LUXEMBURG
MM

Gewerkschaften kündigen Kollektivvertrag

Die Gewerkschaften werden den Bau-Tarifvertrag kündigen. Nachdem sich weder Einigung noch Annäherung zu einem neuen Kollektivvertrag bei den Verhandlungen abzeichneten, so gestern Vertreter von LCGB und OGBL gegenüber dem „Journal“, werde man die Schlichtungsstelle einschalten. Für die rund 18.000 Beschäftigten in der Branche wird sich dadurch vorläufig nichts ändern. Ab dem Tag, an dem das erste Vermittlungstreffen organisiert wird, haben die verschiedenen Akteure 16 Wochen Zeit, um eine Lösung zu finden. Nach diesen 16 Wochen kann eine der Parteien einseitig entscheiden, dass es in dem betreffenden Bereich keine oder mehrere Tarifverträge geben wird.

Grund sei die verhärtete Position des Patronats, meinte OGBL-Sekretär Jean-Luc de Matteis gestern auf Nachfrage, der die Kündigung des Kollektivvertrags nach zwei Jahren ergebnislosen Verhandelns als „logischen Schritt“ bezeichnet. Während die Personalvertreter reelle Lohnerhöhungen fordern, seien die Arbeitgeber nur zu nominellen Lohnerhöhungen bereit, die zudem nicht allen Beschäftigten zugute kämen. Dabei ginge es dem Sektor gut, der deutliches Wachstum verzeichne. Dem widerspricht das Patronat nicht, sieht die Forderungen der Gewerkschaften dennoch als überzogen an, denn volle Auftragsbücher hießen nicht gleichzeitig hohe Profitabilität. „Wir bedauern, dass die Gewerkschaften den Verhandlungstisch verlassen“, hieß es von der „Fédération des Artisans“. Der Verband schlägt eine Gehaltserhöhung von 2,1 Prozent über die nächsten drei Jahre vor, die Gewerkschaften beharrten auf 4,5 Prozent.

Die „Fédération des Entreprises de Construction et de Génie Civil“ hatte eigens im Februar eine Pressekonferenz gegeben, um zu erklären, warum sie die Gewerkschaftsforderungen nicht für realisierbar hielten: Viele Baufirmen stünden ökonomisch „gar nicht so gut da“, denn ausländische Unternehmen auf dem luxemburgischen Bausektor seien omnipräsent, und von der Gewerbeaufsicht werde viel zu wenig gegen Lohndumping getan.

Dadurch würden viele gebietsfremde Firmen die Preise unter ein realistisches Niveau drücken.