COLETTE MART

Das Ende der aktuellen Legislaturperiode kündigt sich an, die ersten Wahlplakate hängen, und damit ist die Zeit der Bilanz für die Dreierkoalition gekommen. Die Anfänge für Gambia waren 2013 unheimlich schwierig, da viele Bürger sich betrogen fühlten und meinten, so nicht gewählt zu haben, und weil eine Allianz gegen die stärkste Partei eigentlich mit den politischen Koalitionstraditionen in unserem Land brach.

In diesem Kontext sollte allerdings daran erinnert werden, dass die CSV 2013 3 Sitze verlor, die DP dafür 4 dazu gewann, was die DP zum Gewinner und die CSV zum Verlierer dieser Wahl machte.

Die Gambia-Koalition wurde mit ihrem unkonventionellen Zusammenschluss über Jahre durch die Medien und die sozialen Netzwerke geschleift, das „Empire“ schlug hart zurück und mit ihm die CSV-Wähler und Sympathisanten. Sie ließen an den Dreierkoalitionären kein gutes Haar. Deren Position wurde anschließend durch den „Zukunftspakt“ und den schlechten Ausgang des Referendums noch erschwert, die Zustimmung der Bevölkerung sank bei Umfragen gewaltig. Die oft recht jungen Minister hielten jedoch dem kalten Wind stand, der ihnen bis 2015 um die Ohren blies, und machten sich an die Arbeit. Es ging ihnen darum, das Land weiterzubringen, einer fortschrittlichen Gesellschaft zuzuarbeiten, allgemein die Emanzipation der Menschen zu fördern, und sowohl Frauen, wie auch Homosexuellen, um nur einige Beispiele zu nennen, zusätzliche Rechte zu verschaffen. Die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs, die Reform des Elternurlaubs, die Einführung der gleichgeschlechtlichen Heirat, die Trennung von Kirche und Staat, die Innovation in der Wirtschaftspolitik und die Diversifizierung des schulischen Angebotes, die Stabilisierung der Staatsfinanzen, die Anpassung der Schule an die sozialen Begebenheiten unseres Landes, die Aufwertung der luxemburgischen Sprache und gleichzeitig der Mehrsprachigkeit, die Identifizierung mit einem kosmopolitischen, weltoffenen Land, das auf den Dialog mit Europa und allgemein mit der Welt nicht verzichten kann, machten die Dreierkoalitionäre im Laufe der Jahre für die gesamte Bevölkerung recht sympathisch. Man muss der Regierung ebenfalls zugutekommen lassen, dass sie den Flüchtlingsstrom nach Luxemburg mit ehrlichem Einsatz und unspektakulär meisterte, und dass die Integration eines hohen Prozentsatzes an Nicht-Luxemburgern bei uns friedlich und konstruktiv verläuft, ohne Chemnitz, ohne Rechtsradikalismus. Und dies sollte man den Luxemburgern allgemein hoch anrechnen. Sie sind manchmal konservativ, aber sie sind historisch betrachtet nicht rechts und schon gar nicht radikal. Sie lassen sich nicht von Randalierern anstecken. Aus diesem Grund sollten wir eigentlich für die anstehenden Wahlen zuversichtlich sein, dass das politische Pendel nicht wirklich rechts ausschlagen wird. Die Luxemburger, die gern nach Trier oder nach Metz, respektive an die belgische Küste fahren, haben bei diesen Ausflügen gemerkt, dass ihre Grenzen sicher sind, auch wenn in diesem Wahlkampf gelegentlich mit der Angst vor dem sogenannten Fremden und einer gefühlten Unsicherheit gespielt wird.