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Zu Besuch bei Hubert de Schorlemer und seinen rund 240 Angus-Rindern im Müllerthal

Angus-Rinder sind eine Fleischrasse mit hervorragenden Erbanlagen und besonderem Fleisch, verrät Hubert de Schorlemer. „Diese besondere Fleischqualität des Angus-Rindes ist das Ergebnis erfolgreicher Zucht, naturnaher Haltung und natürlicher Fütterung“, sagt er mit Blick ins Müllerthal, wo seine über 200 Rinder (mit Nachzucht) eben genau diese Natürlichkeit vorfinden. De Schorlemer hat sich hier in der Kleinen Luxemburger Schweiz der Zucht dieser Angus-Rinder verschrieben.

Seit das Angus Rind 1873 in Kansas City ein „Freak“ genannt wurde, hat die Rasse einen beispiellosen Siegeszug angetreten. Sie sind der dominierende Fleischlieferant in den USA, Kanada, Argentinien, Neuseeland und Australien, wie auf der Fachseite von „Ranchinvest“ zu finden ist. Doch auch in Europa erfreut sich die Rasse jetzt immer mehr an Beliebtheit - so eben auch im Müllerthal und bei den hiesigen Produzenten.

Das Fleisch der Angus-Rinder überzeugt mit kräftigem und einzigartigem Aroma

Das Müllerthaler Angus hat in verschiedener Hinsicht außergewöhnliche Eigenschaften. So kann die Rinderrasse das ganze Jahr über auf natürliche Weise versorgt werden. Ihre Züchtung erfordert keine Zugabe von Futtermitteln aus fremder Produktion, da sich die Tiere ausschließlich von den betriebseigenen Weiden ernähren.

„Durch die ganzjährige Weidehaltung - auch im Winter bleiben die Tiere draußen- hat es weniger Fett“, erkärt de Schorlemer. Daher ist das Fleisch auch wesentlich gesünder als das Fleisch der „Artgenossen aus Stallhaltung“. Die Besonderheit der Angus-Rasse ist, dass sie mit wenig Futter in kurzer Zeit (zwischen 24 und 30 Monaten ) das gewünschte Schlachtgewicht erreichen. Die Zucht läuft damit fast vollständig autonom und ökologisch. Und durch ihre schwarze Haut sind die Rinder unempfindlicher gegen Sonnenbrand und Hautkrebs als ihre Artgenossen. Ihre Widerstandsfähigkeit gegen jegliche Wetterbedingungen und die gleichzeitige Zunahme von Gewicht machen sie so perfekt für die ganzjährliche Weidehaltung bei rauen klimatischen Bedingungen, so de Schorlemer,

Bei einer extensiven Tierhaltung genießt das Vieh die größtmögliche Freiheit inmitten einer außergewöhnlichen Natur, in diesem Fall handelt es sich um ein Natura 2000-Gebiet. Die Produktion ist folglich Teil einer bemerkenswerten Politik, die das Wohlbefinden des Tieres in den Vordergrund stellt. Durch den Aufbau dieser Zucht beweist Hubert de Schorlemer, dass eine alternative Landwirtschaft möglich ist und den Ansprüchen der Verbraucher von heute gerecht werden kann, die immer mehr Wert auf lokale Erzeugnisse legen.

Der Züchter wollte eine Produktion aufbauen, die auf Grundsätzen der Nachhaltigkeit beruht und die Herausforderungen des Umweltschutzes sowie die Aspekte einer gesunden und schmackhaften Ernährung gleichermaßen berücksichtigt. „Mein Anliegen besteht darin, ein Produkt auf lokaler Ebene zu vermarkten, und dabei der Natur, in der die Tiere gedeihen, die größtmögliche Achtung entgegen zu bringen“, erklärt er.

Der intramuskuläre Fettanteil und die Marmorierung des Angus-Fleisches ist besonders hoch - Fett ist ja bekanntermaßen Geschmacksträger, je gleichmäßiger verteilt, desto besser, weiß auch Chefkoch David Albert aus dem Restaurant L’Ernz Noire.


Das Müllerthaler Angus ist im Besitz des Labels „Naturschutz Fleesch“, das von der Natur- und Forstverwaltung verliehen wird. Dieses Label kennzeichnet Rindfleisch, das durch Methoden der ständigen Extensivweide produziert wird, die im Rahmen von Projekten zum Schutz der Natur und Artenvielfalt entwickelt werden