JEAN-JACQUES SCHONCKERT

Die „Association pour le Droit de Mourir dans la Dignité“ (admd-L) wurde seinerzeit gegründet, um sich für die Legalisierung der Sterbehilfe in Luxemburg einzusetzen. Das bedeutet aber nicht, dass die Tätigkeit der Vereinigung mit dem Inkrafttreten des Euthanasiegesetzes im Jahr 2009 überflüssig geworden wäre. Jean-Jacques Schonckert, seit vergangenem Jahr Präsident der admd-L, die am Samstag ihre Generalversammlung abhielt, erklärt, warum Aufklärung Not tut.

„Die Gesellschaft ist bei diesem Thema immer noch geteilter Meinung. Auf der einen Seite gibt es jene, die sich für die Sterbehilfe am Ende des Lebens aussprechen, auf der anderen Seite jene, die für die Palliativmedizin eintreten. Ich setze mich dafür ein, dass wir, statt gegeneinander zu arbeiten, miteinander arbeiten. Dazu zählt etwa ein engerer Kontakt mit Omega90. Wir stehen in Verbindung, müssen diesen Kontakt aber noch vertiefen. Letztendlich handeln wir ja beide im Interesse des Patienten und sollten das Hand in Hand tun.

Aufklärungsarbeit - eine unserer Hauptaufgaben - ist wichtig. Viele Menschen wissen zwar, dass es das Gesetz gibt, ihnen ist aber nicht klar, was genau darin steht. Zu oft kursieren noch Halbwahrheiten oder sogar Fehlinformationen. Wenn behauptet wird, dass es in Luxemburg das Recht auf Sterbehilfe gibt, ist das so nicht richtig, vielmehr gibt es das Recht, nach Sterbehilfe zu fragen. Genau das ist der Knackpunkt, dahinter steckt nämlich eine ganze Prozedur.

Die admd-L tritt seit ihrer Gründung für das Prinzip der Freiheit bis in den Tod ein. Wer sich also auch am Ende des Lebens noch frei entscheiden will, muss informiert sein, sonst weiß er beispielsweise nicht, dass er eine ,Disposition de fin de vie‘ schriftlich bei der ,Commission nationale de surveillance‘ hinterlegen muss. Wurde dies nicht getan, kann später kein anderes Familienmitglied oder ein Arzt entscheiden, dass Sterbehilfe praktiziert wird. Besonders jüngere Menschen wollen wir künftig gezielter darüber aufklären. Uns ist es außerdem wichtig, dass auch Professionelle, also Ärzte oder das Pflegepersonal, entsprechend weitergebildet werden. Wir setzen uns dafür ein, dass dieses Thema in die Grundausbildung, aber auch in das Weiterbildungsprogramm integriert wird. Bislang ist das nicht der Fall, obwohl es eine unserer langjährigen Forderungen ist. Das Problem ist, dass der Tod nach wie vor ein Tabuthema ist. Nicht Sterbehilfe oder Palliativmedizin sind ein Tabu, nein, es ist der Tod an sich, der regelrecht totgeschwiegen wird.

Die admd-L hat sich personell neu aufgestellt. Inzwischen sind Leute aus den unterschiedlichsten Branchen - etwa aus dem medizinischen und paramedizinischen Sektor - in unserem Vorstand vertreten. Damit wir unseren Aufgaben noch besser gerecht werden können, wäre indes eine Aufstockung unserer Finanzmittel dringend notwendig. Momentan sind uns - mit einem Jahresbudget von lediglich 40.000 Euro - noch zu große Grenzen gesetzt.“