PARIS
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Messerattacke von Paris: Täter stammte aus Tschetschenien

Der bei dem mutmaßlichen Terroranschlag in Paris getötete Angreifer ist identifiziert. Der junge Mann sei 1997 in der Teilrepublik Tschetschenien im russischen Nordkaukasus geboren worden, bestätigten Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Ermittler hätten seine Eltern am Sonntagmorgen in Gewahrsam genommen. Am Vorabend hatte ein Mann mit einem Messer in einem belebten Viertel nahe der Opéra Garnier nach Behördenangaben einen Menschen erstochen und vier weitere verletzt. Die Polizei tötete den mutmaßlichen Angreifer. Staatspräsident Emmanuel Macron nannte den Verdächtigen einen «Terroristen» und sagte Extremisten den Kampf an. Zu der Messerattacke hat sich die Terrormiliz Islamischer Staat bekannt.
Die Bluttat ereignete sich gegen 21:00 auf der Rue Monsigny im zweiten Arrondissement der französischen Hauptstadt. In der Gegend gibt es etliche Kneipen und Theater, viele Nachtschwärmer waren unterwegs. Wie die Polizei und Augenzeugen mitteilten, stach der Angreifer dort auf fünf Passanten ein und ergriff die Flucht. Als Minuten später Beamte eintrafen, habe der Verdächtige sie bedroht, woraufhin sie ihn erschossen hätten, sagte Yvan Assioma von der Polizeigewerkschaft.
Barbesucher und Operngänger berichteten von chaotischen Szenen rund um den Tatort, die Polizei brachte Menschen aus einigen Gebäuden im Viertel Rive Droite in Sicherheit.
Eine Augenzeugin sagte dem TV-Sender BFM in einem Restaurant, eine junge Frau sei am Eingang gestanden, als "ein Mann kam und sie mit einem Messer attackierte." Ein Freund sei ihr zu Hilfe gekommen, woraufhin der Angreifer weggelaufen sei. Dabei habe er "auf alle Türen, auf alle Läden eingeschlagen." Als er die Straße gewechselt habe, sei jeder davongerannt, sagte die Zeugin.
Der zuständige Staatsanwalt François Molins teilte am Tatort mit, es seien Ermittlungen wegen Mord und versuchten Mordes im Zusammenhang mit terroristischen Motiven eingeleitet worden. Dazu verwies er auf Augenzeugenberichte, wonach der Verdächtige bei der Messerattacke "Allahu Akbar" (arabisch für Gott ist groß) gerufen haben soll. Die Anti-Terror-Abteilung der Staatsanwaltschaft von Paris führe die Ermittlungen - nicht zuletzt aufgrund der Art der Tat, ergänzte Molins vor Reportern.

Mann aus Luxemburg unter den Verletzten

Innenminister Gérard Collomb sagte, Ermittler arbeiteten an einer Identifizierung des Verdächtigen und möglichen Komplizen. Bei dem Todesopfer handelte es sich demnach um einen 29-jährigen Mann. Die vier Verletzten schwebten nicht länger in Lebensgefahr, fügte Collomb hinzu. Unter den Verletzten ist auch ein 34jähriger Einwohner chinesischer Abstammung aus Luxemburg der schwere aber nicht lebensgefährliche Wunden davon trug. Das bestätigte am Sonntagmorgen das luxemburgische Aussenministerium.
Über sein Sprachrohr Amak erklärte der IS, einer seiner "Soldaten" habe die Messerattacke verübt. Der mutmaßliche Täter sei dem Aufruf der Terrormiliz an Anhänger gefolgt, Mitglieder der US-geführten Militärkoalition gegen den IS anzugreifen. Frankreich beteiligt sich seit 2014 an dem Anti-IS-Bündnis im Irak und in Syrien. Beweise für die Behauptung lieferte die Amak-Mitteilung vom späten Samstagabend nicht. Details zu der Identität des mutmaßlichen Angreifers wurden auch nicht genannt.
Staatspräsident Macron zeigte sich kämpferisch. "Frankreich zahlt einmal mehr den Preis des Blutes, doch wird es sich Feinden der Freiheit nicht einen Fingerbreit beugen", schrieb Macron in der Nacht zum Sonntag auf Twitter. Er lobte die Polizei zudem dafür, "den Terroristen neutralisiert" zu haben. Seine Gedanken seien bei den Opfern.
Seit 2015 ist Frankreich wiederholt von islamistischem Terror erschüttert. Anhänger und Sympathisanten der IS-Miliz töteten mehr als 200 Menschen, allein 130 kamen bei den koordinierten Attacken in Paris im November 2015 ums Leben.