LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Große Autoren, schlagkräftige Themen, außergewöhnliche Künstler: die neue Saison im TNL

Wenn man sich die internationale Politik anschaut, so hat man das Gefühl, dass die Satire mittlerweile an der Macht ist: Mit diesen Worten eröffnete Frank Hoffmann, Intendant des „Théâtre National du Luxembourg“ (TNL), gestern die Programmvorstellung. „Und wenn die Satire an der Macht ist, dann haben es die Satiriker natürlich schwerer. Das bedeutet aber nun nicht, dass man nur noch ernste Projekte machen soll, um gegen die Omnipräsenz der öffentlichen Satire anzukommen“, fügte er hinzu. Dem Theater komme vielmehr immer mehr eine Rolle zu, die es eigentlich schon immer hatte. „Um es in den Worten von Schiller zu sagen: ,Das Theater ist eine moralische Anstalt‘. Wenn die Moral nicht mehr zählt und der Begriff der Lüge keine ethische Kategorie mehr ist, muss das Theater zu seinen Fundamenten zurückkehren und die großen Fragen stellen. Wir haben erneut große Autoren gewählt, um diese Fragen zu stellen. Andererseits widmen wir uns auch aktuellen Themen und natürlich den ewigen Themen des Theaters, etwa der Liebe“, führte Hoffmann weiter aus.

Im Oktober feiert das TNL übrigens seinen 20. Geburtstag. Obwohl es immer noch das jüngste Theaterhaus Luxemburgs ist, hat es sich natürlich längst etabliert und weit über die Landesgrenzen hinaus Bekanntheit erlangt. Davon zeigte sich auch Kulturstaatssekretär Guy Arendt in seiner Ansprache überzeugt: „Das TNL ist ein unverzichtbarer Beitrag in unserer hiesigen Kulturwelt und hat sich noch dazu seit seiner Gründung unermüdlich dafür eingesetzt, das Luxemburger Theater auch nach draußen zu bringen. Inzwischen hat es national wie international seinen Platz gefunden“.

Am TNL wird seit jeher ein gutes Gleichgewicht zwischen deutsch-, französisch- und auch englischsprachigem Theater geboten. Seit letztem Jahr ist sogar eine Produktion in portugiesischer Sprache ins Programm hinzugekommen. „Moçambique“ heißt die Kreation, die für diese Saison eingeplant wurde (im Februar, mit englischen Übertiteln).

Französischsprachiges Theater von Marivaux bis Guy Rewenig

Mit Fanny Ardant ist gleich zu Beginn der neuen Spielzeit eine große französische Schauspielerin zu Gast im TNL. Am 3. Oktober „spielt“ sie einen Text von Marguerite Duras - „Le Navire Night“ - und wird dabei von Sonia Wieder-Atherton am Cello begleitet. In „Comment blanchir les bêtes noires sans les faire rougir - ou: le parcours périlleux et hillarant d’un africain au Luxembourg“ lässt Autor Guy Rewenig ab dem 20. Oktober einen Afrikaner auf den luxemburgischen Außenminister treffen. Christiane Rausch trägt den Text vor, Jitz Jeitz sorgt für die musikalische Umrahmung. Mit „L’Écume des jours“ von Boris Vian in einer Inszenierung von Tom Dockal, der auch selbst die Hauptrolle übernimmt, wird ab März eine Liebesgeschichte auf die Bühne gebracht. Im Mai steht mit „La Dispute“ ein Stück von Marivaux in einer Inszenierung von Sophie Langevin auf dem Programm.

Deutsche Stücke von Dostojewski, Büchner, Brecht und Strindberg

Das erste deutschsprachige Theaterstück der Saison heißt „Untergrund“ (Premier am 12. Oktober), eine Kreation nach Fjodor M. Dostojewski, für deren Regie Frank Hoffmann verantwortlich zeichnet. Unter anderem Marco Lorenzini und Roger Seimetz wirken in diesem Stück mit, in dem das Gute und das Böse thematisiert werden. Georg Büchners „Lenz“ - die Geschichte einer Flucht - wird im November unter der Regie von Frank Feitler mit Luc Feit als Lenz aufgeführt. „Die Antigone des Sophokles“ von Bertholt Brecht wird unter der Regie von Bernhard M. Eusterschulte im Januar mit unter anderem Germain Wagner und Nickel Bösenberg gespielt. Ab Februar packt Frank Hoffmann August Strindbergs Krimi „Rausch“ aus dem Jahr 1899 in ein neues Gewand. Es geht um die ewige Frage, was richtig und was falsch, was gut und was böse ist.

