LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Ein neuer Service für Arbeitgeber soll bei der Vermittlung helfen

Guy Pütz hat viel zu tun. Der 47-jährige hält ständig Vorträge; vor den Handwerkern, dem Industrieverband, ausländischen Investoren und Kleinstunternehmern. Pütz ist des Arbeitgeber-Service der Adem. Seit März im Amt, ist er unablässig auf Tour, um das neue Angebot der Adem auf Roadshows auch im letzten Winkel bekannt zu machen.

Der Service will Arbeitgebern einen maßgeschneidert Service bieten. Die Adem hat ihn zum größten Teil mit Mitarbeitern aus der Privatwirtschaft besetzt. Der Chef des Arbeitgeber-Service kennt das Problem der Arbeitgeber. Er war jahrelang Geschäftsführer eines Luxemburger Unternehmens.

„Früher gab es bei der Adem verschiedene Stellen, an denen die Arbeitsgesuche ankamen“, erklärt er. „Heute haben wir nur noch eine zentrale Stelle.“Früher bekamen suchende Unternehmen von allen sieben Adem-Filialen im Land Kandidaten zugeschickt. Einige sollten sich durch bis zu 50Vorstellungsgespräche quälen. „Jetzt können die Filialen Vorschläge machen. Aber wir vom Arbeitgeber-Service suchen aus und schicken höchstens fünf oder sechs Kandidaten, die wir anhand der Lebensläufe und durch persönliche Gespräche gezielt auswählen“, erklärt Pütz.

Der neue Service existiert seit Oktober 2013. Seit März dieses Jahres leitet Pütz ihn. Er kennt das Problem mit dem Personal aus eigener Erfahrung. Schließlich hat er von 1996 bis 2013 das Ettelbrücker Unternehmen Imatec geleitet. „Aus Erfahrung Weiß ich: Gute Leute zu finden ist die größte Bremse für einen Unternehmer.“ Er selbst hatte am Ende einen Berater bei der Adem, dem er vertraut hat. „Mir war es wichtig, keine Zeit zu verlieren.“

Berater aus der Privatwirtschaft

Also wirbt Pütz für seine Dienststelle. Dort arbeiten 23 Berater. „Alle aus der Privatwirtschaft“, betont er. „Sie kennen die Probleme und die Branchen.“ Erste Erfolge kann die Adem schon vorweisen. Als Dunkin Donuts über 30 Mitarbeiter brauchte, gaben sie vorher der Adem eine Liste. „Wir haben eine Vorauswahl getroffen und sie zu einem speziellen Workshop eingeladen. Alle wurden daraufhin eingestellt“, freut Pütz sich. Auch bei der Restaurant-Kette „Vapiano“ erwies sich das Verfahren als Erfolg. Die Post, Dussmann oder Terra Vital stellen ebenfalls mit Hilfe der Adem ein. „Wichtig ist, dass die Unternehmer sich so frühzeitig wie möglich melden“, betont der Chef des Arbeitgeber-Service.

Er wünscht sich, dass noch mehr Arbeitgeber mit der Adem zusammen arbeiten, denn bislang wird nur rund die Hälfte der Stellen gemeldet. „Dabei können wir gerade für kleine und mittlere Unternehmen ohne eigenen HR-Service wertvolle Dienste leisten“, sagt er. Sein Ziel: Nur die besten Kandidaten sollen zum Unternehmen. Und wenn es keinen gibt - dann gibt es wenigstens eine Rückmeldung.

Einige Profile sind sehr gesucht. Fachkräfte wie Elektriker oder Schweißer, Mechatroniker oder Computerspezialisten, aber auch Erzieher oder Krankenpflegepersonal. Dennoch: „In Luxemburg entstehen pro Jahr 6.000 bis 7.000 neue Stellen. Da dürfte es eigentlich rein rechnerisch keine Arbeitslosen geben“, wünscht sich Pütz. Doch die Realität ist komplizierter. "45 Prozent der bei der Adem gemeldeten Arbeitssuchenden haben keinen vollwertigen Schulabschluss. Andere sind überqualifiziert für bestimmte Gesuche."

23 Millionen Euro im Monat

Im August waren 18.578 Menschen bei der Adem als suchend registriert, 7.290 erhielten Arbeitslosenunterstützung. Momentan gibt Luxemburg im Monat 22 bis 23 Millionen Euro für Arbeitslose aus. Das ist viel für ein Land, das sparen will. Bis Ende des Jahres will Pütz das interne System der Adem so fit haben, dass alle Stellen zentralisiert verwaltet werden.

Einige frühere Geschäftspartner waren schockiert, als sie vom Wechsel Pütz‘ zu einer Staatsstelle erfuhren. „Aber ich bin hier ja auch in gewissem Sinne unternehmerisch tätig“, sagt er, „hier ist eine ganz schöne Dynamik drin.“ Wenn er könnte, würde Pütz gern noch mehr machen. Die Jugend für das Handwerk interessieren. Pütz hat selbst als Techniker angefangen und dann auf dem zweiten Bildungsweg den Abschluss als Ingenieur gemacht. „Aber das Handwerk hat in Luxemburg nicht den Stellenwert, den es verdient“, sagt er. Bis dahin tauscht er sich mit anderen europäischen Arbeitsverwaltungen über beste practise aus. Wenn es sein muss, schult die Adem die neuen Mitarbeiter des Unternehmens auch. Oder bietet gründungswilligen Arbeitslosen Seminare.

Das will Pütz Anfang Oktober in der Handwerkskammer nochmal klar machen. Dort geht seine Roadshow weiter.
www.adem.lu