ESCH/ALZETTE
CHRISTIAN SPIELMANN

Zeitloses Stück „L’hôtel des deux mondes“ von Éric-Emmanuel Schmitt im Escher Theater

Eric-Emmanuel Schmitt ist einer der erfolgreichsten französischen Schriftsteller und Theaterautoren. Im Escher Theater konnte man unter anderem bereits seine Stücke „Oscar et la Dame rose“, „Monsieur Ibrahim et les Fleurs du Coran“, „Le Visiteur“ und „Georges et Georges“ sehen. Am Sonntag gastierte die Truppe des Pariser „Théâtre Rive Gauche“ mit „L’hôtel des deux mondes“ in der Südmetropole. Dieses Stück wurde 1999 uraufgeführt und letztes Jahr in Paris unter der Regie von Anne Bourgeois wieder aufgenommen.

„V“ oder „A“

Eine Fahrstuhltür öffnet sich. Ein Mann, Julien Portal (Davy Sardou; er ist der Sohn von Michel Sardou), wird von einer Frau (Roxane Le Texier) und einem Mann (Günther Vanseveren) wortlos begrüßt. Beide sind in Weiß gekleidet und sind eine Art Engel, wie sich später herausstellt. Julien weiß nicht, wo er ist, und bekommt einen Schlüssel für ein Zimmer im Gang mit dem Buchstaben „V“. Zwei Männer, Präsident Delbec (Jean-Jacques Moreau) und der Hellseher und Magier Radjapour (Jean-Paul Farre), und die Putzfrau Marie (Michèle Garcia) kommen ihm aus dem gegenüber liegenden Flur mit der Aufschrift „A“ entgegen. Ihnen fehlt wie Julien die Erinnerung an alles, was in den letzten Minuten vor ihrem Eintreffen an diesem geheimnisvollen Ort geschah.

Marie weiß, dass sie unter Trägheit litt und ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Delbec erinnert sich an einen Fahrradfahrer, der ihn übersehen hat, und der Magier weiß, dass er bereits sechs Monate hier ist und an Diabetes erkrankt war. Erst der mysteriöse Doktor S. (Odile Cohen) kann Julien aufklären. Er hatte einen schweren Autounfall und liegt im Koma. Er ist im „Hotel der zwei Welten“ gelandet, ein Ort, wo Komapatienten darauf warten, entweder zu sterben oder wieder ins Leben zurückzukehren. Und „V“ steht für „volontier“, also für einen freiwilligen Versuch zu sterben, und „A“ für „accident“, also einen Unfall, der nicht freiwillig verschuldet wurde, wie der Herzinfarkt von Marie oder das diabetische Koma vom Magier. Julien wollte sich das Leben nehmen und krachte mit 200 Stundenkilometern mit seinem Auto in einen Baum. Bald gesellt sich eine junge Frau, Laura (Noémie Elbaz), zu ihnen. Julien verliebt sich in diese quicklebendige Frau, die jedoch die Fahrt mit dem Lift nach oben riskiert, also in den Tod, da sie unbedingt ein neues Herz braucht.

Was ist der Tod?

Schmitts Lieblingsthema ist der Tod. Aber was ist der Tod? Ein Geschenk wie das Leben? Aber wer will schon sterben? Am Beispiel von Julien, dem alles im Leben misslang, zeigt er, wie Liebe alles ändern kann. Er lebt im Koma auf, aber er kann nichts mehr beeinflussen. Er kann nur hoffen, dass er und Laura sich unten wiedersehen werden. Auch der Magier erkennt in Laura eine vergessene Liebe, die zu seiner Tochter. Er versucht den Doktor S. zu einem Verstoß gegen die Hotel-Regeln umzustimmen, damit Laura leben kann. Er will sterben, so dass Laura sein Herz bekommen kann. Doch S. kann sich nicht so einfach zu einem Regelverstoß überreden lassen.

Autor Schmitt argumentiert mit recht intelligenten und auch mal humorvollen Überlegungen für das Leben. Auch er weiß nicht, was nach dem Tod mit den Menschen passiert. Und so schlussfolgert er, dass das Leben dazu da ist, es weiterzugeben, zum Beispiel an seine Kinder. Julien könnte mit Laura ein neues Leben beginnen, aber…

„L’hôtel des deux mondes“ ist somit ein zeitloses Stück, das nicht nur zum Nachdenken über das Leben, den Tod und die Liebe anregt, sondern auch wegen des großartigen Spiels der Truppe bewegt.