LUXEMBURG
ANNE-MARIE HANFF

2020 ist das Internationale Jahr der Pflegekräfte. Die „Association Nationale des Infirmières et Infirmiers du Luxembourg“ (ANIL) will das nutzen, um auf den absehbaren Mangel der Pflegekräfte aufmerksam zu machen, wie ihre Präsidentin Anne-Marie Hanff unterstreicht.

„Vor kurzem hat Gesundheitsminister Etienne Schneider eine Studie über die Entwicklung im Gesundheitsbereich vorgestellt – die erste überhaupt. Sie hat das belegt, was wir schon lange feststellen: Luxemburg schafft es nicht, seinen Eigenbedarf an Pflegekräften zu decken. Schon jetzt kommt die Hälfte der Pflegekräfte aus dem Ausland. Bis 2034 gehen 40 Prozent aller Pflegekräfte in den Ruhestand. Wir wollen verhindern, dass die Pflege hier zusammenbricht. Wir sollten nicht warten, bis das Problem da ist. Schon jetzt versuchen die Pflegenden, das fehlende Personal zu kompensieren, um alle Betroffenen versorgen zu können. Oft muss jemand seinen Urlaub abbrechen, weil eine andere Kraft krank geworden ist. Viele reden über den Ärztemangel. Doch wenn man weiß, dass es in Luxemburg derzeit 2.331 Ärzte und 7.127 Pflegekräfte gibt, dann wird schnell klar, wie gravierend es ist, wenn 40 Prozent dieser Kräfte in Rente gehen. Weltweit werden neun Millionen Pflegekräfte fehlen. Daher hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2020 zum Jahr der Pflegekräfte und Hebammen ausgerufen. Der internationale Berufsverband ‚International Council of Nurses‘ (ICN) hat alle Regierungen angeschrieben und auf das Problem aufmerksam gemacht.

In Luxemburg sind damit noch weitere Fragen verbunden. Bislang werden alle Entscheidungen, die die Pflegekräfte betreffen, von Medizinern getroffen, doch deren Fachgebiet ist die Medizin und nicht die Pflege. Deshalb wollen wir eine eigene Direktionsstelle im Gesundheitsministerium, die sich mit Pflege auskennt und die für die Pflegepolitik verantwortlich ist. Sie soll die Lage beobachten und vorausschauend eingreifen, wenn es notwendig ist. In der aktuellen Ausbildung sind darüber hinaus Sprachkenntnisse ein Problem. Deshalb wollen wir, dass die Pflege von einem BTS auf ein Bachelor-Niveau angehoben wird. Der Sprachunterricht würde somit entfallen und die Studierenden könnten sich voll auf pflegerelevante Themen konzentrieren. Und unser Abschluss wäre auch in Zukunft im Ausland anerkannt. Bislang gilt nur in Luxemburg ausschließlich eine Berufsausbildung. Das Thema wird also kommen. Wir sollten nicht darauf warten, dass uns die EU dazu verpflichtet. Wegen dieser Themen planen wir 2020 viele Aktionen das ganze Jahr über.“