LUXEMBURG-KIRCHBERGGERHARD KLUTH

Die Filarmonica della Scala gastierte in der Philharmonie

Besuch aus Italien gab es am Sonntagabend in der Philharmonie. Im Rahmen der Serie Grands Orchestres und dem Luxembourg Festival 2013 gastierte die Filarmonica della Scala unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada auf dem Kirchberg.

Wie man Verdi richtig spielt

Mailand und sein Opernhaus, die Scala. Welch ein klangvoller Name, der bei allen Opernfreunden die Herzen höher schlagen lässt. Im Vorfeld zu diesem Konzert sagte ein Musiker eines philharmonischen Orchesters der Region: Man müsste ja eigentlich da hingehen um einmal zu hören, wie man Verdi richtig spielt. Recht hatte er. Sicherlich konnte man sich so einiges abgucken, als der gebürtige Kolumbianer Orozco-Estrada an sein Pult trat und den Taktstock erhob und die Sinfonia aus „La Traviata“ oder aus der „Sizilianischen Vesper“ erklang. Ein satter Klang erfüllte das Grand Auditorium, der von der ebenso satten Besetzung der Filarmonico herrührte. Schon alleine der Streicherapparat war mehr als nur beeindruckend, ganz zu schweigen von den Bläsern. Jede Klangfarbe bekam hier einen besonderen Glanz. Die Musik wurde zu einer Kraft, die nicht bedrohlich wirkte, sondern die Zuhörer in der fast ausverkauften Philharmonie trug. Eines aber konnte man sich bei diesem Klangkörper nicht abschauen. Die Leidenschaft, mit der er musizierte. Diese Leidenschaft hat man, oder man hat sie eben nicht. Wer die Musiker und auch Orozco-Estrada beobachtete, der konnte sehen, mit welcher Überzeugung hier musiziert wurde.

Betörende Stimme

Davon profitierten nicht nur die Werke von Verdi. Mit demselben Engagement erklang das Intermezzo sinfonico aus Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana“ und, nach der Pause, in selten zu erlebender Intensität die „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Moussorgski in der Orchesterfassung von Maurice Ravel.

Bei jeder einzelnen Note war spürbar: Dieses Orchester ist eine Gemeinschaft, die sich ein Ziel gesetzt hat. Sie will mit der Musik ihr Publikum erreichen und dort etwas bewirken. Hier konnte man nur sagen, dass Ziel wurde in allen Facetten erreicht. Und dies galt nicht nur für die Filarmonica.

Auch die Solistin, die lettische Sopranistin Kristine Opolais, zeigte dieselben Qualitäten. Eine fast schon betörende Stimme mit scheinbar endlosen Farbschattierungen, mit Kraft und gleichzeitiger Eleganz und mit brillanten Höhen präsentierte sie in „Tu che le vanità“ aus Verdis Don Carlo und auch in Giacomo Puccinis „Tu che di gel sei cinta“ aus Turandot oder „Un bel di vedremo“ aus Madame Butterfly. Wie bei den Instrumentalisten galt auch bei ihr: Ich musiziere nicht für mich, nicht als Selbstzweck. Ich musiziere für mein Publikum. Mit lauten Bravorufen sagten die Zuhörer danke.