Diesjähriger „Auteur en résidence“ ist indes der seit 1990 in Berlin lebende Luxemburger Daniel Dumont, der sich eigenen Aussagen nach darauf freut, Luxemburg mit einer gewissen Distanz zu entdecken. Obwohl er in der Regel eher als Autor von Komödien bekannt ist, hätten ihn diesmal die Mittel der Tragödie gereizt. Sein neues Stück „Splittergesichte“, bei dem er übrigens auch Regie führt, wird im April im TNL uraufgeführt. Im Vorfeld wird Dumont im „Centre nationale de Littérature“ (CNL) in Mersch eine Poetikvorlesung halten, die eine persönliche Reflexion über das Theater von heute und die zeitgenössische Dramatik beinhaltet.

Englische Kreationen

Zwei englischsprachige Produktionen vervollständigen das Theaterprogramm der Saison 17/18 im TNL. „The Standard Bearer“ von Stephen Wyatt unter der Regie von Julian Sands, die neben Neil Dickson auch auf der Bühne steht, wird ab Anfang Januar aufgeführt. „Strangers“ von Sloan Bradford und Isaac Bush feiert unter der Regie von Anne Simon am 30. Januar Weltpremiere und geht nach den Vorstellungen im TNL auf Tournee.

Musikalische Abwechslung

Im TNL wird sich längst nicht mehr ausschließlich aufs Theater beschränkt. Diverse Musikprojekte sorgen für die nötige Abwechslung. „Heart Sutra / The Raven“ nennt sich ein Doppelprojekt, das am 7. Dezember Premiere feiert. Im Verlauf zweier zeitgenössischer Kammeropern kommt es zu kulturellen Begegnungen zwischen Asien und der westlichen Welt. Vier Tänzerinnen (Annick Putz, Hannah Ma, Odile Seitz und Tania Soubry) nehmen die TNL-Bühne in „Undo“ für sich ein (Premiere am 16. Dezember). „Beethoven: Von Herzen - möge es wieder zu Herzen gehen“ nennt sich eine Kreation, die von Pianist Jean Muller und dem Schauspieler André Jung getragen wird. Im Vordergrund steht nicht nur Beethovens ausdrucksstarke Musik, sondern auch seine Briefe. Für das Publikum ergibt sich ein ganz neues Bild des großen Komponisten (Premiere am 28. Februar). Das furiose Musiktheaterstück „End oft he rainbow“ unter der Regie von Marion Poppenborg kreist um die turbulenten letzten Monate im Leben der Judy Garland, deren Songs von Sascha Ley gesungen werden (Premiere am 27. März). Weitere Konzerte werden in der Saison 17/18 wie gewohnt in der „Bar National“ geboten.

Nachwuchstalente gesucht

Die Berliner Produktion „Zinnober in der grauen Stadt“, die am 2. Dezember Premiere hat, richtet sich derweil an die kleinen Zuschauer ab vier Jahren. Kinder, die die Welt und die Berufe des Theaters entdecken möchten, können sich natürlich erneut bei „TNL Kannerbühn“ anmelden und am Ende sogar selbst auf der Bühne stehen. Das Gleiche gibt es auch für Jugendliche mit dem „TNL Jugendclub“ und ab dieser Saison zudem für die Erwachsenen. „Trau dich! Entdecke die Theaterwelt“ heißt es im „TNL Theaterclub“. Ein Schnupperkurs findet vom 13. bis 15. Oktober statt.

Alle Details zum Programm unter www.tnl.lu

TNL-Tournee: Von Ettelbrück nach Los Angeles

In der vergangenen Saison war das TNL mit elf Produktionen und Koproduktionen auf Tournee und konnte so während 39 Vorstellungen nicht weniger als 13.800 Besucher empfangen. 22 Produktionen wurden in 80 Vorstellungen in den eigenen Wänden gezeigt, zu denen insgesamt 6.500 Besucher kamen. Auch in der Saison 17/18 gehen die TNL-Produktionen auf Tour: Codename Ashcan (Pfalztheater Kaiserslautern: 27., 28. Oktober, 7. November), New Angels/Black Cat (Los Angeles: 20., 21. Januar), Die Antigone des Sophokles (Theater und Orchester Heidelberg: 31. Januar, 2., 3. Februar), Wilhelm II. (Stadttheater Minden: 2., 3., 4. März), La dispute (CAPE Ettelbrück: 16, 17 Mai, Théâtre d’Esch: 29, 30. Mai), Rausch (Deutsches Theater Berlin, Mai, Juni).