jahre alt, Inès ist bereits 18. Wohin die Reise nach der Sekundarstufe hinführt ist bei beiden noch nicht ganz sicher. Obwohl Inès in den Bereich Medizin geht, um von dort aus in den Bereich klinische Forschung zu gelangen, weiß sie noch nicht genau, wo sie sich konkret arbeiten sehen könnte. Eine Symbiose aus Forschung und Arbeit mit Patienten scheint sie auf jeden Fall anzustreben. Lavinia ist noch zerrissener: Ihre gleichzeitige Liebe für Musik und Wissenschaft macht ihr die Entscheidung schwer. Zunächst legt sie ein Gap Year ein, bevor sie zur Uni geht.

Viel mitgenommen

Inès behauptet, dass sie durch das Projekt mit „Jonk Fuerscher“ auf jeden Fall gewachsen ist und empfiehlt auch anderen jungen Menschen, die sich für Wissenschaft interessieren, sich bei der Vereinigung zu melden. „Wir haben gelernt, weniger schüchtern zu sein und verschiedene Personen und Labore um Unterstützung zu bitten, da man alleine weniger weit kommt. Des Weiteren haben wir gelernt, nicht aufzugeben, wenn etwas nicht nach Plan läuft, da alle unsere Ergebnisse unserer anfänglichen Theorie widersprochen haben, wir haben gelernt, mit dem, was wir haben, weiterzuarbeiten und jeden einzelnen Schritt der Arbeit zu hinterfragen“, sagt Inès.


Wer mehr über die Projekte von „Jonk Fuerscher“ erfahren will, kann das auf www.fjsl.lu tun