LUXEMBURG
DIE „JOURNAL“-MANNSCHAFT

Ehemaliger „Journal“-Direktor und Chefredakteur im Alter von 88 Jahren verstorben

Tief betroffen hat uns gestern die Nachricht vom Tod Jos Anens, des langjährigen Direktors und Chefredakteurs dieser Zeitung, der im Alter von 88 Jahren nach kurzer Krankheit von uns gegangen ist.

Jos Anen, Jahrgang 1926, stand über 38 Jahre im Dienst des „Lëtzebuerger Journal“, er gehörte zu der Mannschaft, die die Zeitung nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Taufe hob. Gemeinsam mit Männern wie Lucien Dury und Al-phonse Osch, die er aus der Resistenz kannte.

Den Weg in den Widerstand war der junge Mann angetreten, nachdem er 1943 aus dem „Kolléisch“ verwiesen wurde, weil er den Eintritt in die Hitlerjugend ablehnte. Nach Kriegsende kam er unter anderem durch Dury und Osch zur Resistenzzeitung „Unio’n“, die 1948 mit der „Obermoselzeitung“ zum „Lëtzebuerger Journal“ fusionieren sollte. Zu einer Festanstellung kam es aber erst 1952, nachdem Jos Anen seinen Sekundarschulabschluss nachgeholt und in der Schweiz Journalismus studiert hatte. In einer „Dreieinhalb Mann“-Redaktion - so beschrieb Jos Anen 2008 in einem Interview mit dem „Journal“ die kleine Redaktion der Anfänge - schrieb er über die unterschiedlichsten Themen und betreute natürlich auch die Herstellung der Zeitung - gemeinsam mit Albert Hoefler, dessen Frau und Camille Linden. Nach und nach umgab sich die Redaktion dann mit zahlreichen Korrespondenten wie Gab Delleré oder Pit Becker beispielsweise.

Jos Anen hielt auch in schwierigen Zeiten stets die Stellung, vor allem in den 1960er Jahren, als die hiesige Zeitungslandschaft und besonders die kleineren Zeitungen vor schwierigen Herausforderungen standen. 1964 musste der Druck der Zeitung sogar für einige Wochen völlig eingestellt werden. Während ein Teil der Belegschaft das Unternehmen entmutigt verließ, drehte Chefredakteur Jos Anen unzählige Verhandlungsrunden mit der Druckerei „Imprimerie Centrale“, mit Banken, Steuerverwaltung und Schuldnern, um dem Blatt die Chance einzuräumen, aus den roten Zahlen und wieder auf die Füße zu kommen. Es gelang. Und Anen wurde der Posten des Direktors zusätzlich zu jenem des Chefredakteurs angetragen.

Letztere Funktion übernahm bei Jos Anens Renteneintritt 1986 der 2012 leider viel zu früh verstorbene Rob Roemen, die Direktion ging an Robert Wiget, der uns im vergangenen Jahr verlassen hat. Auch nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben blieb „Här Anen“, wie er in der „Journal“-Redaktion immer ehrfürchtig genannt wurde, seiner Zeitung und den Presseleuten insgesamt stets verbunden. Seine jovialen Besuche in der Redaktion, bei denen er stets einen dicken Packen Zeitungen mitbrachte - zur „Inspiration“, wie er sagte - waren allerdings in den letzten Jahren seltener geworden. Wir werden Jos Anen vermissen. Diese Zeitung hat ihm viel zu verdanken. Wir möchten seinen Angehörigen von dieser Warte aus unser tief empfundenes Beileid aussprechen.