LUXEMBURG-HOLLERICH
PATRICK VERSALL

Neue Ausstellung „Angste Povera“ im CarréRotondes

Eine Expo zusammenstellen ohne Kurator? Steph Meyers des CarréRotondes musste nicht lange überlegen: Ja, es sei die erste Ausstellung im Haus, wo kein Kurator seine Finger im Spiel habe. Heute Abend wird mit „Angste Povera“ die mittlerweile dritte Ausstellung im Hollericher CarréRotondes eröffnet, die sich um das Thema „Angst“ dreht. Im Erdgeschoss und auf der ersten Etage zeigen 13 Künstler des Kollektivs PNSL (Pinsel ausgesprochen) unterschiedliche Werke; Phobien werden in den Arbeiten allerdings nicht behandelt. Vielmehr stehen Ängste des Alltags im Mittelpunkt des Interesses, wobei man einige durchaus als so genannte „Luxusängste“ abstempeln kann: Die Angst des Mittelständlers, der eine Meter hohe Betonmauer um sein Grundstück aufziehen muss, um sich vor dem Pack zu schützen, das über die offenen europäischen Grenzen in seinen Vorgarten eindringen möchte, um ein Stück des Wohlstandkuchens ab zu bekommen. Eines stellen die Mitglieder des Kollektivs schon vor der Eröffnung klar: Es handelt sich keinesfalls um eine Ausstellung über Luxemburg, auch wenn in der einen oder anderen Arbeit die Marotten des kleinen Volkes angesprochen werden. Bei allen Arbeiten gilt aber: Die Idee ist der Star, nicht der Künstler. Alle Teilnehmer des Projektes haben sich während des Entstehungsprozesses ausgetauscht. Der Austausch unter Gleichgesinnten bildet auch das Fundament des Kollektivs: Die Künstler diskutierten lange in einem sozialen Netzwerk über das Thema, bis man sich dazu entschloss, die Überlegungen in Form einer Ausstellung für die breite Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Unter den Werken steht der Name des gesamten Kollektivs, unterstreicht Grafiker Laurent Daubach, einer der Kollektiv-Mitglieder. Beim Eintritt in das Angst-Universum gelangt der Besucher in einen abgedunkelten Raum, der einer Tiefgarage nachempfunden ist. Unter dem flackernden Licht einer Neonröhre wird der Eindringling von einer Gruppe Neuwagen angegafft, die von übergroßen Bildern auf ihn herabschauen. Unterirdische, urbane Autosammmelplätze als Brutstätte der Angst vor dem Verloren sein in der Anonymität.

Immigrationsgesichter

Grafiker Daubach hat in der ersten Etage aus Holz eine klassische Bus-Haltstelle nachgebaut, eine Konstruktion, die in den Neunzigern symptomatisch für Kindesentführungen stand. An einer Außenwand der Haltestelle hat der Luxemburger zwei Bilder seiner Tochter angebracht, die sie in unterschiedlichen Lebensphasen zeigt. Daubachs Erinnerungen an die Dutroux-Entführungen sind noch frisch, er habe seine Tochter immer wieder auf die Gefahren einer Kindesentführung hingewiesen.

Karolina Markiewicz und Pascal Piron ihrerseits haben in einem knapp 50-minütigen Film die Aussagen von fünf jungen Flüchtlingen gesammelt, die als Kinder nach Luxemburg kamen und von ihren Leben als Einwohner auf Zeit berichten.


www.rotondes.lu
Die Ausstellung ist noch bis zum 29. Juni zu sehen