MAMER
DR. HENRI HOSCH

Den religiösen Mythen, Riten und Symbolen auf der Spur: Der Marienkult

In der ägyptischen Schöpfungslehre war die Vielzahl der Götter schon systematisch zusammengefasst worden.

In vielen Tempeln wurden drei Götter in einer Art Dreieinigkeit, oft im Vater-Mutter-Sohn-Verhältnis, verehrt. Zur Zeit der Ptolemäerherrschaft (ca. 300 v. Chr.) wurde der Märtyrergott Osiris, der Brudergatte der Isis, zum neuen Reichsgott erkoren und als Heiland und Retter verehrt. Isis wurde zur Himmelskönigin und Allmutter erhoben, und Osiris feierte seine Auferstehung in seinem auf übernatürliche Weise gezeugten Sohn Horus, was eine Botschaft vom Leben nach dem Tode bedeutet.

Nach seinem Märtyrertod verschwand Osiris als Herrscher ins Totenreich und fungierte dort als Vorsteher des letzten Gerichtes, vor dem die Seele jedes Verstorbenen eine Unschuldsbeichte ablegen musste. Die Seele der allseits geliebten Isis verwandelte sich in den Stern Sirius, der den Ägyptern den Beginn der alljährlichen Nilüberflutung ankündigte. Der Stern Sirius wurde später der Weihnachtsstern.

Göttin mit den 10.000 Namen

Schließlich eroberte die ruhmreiche Isis das Herz des ganzen ägyptischen Volkes, während in speziellen kleinen Tempeln - den Nammisi - das Geheimnis der übernatürlichen Geburt des Gottessohnes in jahrtausendalten Darstellungen eingemeißelt wurde. Die Himmelsgöttin Isis wurde vorzugsweise als stillende Mutter dargestellt, die ihrem göttlichen Sohn, der bestimmt war, über die Menschen zu herrschen, auf ihrem Schoß sitzend die Brust gibt. Von nun an wird das Bildnis der Isis, und nicht mehr das des Sonnengottes Amon, bei feierlichen Prozessionen auf einer Barke von den Priestern auf den Schultern getragen. Nach der Eroberung Ägyptens durch Alexander den Großen wurde die Liebesgöttin Isis auch als Schutzgöttin der Seefahrer in der neu erbauten Stadt Alexandrien verehrt. Von hier aus eroberte sie die Küsten des gesamten Mittelmeerraumes (Piräus-Rom-Pompei-Herculanum…dann Gallien bis zum heutigen Paris). Auf dem alten Stadtwappen der französischen Hauptstadt ist eine altägyptische Barke mit Osiris- und Isisstatuen dargestellt, überstrahlt vom Siriusstern.

Der Göttin Isis wurde in Rom (ca 40 n. Chr.) ein Tempel erbaut, und der Isiskult erreichte dort seine größte Blüte gegen Anfang des zweiten Jahrhunderts. Isis ist im Lauf der Zeit zur Allgottheit geworden, die Göttin mit den 10.000 Namen, von der alle anderen Gottheiten nur Teilaspekte verkörperten. Das Urchristentum, das mit einer neuen Vater-Sohn-hl. Geist-Dreifaltigkeitslehre sich zu verbreiten begann, stieß auf große Schwierigkeiten wegen der fehlenden, so heiß geliebten und alles dominierenden Gottesmutter.

Als die Religion des Christus des Erlösers, die keine grundlegende Neuerung darstellte, die von Ägypten beeinflussten Regionen erreichte, wurde Isis mit ihrem Sohn Horus von vornherein zur stillenden Jungfrau Maria (ägypt. Meryt-die Geliebte …Gottes !) mit dem Jesuskind auf dem Schoß, und ist es bis heute geblieben. Weil die Mutter in der neuen Dreifaltigkeit fehlte, wurde Maria zwar nicht zur Göttin, aber immerhin zu einer Himmelskönigin erhoben, die u.a. Gebete erhören, Wunder wirken und in Erscheinung treten kann. Von diesen Wunderkräften hat sie ja auch unzählige Male Gebrauch gemacht. Im vorigen Jahrhundert war sie bekanntlich auch zweimal in Luxemburg gesichtet worden, einmal von Kindern in Kayl und einmal vom Direktor einer Versicherungsgesellschaft.

Seitdem hat man zum letzten Mal von ihr gehört, als sie 1981 - als Madonna von Fatima - die Kugel des Papstattentäters auf dem Petersplatz ablenkte . Auch heute noch kommt man sich mancherorts um Jahrtausende zurück an den Nil versetzt vor, wenn in einer Prozession (z. B. in Krackau) die Statue der Maria auf einer Barke von Gläubigen auf den Schultern getragen wird. Auch die Baldachine, das Blumenstreuen ... bei solchen Veranstaltungen sind ägyptischen Ursprungs.