BARTRINGEN
CORDELIA CHATON

René Weise, neuer Geschäftsführer von Bram in Luxemburg, fürchtet keine Online-Shops

René Weise ist zurück. Der neue Geschäftsführer für Bram in Luxemburg hat 2009 bereits für Bram im Einkauf gearbeitet, bevor er 2011 Bereichsleiter für das Mutterhaus Konen und Bram in München wurde. Der 36-Jährige ist auf eigenen Wunsch zurückgekehrt. Hier erklärt er, wie sich Kleidung in Zeiten des Überflusses verkauft und wie ein Geschäft der Online-Konkurrenz trotzt.

Heute hat jeder einen vollen Kleiderschrank. Wie animieren Sie die Leute noch zum Kauf?

René Weise Heute braucht keiner mehr etwas, es geht eher um ein Bedürfnis als um einen Bedarf. Es geht uns nicht darum, dass Kunden sich mehr kaufen, sondern darum, dass sich Kunden etwas gönnen, was ihnen ein Bedürfnis erfüllt. Es geht darum, sich inspirieren zu lassen und sich nach Stimmung ein neues Teil zu gönnen. Bei Bram ist die Beratungsqualität sehr hoch. Es gibt Verkäufer, die rufen Kunden an, wenn es eine neue Kollektion gibt. Das habe ich sonst so nie erlebt. Es ist ein besonderes Verhältnis zum Kunden. Ohnehin unterhalten sich Kunden und Verkaufskräfte auch über Privates oder Hobbies. Dieses Persönliche macht die Arbeit hier aus.

Wo positioniert sich Bram?

Weise Bram steht für einen demokratischen Luxus. Wir setzen auf vertrauenswürdige, bekannte Marken und geben jungen Marken eine Chance. Wir sind kein Luxus, eher die viel zitierte gehobene Mitte. Modisch aktuell jedoch nie zu ausgeflippt. Ästhetik und Stil sind uns wichtig, im Ladenbau, der Werbung und der Kommunikation. Bei uns kann die ganze Familie shoppen.

Wie wichtig ist die Marke für den Verkauf - richtet sich das nach dem Alterssegment?

Weise Das Markenbewusstsein ist in Luxemburg sehr hoch. Luxemburger vertrauen bekannten Marken. Das ist hier altersunabhängig, wobei jede Altersgruppe natürlich andere Marken bevorzugt.

Was ist der Unterschied zu Konen, dem Mutterhaus in München?

Weise Anders als bei anderen Filialisten führen wir Luxemburg vor Ort. Wir haben hier selbstständige Führungskräfte. Wir haben lange überlegt, wie wir beide Häuser positionieren. Bram ist ein fester Bestandteil der Münchner Unternehmensstrategie. Die Werte, welche in München gelebt werden, werden in Luxemburg individuell und eigenständig ergänzt. Wir sind Partner auf Augenhöhe und planen strategische Dinge gemeinsam.
Wie lange ordern Sie im Voraus und wie schnell reagieren Sie auf Trends?

Weise Das hängt davon ab. Modisch Teile bestellen wir je nach Menge und Farben ein gutes halbes Jahr vorher. Bei kurzfristigen Trends können wir auch innerhalb von zwei Wochen reagieren. Wir versuchen jedoch, nicht jedem Style-Trend hinterherzurennen. Am Ende muss das Produkt zu uns passen. Unsere Einkäufer stehen da in engem Austausch mit den Lieferanten und können bei Bedarf schnell reagieren.

Warum verkaufen Sie keine Ware auf Ihrer Internetseite?

Weise Wir haben unseren Fokus stark auf das stationäre Geschäft gelegt. Noch gibt es zu wenig inspirierende Shop-Lösungen, um dieses Thema in voller Konsequenz aufzugreifen. Langfristig gesehen wird dies jedoch ein Hygiene-Faktor, welchen Kunden nicht immer nutzen, aber erwarten. Wir bei Bram beschäftigen uns mit diesem Thema, arbeiten aber erst eine professionelle Lösung aus. Übrigens sorgen wir uns nicht, dass Kunden bei uns Ware probieren und online ordern. Denn umgekehrt gibt es Kunden, die suchen sich online Trends, kommen damit ins Geschäft und wollen dann beraten werden. Das ist also keine Einbahnstraße. Ich komme gerade von einem dreiwöchigen USA-Aufenthalt zurück und war überrascht, wie viele gut geführte kleine Geschäfte es dort gibt. Manche schicken die Rechnung online, andere Angebote per SMS. Auch das ist digital, nicht nur ein Shop.

Wie hoch sind die Margen im Textilgeschäft?

Weise Das ist völlig unterschiedlich, es gibt diverse Einflüsse auf ein Ergebnis. Geschäfte mit viel Personal wie bei Bram haben andere Anforderungen als Ketten mit günstigerer Ware.

Was würden Sie sich für die Textilindustrie wünschen?

Weise Das Thema Verpackungen müsste man überdenken, da gibt es sehr viel; dazu noch für jede Kollektion einen Katalog. Ich würde mir einen bewussteren Umgang mit den Ressourcen wünschen. Die Industrie soll zudem den Wert der Bekleidung erhalten. Es geht nicht darum, nur günstig zu produzieren, sondern auch haltbar. Ich denke, es ist Zeit für wertigere Stoffe.