LUXEMBURGCHRISTIAN SPIELMANN

Vicky Krieps gewinnt den Darstellerinnenpreis

Die Stimmung unter den fast tausend Gästen im großen Theater in Luxemburg war im Vorfeld der Verleihung des achten „Lëtzebuerger Filmpräis“ ausgelassen. Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa nahmen an den Festlichkeiten teil, wie auch Xavier Bettel in seiner Funktion als Kulturminister.

Viele Diskussionen drehten sich um das Budget des luxemburgischen Film Funds, das für 2018 fast komplett aufgebraucht ist. Daher können keine neuen Projekte finanziert werden. Nicolas Steil ging in seiner Dankesrede unter anderem auf die Thematik ein und hoffte, dass der Filmpreis als Ursache genutzt werden kann, mehr Geld vom Staat für die Filmwelt in Luxemburg zu erhalten.

Beste Doku kommt von Pol Cruchten

Eine Band unter Leitung der Jazzmusiker Michel Reis und Pol Belardi sorgte für den musikalischen Rahmen. Zuerst betrat Schriftsteller Guy Helminger die Bühne und ging auf ironische Art und Weise auf die luxemburgische Filmindustrie ein. Dann wurde er von der Schauspielerin Elisabet Johannesdottir und dem US-amerikanischen Comedian Isaac Bush unterstützt.

Großherzogin Maria Teresa und Filmproduzent Paul Thiltges überreichten den Preis der besten Koproduktion an „Noces“ von Stephan Streker, der seine Statue zusammen mit den Produzenten Donato Rotunno (Tarantula Films) und Michaël Goldberg (Daylight Films) in Empfang nahm. Produzentin Bady Minck und Komponist André Dziezuk erklärten „The Breadwinner“ von Nora Twomey zum Gewinner der Kategorie bester Animationsfilm in Koproduktion. Die Sparte „bester Dokumentarfilm“ war qualitativ stark besetzt. Pol Cruchten gewann jedoch mit seinem Tschernobyl-Film „La Supplication“. Alexis Juncosa, der künstlerische Leiter des „Luxembourg City Film Festival“, und Script Supervisor Elly Verduyckt übergaben die Statue. Die Schauspielerinnen Fabienne Hollwege und Hana Sofia Lopes übergaben einem sichtlich gerührten Cyrus Neshvad den Preis des besten Kurzfilms für „Fils“.

Der wichtigste Preis

Nicolas Steil hatte die Gelegenheit, auf die finanzielle Situation im Filmsektor einzugehen, als er den Preis für die Fernsehserie „Bad Banks“ als beste Fernseh- und neue-Medien-produktionen entgegennahm. Die beiden Serien-Hauptdarsteller Désirée Nosbusch und Marc Limpach, die für den technischen Ablauf der Zeremonie zuständig waren, tauchten aus dem Bühnenhintergrund auf und freuten sich mit dem Produzenten. Das Animationsteam von „The Breadwinner“ wurde als bester kreativer Beitrag in einem Animationsfilm ausgezeichnet, und Kostümbildnerin Uli Simon für ihre Arbeit beim Film „Egon Schiele“ in der Kategorie bester kreativer Beitrag in einem Spiel- oder Dokumentarfilm.

Maskenbildnerin Katja Reinert und Produzentin Marion Guth (a_Bahn) erklärten Vicky Krieps zur besten Schauspielerin in „Gutland“. Ein paar Momente später durfte „Gutland“-Regisseur Govinda Van Maele den Preis des besten luxemburgischen Films zusammen mit den Produzenten Gilles Chanial und Jean-Louis Schuller aus den Händen von Xavier Bettel abholen.

Die Zeremonie ging perfekt über die Bühne. Musikalisches Glanzlicht war die Interpretation von „Somewhere Over the Rainbow“ durch bekannte Schauspieler, wie unter anderem Fabienne Hollwege, Nora Koenig, Étienne Halsdorf und Superjemp.

Mit den einzelnen Ergebnissen kann man zufrieden sein, zumal in den Kategorien Koproduktion und Dokumentarfilm kein Film qualitativ dominierte. Wenn man vielleicht bei der Wahl von „Gutland“ von Lobbyismus sprechen kann - der Film beschäftigte viele stimmberechtigte Wähler der Filmakademie - so ist die Wahl von „Fils“ als bester Kurzfilm dies nicht, wie man hätte befürchten können. Hier gewann ganz einfach der beste Kurzfilm, was Cyrus Neshvad endlich die Anerkennung gibt, die er verdient. Nun bleibt zu hoffen, dass der „Filmpräis“ den Gewinnern zu einem Karriereschub verhilft und, dass mehr Geld in die Kasse des Film Funds fließen wird. Es sind ja bald Wahlen!