LUXEMBURG
MARA KROTH

Harte Woche: Wie das Uni-Programm „Ideation Camp“ den Weg zum eigenen Start-up zeigt

Ideation Camp, Workshop, Entrepreneurship, 72- hours, hands-on learning experience“, das waren die Stichworte, an die ich mich erinnern konnte, als ich im September vergangenen Jahres zum ersten Mal von diesem Programm gehört habe. Ich erinnere mich noch, dass ich keinen blassen Schimmer hatte, was dort passieren sollte, wozu das Ganze nützen solle und überhaupt.

Trotzdem behielt ich mir das „Ideation Camp“ im Hinterkopf, als etwas Interessantes, von dem ich gerne mehr erfahren würde. Als der Workshop dann diesen Februar in die zweite Runde gehen sollte, meldete ich mich sofort an und wurde aufgeklärt: Unsere Aufgabe als Teilnehmer war es, in der Zeitspanne von Mittwochabend bis Samstagmorgen unsere eigene Idee in Form unseres eigenen Start-ups auf die Beine zu stellen. Dazu sollten wir unsere Idee durchdenken, einen Finanzplan und ein Marketingkonzept erstellen und das Ganze am Samstagmorgen gegen 10.00 vor allen anderen Teilnehmern als auch einer Gruppe von sechs Experten mithilfe einer Präsentation „pitchen“. Gerüchte von vorherigen Jahr besagten zudem, dass manche Teilnehmer an Ort und Stelle übernachtet hatten, um ihre Präsentation fertig zubekommen. Das konnte ich mir beim besten Willen nicht für mich vorstellen. Noch nicht, wie sich herausstellen sollte.

Ideen über Ideen

An besagtem Mittwochabend versammelten sich alle Beteiligten im „University of Luxembourg Incubator“ der in der folgenden Woche offiziell eingeweiht werden sollte (das „Journal“ berichtete am 8. März) und dessen Gebäude sich nahe des Bahnhofs Belval direkt vor den Hochöfen befindet. Von 70 Bewerbern, bestehend aus Studenten und Mitarbeitern der Universität, wurden 31 Teilnehmer ausgewählt, von denen an diesem Abend 23 ihre eigene Idee vorstellten. Vorab ermutigte uns die Gewinnerin des vergangenen Jahres, Himadri Pathak, mit ihrem eigenen Start-up, welches hochwertige Musikinstrumente aus recycelten Müll herstellt: „Am Anfang glaubte ich nicht an meine eigene Idee, bis ich immer mehr Zuspruch von anderen Teilnehmern erhielt“. Von Projekten, die Geflüchteten bei der Ausbildung an der Universität unter die Arme greifen sollten bis Apps, die das Aufstehen am Morgen in die Gänge leiteten, waren die verschiedensten Themenbereiche von humanitär, sozial, ökonomisch, nachhaltig bis einfach nur nützlich vertreten.

Die Bandbreite und Dimensionen, in denen die Vortragenden dachten, war verblüffend und vor allem innovativ. Denn bei jeder Idee ging es um eine Marktlücke, die geschlossen werden sollte. Nachdem alle „Pitches“ gehört wurden, lag es an den Teilnehmern zu entscheiden, welche Ideen in die Tat umgesetzt werden sollten. Wir konnten mit Spielgeld in die Ideen investieren, die wir in den nächsten Tagen Wirklichkeit werden lassen wollten. Acht Gewinner gingen aus dem Voting hervor, acht Gruppen, in welchen in den nächsten zwei Tagen hart gearbeitet werden sollte. Uns das sogar in eigenen Büros, die wir zugewiesen bekamen.

Lernen von Experten

Jedoch wurden wir nicht gänzlich ins kalte Wasser geworfen, schließlich studierten wir nicht alle Wirtschaft. Auf der einen Seite durften wir viele Vorträge anhören: Wie man richtig „networkt“, das heißt, Hände schüttelt, Kontakte knüpft und Visitenkarten annimmt. Denn Networking, das wurde uns schon von Anfang an deutlich vermittelt, würde die Quintessenz im Start-up Business sein. Außerdem wurde uns erklärt, wie man eben besagtes Finanzmodell auf die Beine stellt und was dort alles zu beachten ist. Auch durften wir einem Vortrag lauschen, in dem uns erklärt wurde, wie man richtig „pitcht“: Das bedeutet kurz und knackig innerhalb von wenigen Minuten dem Publikum erklären, was man sich Kluges ausgedacht hatte und wie man es in die Tat umsetzen wollte.

Jede Gruppe wurde zudem am Donnerstag und Freitag von je zwei Mentoren, das heißt Experten im Start-up und „Entrepreneurship Business“, beraten. Das war in der gegenwärtigen Situation sehr hilfreich, da der Arbeitsprozess von Hochs und Tiefs gekennzeichnet war: Hatte man soeben einen bahnbrechenden Einfall oder Workflow gehabt, so konnte es durchaus vorkommen, dass man eine Viertelstunde später an Allem zweifelte und das Handtuch werfen wollte.

Zu Letzterem kam es unglücklicherweise Freitagnacht um 22.00, als unsere ehrlichen Kritiker uns mitteilten, dass unsere gesamte Präsentation besser nochmal überarbeitet werden sollte. Langsam wurde mir deutlich, wieso die Teilnehmer des vergangenen Jahres im Büro übernachtet hatten.

Erschöpfte, aber glückliche Gewinner

Am nächsten Morgen war es dann soweit, das Ergebnis unserer harten Arbeit der vergangenen Tage und Nächte konnte endlich präsentiert werden. Das war leichter gesagt als getan, denn vor einem Publikum eine Idee glaubwürdig mit nur wenig Schlaf rüberzubringen, war mit viel Nervosität verbunden. Alle Teams lieferten an diesem Morgen einen großartigen Auftritt ab. Letztendlich konnte sich unser Team „Silver Valley“, welches sich die Bekämpfung von Einsamkeit im Alter zur Aufgabe gemacht hatte, durchsetzen: Die Jury übergab uns eine kleine Trophäe für den ersten Platz.

Das Gefühl, nach so viel harter Arbeit mit dem Sieg belohnt zu werden, war unvergesslich. Jedoch war allein die Teilnahme für mich der größte Gewinn: Wertvolles Know-how aus erster Hand, viele neue Kontakte und Bekanntschaften, eine unverwechselbare Lernerfahrung, immense Unterstützung von den studentischen Mitarbeitern des „Ideation Camps“ und viele Eindrücke, die mich in Hinblick auf meine Zukunft bereichert haben. Von der kostenfreien Teilnahme und dem unverwechselbaren Catering mal ganz abgesehen, kann ich Jedem empfehlen, bei diesem Programm teilzunehmen.


Das nächste „Ideation Camp“ soll zu Beginn des Winter-
semesters 2018 stattfinden. Mehr Infos auf der Webseite
der Universität unter ww.uni.lu/formations/incubator