LUXEMBURG
CHRISTINE MANDY

Der Volksstamm der „Zulu-Aktionäre“

Ab jetzt kann jeder sich wie ein Zulu fühlen: Am vergangenen Donnerstag hat „Zulu Blanc“, eine neue Bar mit afrikanischem Flair, in den „Rives de Clausen“ eröffnet. Das Besondere: Erstmalig soll jeder die Möglichkeit haben, Aktionär zu werden, um so von einer Reihe von Vorteilen zu profitieren. Insgesamt stehen 4.000 Anteile zum Verkauf, die zusammen 40 Prozent des Gesamtkapitals bilden. Einer der beiden Barbesitzer, Steve Darné, hat uns über die Details aufgeklärt.

Wie funktioniert das Finanzierungskonzept genau und was ist das Besondere?

Steve Darné „Zulu Blanc“ ist eigentlich eine ganz gewöhnliche Aktiengesellschaft („société anonyme“). Wir haben die Bar nur öffentlicher vermarktet. Auch Menschen, die wir vorher nicht kannten, haben nun die Möglichkeit, Aktionär zu werden. Wir haben das Rad nicht neu erfunden, wollten aber eine neue soziale Plattform schaffen. Ich glaube, in der Form gab es das bisher in Luxemburg nicht.

Welche Voraussetzung muss man erfüllen, um Aktionär zu werden?

Darné Die einzige Voraussetzung, die man erfüllen muss ist, dass man volljährig sein muss. Als Mindestbetrag haben wir den Erwerb von drei Anteilen zu je einem Anschaffungspreis von 37,50 Euro festgelegt. Es sind zwar noch Anteile verfügbar, allerdings gibt es für die jetzt einen Aufpreis. Sie kosten nun 65 Euro. Immerhin wurde die Bar ja nun eröffnet und die Menschen können mit eigenen Augen sehen und überprüfen, worin sie investieren. Das Risiko für den Aktionär war ganz am Anfang sicherlich höher und wir mussten sein Vertrauen erst noch für uns gewinnen. Mit dem Aufpreis wollen wir denjenigen danken, die von Anfang dabei waren.

Welche Vorteile ergeben sich aus dieser Art der Aktiengesellschaft?

Darné Der Vorteil für uns ist, dass die Aktieninhaber vielleicht lieber in ihrer eigenen Bar etwas trinken möchten als irgendwo anders. Damit haben wir uns von vorn herein eine gewisse Kundschaft gesichert. Ferner bekommt jeder Aktionär eine „Zulu Kaart“, durch die er zehn Prozent Ermäßigung auf die Getränke erhält und noch von anderen Privilegien - beispielsweise bei Sonderevents - profitieren kann. Wenn es gut läuft, werden natürlich - wie es sonst auch üblich ist - Dividenden ausgezahlt. Außerdem können die Aktionäre an der Hauptversammlung teilnehmen und so eigene Ideen einbringen. Bisher haben wir etwa 150 Aktionäre. Was mich ein wenig überrascht hat, ist, dass diese sich auch untereinander ausgetauscht haben und sich für berufliche Zwecke zusammengetan haben. Das ist ein positiver Nebeneffekt, mit dem wir gar nicht gerechnet hatten.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Darné Die Idee ist uns vor etwa fünf bis sechs Jahren einmal ganz spontan um ein Uhr morgens gekommen. Eigentlich wollten wir das Konzept damals auf ein ganz anderes Projekt anwenden, doch das Businessmodell hat nicht optimal dazu gepasst. Mit „Zulu Blanc“ konnten wir die Idee schlussendlich umsetzen.

Was verbinden Sie mit dem Namen „Zulu Blanc“?

Darné Das Erste, was mir bei dem Namen in den Sinn gekommen ist, ist die Verbindung zu dem Sänger Johnny Clegg, der in Südafrika lebt. Da wir eine afrikanische Dekoration für unsere Bar ausgesucht haben, sind wir auf die Zulu gestoßen. Auch ist es immer wichtig, dass dem Kunden der Name in Erinnerung bleibt und ich denke, das ist für „Zulu Blanc“ der Fall.

Was macht die „Rives de Clausen“ zu einem guten Standort?

Darné Die „Rives de Clausen“ befinden sich in einer sehr attraktiven, pittoresken Straße, die historisch gesehen ausgesprochen interessant ist. Etwas Vergleichbares gibt es in Luxemburg nicht. Eine Bar reiht sich an die andere; in jeder gibt es andere Musik und jede richtet sich an eine andere Zielgruppe. Auch Touristen kommen gerne hierher. Der einzige Schwachpunkt sind die wenigen Parkmöglichkeiten. Ich könnte mir gut vorstellen, dass viele Kunden irgendwo anders hingehen, wenn sie mal wieder keinen Parkplatz mehr finden können. Es gibt zwar Shuttlebusse, die zwischen der Innenstadt und Clausen hin- und herfahren, aber auch hier gibt es noch Optimierungspotenzial. Es müsste auf jeden Fall etwas geändert werden. Davon könnten auch die Einwohner aus der Nachbarschaft profitieren. Der starke Verkehr ist, denke ich, störender als die Musik. Außerdem ist die Durchfahrt in Richtung Cents oft nicht möglich, weil die Autos vor dem Parkhaus in der Schlange stehen und die Straße blockieren.

„Zulu Blanc“ ist nicht die einzige Einrichtung, die zu Ihrem Unternehmen „1COM Group“ gehört. Haben Sie schon Pläne für ein neues Projekt?

Darné Es macht mir große Freude, immer wieder neue Projekte ins Leben zu rufen und auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen. Ich bin dabei sehr offen für Kritik. Immerhin ist es zu Zeiten der sozialen Medien umso wichtiger, die Kunden zufriedenzustellen, da sie dadurch sehr an Einfluss dazugewonnen haben. Erste Pläne für das Projekt Herbst 2016 bestehen auf jeden Fall schon, allerdings kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts Genaues verraten.