LUXEMBURG
SVEN WOHL

Film-Vergleich: Total Recall

Im Jahr 1990 konnte Total Recall mit Arnold Schwarzenegger in der Hautptrolle zwei Dinge beweisen: Erstens, dass Science-Fiction
Action-Streifen auch tiefsinnig sein und zweitens auch noch die Massen in die
Kinos locken können. Die Geschichte dreht sich um einen Geheimagenten, der durch den Besuch bei „Rekall“, einer Firma, welche die Implantierung von künstlichen Erinnerungen ermöglicht, entdeckt, dass er in Wirklichkeit ein Geheimagent ist und das eigene Leben nicht mehr als eine Fiktion ist.

Neuinterpretation eines Klassikers

Das Original wusste mit zahlreichen merkwürdigen und skurrilen Ideen zu begeistern und gilt für zahlreiche Film-Fans als fulminanter Start der Filmära der 90er Jahre. Dies liegt zum einem daran, dass der Film zumindest zu einem gewissen Teil auf einer Kurzgeschichte von Phillip K. Dick basiert. Umso skeptischer wurde natürlich die Nachricht bewertet, dass Hollywood ein Remake des Klassikers wagen wollte. Die Befürchtungen waren groß, doch konnte schnell Entwarnung gegeben werden: die 2012-Version ist nur Mittelmaß. Nicht gut, nicht schlecht, sondern einfach nur mittelmäßig. An der eigentlichen Handlung soll es nicht liegen, die Neuauflage tauscht die „Mars“-Geschichte ein gegen ein relativ realistischeres Setting, in dem ein Lift, der durch die Erde hindurch führt, die letzten beiden bewohnbaren Teile der Erde, Großbritannien und Australien, mit einander verbindet. Der Lift sorgt für die mit Abstand interessanteste Action-Szene und unterstreicht den Eindruck, dass vor allem in Hinsicht auf Verfolgungsjadgen und Kampfszenen das Remake eindeutig die Nase vor hat. Aber das heißt nicht, dass es im Endeffekt auch der bessere Film ist.
Illusionsstörung

Denn wem das Original vor allem wegen der Szenen in den Sinn kommt, in denen die Illusion des Films selbst in Frage gestellt wird, der wird von der Neuinterpretation enttäuscht sein. Obwohl diese Szene immer noch vorhanden ist, scheitert sie, weil sie nicht subtil genug eingebaut worden ist. Ebenfalls störend beim Remake sind die Licht- und Blendeffekte, die verzweifelt von einer gänzlich uninspirierten Zukunftsvision ablenken soll.

Genau hier ist es dann auch, wo der
Vergleich zwischen den beiden Filmen dem neuen schadet. Bei allen inszenatorischen Neuerungen und beeindruckenden Ideen mangelt es dem Neuwerk an der Abgefahrenheit des Originals. Die ist zwar heute nicht mehr zeitgemäß, sorgte aber dafür, dass das Original gleichzeitig ein Unikat verbleibt. Die Neuinterpretation ist hingegen ein
Science-Fiction-Spektakel, wie man es heute schon gewohnt ist. Es kann also durchaus sein, dass der aktuellere Film im Schatten seines Vorbildes wieder
verschwinden wird.