LUXEMBURG/SRI LANKA
SIMONE MOLITOR

Aus dem Leben eines Aussteigerpaars in einem der letzten Naturparadiese Sri Lankas

Herrliche Sandstrände, imposante Buddha-Statuen und saftige Teeplantagen. Das ist die eine Seite von Sri Lanka. Unberührte Natur und eine immense Artenvielfalt, die andere. Im Südwesten befindet sich das letzte zusammenhängende tropische Regenwaldgebiet (Sinharaja Forest) der Insel , das seit 1988 zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt. Wer eine Sri Lanka-Rundreise unternimmt, sollte unbedingt eine Zwischenetappe in diesem überwältigen Naturparadies einplanen.

Schnell bilden sich dicke Schweißperlen auf unserer Stirn, als wir in der prallen Sonne - zum Glück mit leichtem Gepäck - den steilen Pfad hochkraxeln, der uns zu unserer Unterkunft „Natural Mystic Sanctuary“ am Rande des Sinharaja-Nationalparks führt. Mit hochroten Köpfen und am Körper klebenden T-Shirts werden wir oben von zwei fröhlich bellenden Hunden empfangen, derweil uns die herrliche Aussicht auf grüne Täler, Hügel und Wälder auch noch den letzten Rest Atem raubt. Unsere Sprache müssen wir erst einmal wiederfinden, als wir die beiden Eigentümer Karina und Sam kennenlernen - ein deutsch-englisches Aussteigerpaar.

Nachdem wir unsere Quartiere bezogen haben - ein relativ komfortables Gästehaus auf der oberen Terrasse und ein rustikaleres Lehmhaus weiter unten, umgeben von hohen Bäumen - und etwas am Fluss mit Wasserfall entspannen konnten, kommen wir schnell mit Karina ins Gespräch. Ursprünglich stammt sie aus Mannheim, hat die einstige Heimat aber früh Richtung Berlin, dann Hamburg und schließlich Zürich verlassen. „Mich hat es immer schon in die Ferne gezogen, ich bin stets viel gereist, und irgendwie stand auch immer die Idee im Raum, irgendwann mal auszuwandern. Dass es jetzt Sri Lanka ist, ist mehr oder weniger Zufall, obwohl mich die Gegend immer schon gereizt hat. Diesen wunderbaren Flecken Land haben wir durch einen Freund entdeckt und waren sofort begeistert, einfach wegen der Natur und der ganzen Energie, die wir hier gespürt haben“, erzählt sie uns. Der „wunderbare Fleck“ war damals noch eine Teeplantage.

Ein autarkes Leben führen, war der Plan

„Ein Stück Land kaufen, um ein autarkes Leben zu führen, Yoga und Meditation, einfach Ruhe finden, war eigentlich die ursprüngliche Idee. Gästehäuser eröffnen, war nicht wirklich unser Plan, vielmehr wollten wir tatsächlich Obstbäume und so weiter anpflanzen, von den Erzeugnissen als Selbstversorger leben, den Einheimischen vielleicht auch ein bisschen Inspiration geben und ihnen zeigen, dass es Alternativen zur Teeproduktion gibt. Inzwischen ist doch alles sehr von diesem Teeanbau geprägt. Immer mehr Bäume werden deshalb gefällt. Es ist uns ein Anliegen, die Aufmerksamkeit auf die Wälder und den Erhalt des Regenwalds zu lenken“, bemerkt die heute 43-Jährige. Aus dem Stück Land wurden schließlich sechs Hektar. Die ersten Gäste kamen im Februar vergangenen Jahres.

Während Sam bereits seine Zelte auf dem erstandenen Hügel aufgeschlagen hatte, die ersten Wasserleitungen legte und sich mithilfe von zwei Einheimischen an den Bau des ersten Lehmhauses machte, ging Karina weiter ihrer Arbeit bei einer Werbeagentur in Zürich nach. „Wir mussten ja noch ein bisschen Geld organisieren und sparen“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Inzwischen liegt viel harte Arbeit hinter den beiden. Die Teeplantage als solche erkennt man nicht mehr, dafür haben die zwei Auswanderer mit 900 Pflanzen gesorgt. „Unser Ziel ist eine multigemischte, biodiverse Permakultur, Bananen, Papaya, Jackfrucht, Gewürze, Nelkenbäume, eine Mischung aus ayurvedischen Heilpflanzen, Bäumen und Sträuchern. Auch seltene Hartholzbäume haben wir gepflanzt, beispielsweise Ebenholz. Das alles braucht natürlich sehr viel Pflege und dazu fehlt uns doch oft die Zeit und auch die Arbeitskräfte. Wir sind ein kleines Team, dafür ist aber jeder ein Allrounder. Sam hat gerade einen Früchte- und Gemüsetrockner gebaut“, erklärt Karina.

Wenig Zeit, um zu entspannen

Ob es härter ist, als sie es sich vorgestellt hatten, wollen wir wissen. „Definitiv, es ist einfach intensiver. Wir haben tatsächlich wenig Zeit, um das Ganze entspannt zu genießen oder Yoga zu praktizieren, wie wir es eigentlich vorhatten. Wir sind meistens am Arbeiten. Irgendetwas muss immer gemacht werden“, antwortet Karina. Etwa zehn Minuten Urlaub am Tag würden noch bleiben, fügt sie hinzu und lacht, „morgens wenn die Gäste noch schlafen, bevor einem einfällt, was noch alles ansteht“. Mit den Einheimischen sei es auch nicht immer einfach, gibt sie zu bedenken: „Die Kommunikation ist nicht leicht, weil sie oft kein Englisch sprechen, und wir kennen bislang nur ein paar Schlüsselwörter in ihrer Sprache. Davon abgesehen haben die Einheimischen ein ganz anderes Qualitätsniveau. Das haben wir gemerkt, als wir mithilfe einer kleinen Baufirma das erste Gästehaus gebaut haben. Da muss man doch sehr aufpassen. Irgendwie geht auch alles sehr viel langsamer, es ist einfach eine andere Kultur. Man muss sehr viel Geduld haben und versuchen, sich emotional nicht zu sehr zu verausgaben. Alles das lernt man mit der Zeit“, erzählt Karina weiter. Bereut hat sie den Schritt bislang aber nicht, auch wenn ihr die frühere Heimat doch gelegentlich fehlt. „Gewisse Dinge vermissen wir schon. Es ist beispielsweise schwierig, soziale Kontakte zu knüpfen oder richtige Freundschaften aufzubauen“, bedauert sie.

Wie sieht denn eigentlich ein normaler Tag in ihrem Leben aus, wollen wir am Ende noch in Erfahrung bringen? „Den gibt es überhaupt nicht. Jeder Tag hält eine neue Überraschung bereit. Langweilig wird uns jedenfalls nie“, lautet Karinas Antwort. Wir haben unseren Tag und unsere Nacht in diesem kleinen Paradies jedenfalls genossen und sind dennoch irgendwie froh, wieder in die Zivilisation zurückzukehren. Einen Aufenthalt im „Natural Mystic Sanctuary“ empfehlen wir aber trotzdem.

Weitere Infos unter www.naturalmysticsanctuary.com