CLAUDE KARGER

Nur wenige Stunden trennen uns also noch von der Jahreswende, der irgendwie ja immer auch der Zauber eines Neuanfangs innewohnt. Obwohl wir doch genau wissen, dass die Zähler um eine Minute nach Mitternacht am Montagmorgen nicht auf Null gesetzt werden und Null Chance besteht, die Geschichte zurück zu drehen und beispielsweise die Krisen dieser Welt im Keim zu ersticken. Wer würde sich nicht wünschen, ein Mittel zu finden, um die unglaubliche Zahl von 66 Millionen Menschen, die sich laut Vereinten Nationen wegen Krieg, Armut und Klimawandel derzeit weltweit auf der Flucht befinden, zu reduzieren? Wer würde sich nicht wünschen, den nun sieben Jahre währenden blutigen Bürgerkrieg in Syrien beenden zu können, oder die Konflikte im Jemen, in der Ostukraine, im Kongo, im Irak oder an den zahlreichen anderen Brennpunkten des Globus?

Was würden wir geben, um die Fehler der Vergangenheit zu beseitigen, welche die Verwirklichung der UN-Nachhaltigkeitsziele 2030 und vorrangig die Verbannung von Armut und Hunger bremsen? Was, damit Machthaber dieser Welt endlich ihr gefährliches Spiel mit Atomraketen einstellen und religiöse Fanatiker aufhören, im Namen eines blutrünstigen Hirngespinsts anderen Mitmenschen das Leben nehmen? Gleichwohl würde man sich natürlich auch eine Kristallkugel wünschen, in der kommende Entwicklungen absehbar wären, damit man rechtzeitig neuen Krisen vorbeugen und die richtigen Vorkehrungen treffen könnte, um zum Beispiel die sozialen Auswirkungen des digitalen Wandels abzufedern... Die Liste der Wünsche ist lang, aber Träume sind eben Schäume, oder? Dabei gibt es genügend Beispiele in der Geschichte, wo ursprünglich unerreichbare Ziele wie Frieden und Fortschritt mit Beharrlichkeit und großem persönlichen Einsatz trotz aller Widrigkeiten doch erreicht wurden. Eine dieser Errungenschaften ist die Europäische Union, arg gebeutelt in den letzten Jahren durch Schuldenkrise, Brexit, erodierende Solidarität und Infragestellung von Grundprinzipien der Union durch Mitgliedsländer. Reformen sind überfällig und 2018 wird ein wichtiges Jahr, um dabei Nägel mit Köpfen zu machen. Denn im Mai 2019 wird die EU-Kommission nach den Europawahlen neu zusammen gesetzt. Hatte deren Chef Juncker nicht bei Amtsantritt 2014 verkündet, diese Kommission sei die „der letzten Chance“?

Neuwahlen in Deutschland - die Option ist nicht vom Tisch - könnten dem notwendigen Elan aber abträglich sein. Wahlen gibt es am kommenden 14. Oktober auch in Luxemburg, wo sich zeigen wird, wie die Wähler die historisch einmalige Dreier-Koalition aus DP, LSAP und „Déi Gréng“, bewerten die viele heiße Eisen viel beherzter angepackt hat als vorige Regierungen im Senior-Juniorpartner-Modus... Das Jahr 2018 wird für das „Journal“ aber nicht nur wegen der dichteren Nachrichtenlage ein ganz besonderes: Vor 70 Jahren, am 5. April 1948 entstand diese Zeitung aus der Fusion von Obermosel-Zeitung und dem Resistenzlerorgan „D‘Unio‘n“. Wir werden das ganze Jahr über zurück blicken auf unsere Geschichte, einige Neuerungen einführen und auch ein wenig feiern - natürlich mit Ihnen zusammen, liebe Leser. Mögen Ihre Wünsche 2018 in Erfüllung gehen, bleiben Sie optimistisch und vor allem gesund.