LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Statistik zeigt, dass Tage mit Extrem-Regen in den letzten Jahrzehnten zugenommen haben

An das sperrige deutsche Wort „Starkregenereignisse“ musste man sich in den letzten Jahren gewöhnen. Dahinter verbergen sich plötzlich auftretende lokale Niederschläge, die rasend schnell zu verheerenden Überflutungen führen. Wie in diesem Jahr im Müllerthal oder bei den saarländischen Nachbarn, genauso wie 2016 im Ernztal - gefühlt nimmt dieses Wetterphänomen Jahr für Jahr zu.

André Bauler, Nordabgeordneter der DP aus Erpeldingen, wollte es genau wissen und hat eine entsprechende Anfrage an Umweltministerin Carole Dieschbourg gerichtet. Die Antwort der Ministerin ist mit Unterstützung des Landwirtschafts- und des Wirtschaftsministerium sehr ausführlich und mit Zahlen gespickt ausgefallen.

Erkennbare Zunahme

Bauler hatte wissen wollen, wie die Entwicklung in den Jahren 2000 bis 2018 ausgesehen hat. Dieschbourg stellte fest, dass diese Periode statistisch zu kurz ist und die Meteorologen mit dreißig jährigen Intervallen arbeiten, die sich überschneiden, um den Trend besser hervor zu streichen. Das Ergebnis ist eindeutig - es gibt eine Zunahme (siehe den nebenstehenden Kasten). Die Zahl der Tage mit extremen Niederschlägen lag laut ASTA, der technischen Landwirtschaftsverwaltung, im Zeitraum von 1951 bis 1980 bei einem Mittel von 15,1 Tagen. Während der Zeit von 1981 bis 2010 gab es im Mittel 18,1 Tage mit ungewöhnlich starken Niederschlägen. Eine Zunahme um 20 Prozent.

Und wo regnet es am meisten? So lautete die zweite Frage von André Bauler. Wieder greift die Antwort auf die Statistiken der ASTA zurück. Diese zeigt zunächst, dass kein luxemburgischer Landstrich extrem häufig von starken Niederschlägen heimgesucht wird. Die ASTA-Statistik ist ansonsten nicht sonderlich beruhigend. Die mit Hilfe der Niederschlagsmengen der letzten zehn Jahre ermittelte Vorhersagesicherheit für ein Zehnjahreshochwasser liegt bei 50 Prozent. Genauso gut könnte man sagen es kommt so, oder es kommt höher. Danach könnte Useldingen in einem Zeitraum von zehn Jahren mit einem Extremniederschlag von 63 Millimetern, was 63 Liter Wasser auf einem Quadratmeter entspricht, landesweit am stärksten betroffen sein. Aber auch mehr. Von den 23 erfassten Messstationen zeigt die in Remich den niedrigsten Wert, eine Zehnjahreswahrscheinlichkeit für eine Niederschlagsmenge von 43 Litern/Quadratmeter an.

Nach Überschwemmungenim Ernztal 550.000 Euro ausgezahlt

Auf Baulers Nachfrage nach den erfassten Schäden durch Starkregenereignisse, können die drei Ministerien noch keine Auskunft für die Folgen der Flut im Müllerthal am 1. Juni geben. Man rechnet aber mit Wirtschaftsbeihilfen von mehr als einer Million Euro. Im Falle der Überschwemmungen 2016 im Ernztal wurden für 13 Fälle 550.000 Euro ausgezahlt. In allen Fällen handelt es sich um Schäden in Privatbetrieben.

Im Müllerthal waren in diesem Jahr besonders viele öffentliche touristische Einrichtungen, darunter auch dutzende Wanderweg durch Flutschäden betroffen. Ebenso einige Straßen im Müllerthal. Im Gegensatz zur Überschwemmung im Ernztal 2016, fielen die Schäden für die Landwirtschaft im Müllerthal deutlich geringer aus. Dieschbourg konnte Bauler auch mitteilen, dass der Wasserspiegel des Obersauerstausees von August 2017 bis Juni 2018 um fünf Meter angestiegen ist, von 313,8 m über Normal Null auf 318,8 m über N.N..

Hydrografische Erfassung der kleinen Fließgewässer

Nach den Überschwemmungen des Jahres 2016 im Ernztal hat das Wasserwirtschaftsamt damit begonnen eine Strategie zur Überwachung der kleinen Fließgewässer (Bäche), zu erarbeiten. Die bisherigen Hochwasserwarnsysteme nehmen diese Kleingewässer nicht wahr, andererseits steigt das Gefährdungsrisiko durch diese Bäche, weil die Starkregenereignisse zunehmend eng lokal begrenzt auftreten. Die Kleingewässer verwandeln sich dann schnell in reißende Flüsse. Mit digitalen 3D-Modellen mit einer Auflösung von zwei mal zwei Meter will man die hydrodynamischen Energien erfassen und vorhersagen. Erste Ergebnisse sollen gegen Ende Jahres und eine daraus resultierende Karte im nächsten Jahr vorgelegt werden.