LUXEMBURG
MARCO MENG

Erster europäischer Investmentfonds für Spielertransfers startet in Luxemburg

Europas erster Fußball-Fonds geht in Luxemburg an den Start. Nach der Zulassung durch die Finanzaufsichtsbehörde CSSF ist die FairPlay Capital SICAV der erste regulierte Investmentfonds dessen Kapitalgeber in europäische Fußballklubs, genauer gesagt, in den Spielertransfer investieren.

„Investoren waren immer schon von Fußball angezogen, aber die Investitionsmöglichkeiten waren bislang in erster Linie auf den Kauf von Fußballklubs beschränkt gewesen, häufig hat ein ‚emotionaler‘ Kauf aber nicht reine Investition“, erklärt Laurent Pichonnier, Direktor von Global Finance Consult und Vorstandsdirektor von FairPlay Capital. Während die Spielertransfers einen attraktiven Markt bedeuten, verbieten die Regularien von FIFA, UEFA und nationalen Regulatoren, dass Parteien außer den Clubs in den Transfer von Footballspielern investieren. „Die Investitionsstruktur, die wir bei FairPlay Capital entwickelt haben, ist mit allen vorhandenen Regeln und Regulierungen konform und bietet Kapitalanleger einen ziemlich einzigartigen Zugang zum Transfermarkt“.

Milliardenmarkt Fußball

Kim Kintziger, der rechte Verteidiger, der im Sommer 2013 von Differdingen zu Jeunesse Esch wechselte, hatte zum Zeitpunkt des Wechsels einen Marktwert von 150.000 Euro, ein eher durchschnittlicher Preis. Aurélien Joachim, heute beim RKC Waalwijk, hat laut dem zum Springer-Verlag gehörenden Dienstleister Transfermarkt.de einen Marktwert von 500.000 Euro; der für den KV Kortrijk spielende Maxime Chanot und Mario Mutsch, FC St. Gallen, sind mit 600.000 Euro die teuersten Luxemburger Spieler.

Die Luxemburger Nationaldivision, seit 2007 offiziell BGL-Ligue, hat Spieler mit einem gesamten Marktwert von 14,6 Millionen Euro. Die Vereine mit den „wertvollsten“ Spieler sind Düdelingen, der Spieler mit einem Marktwert von 2,3 Millionen Euro hat, gefolgt vom FC Differdingen 03 mit 1,3 Millionen und Jeunesse Esch mit 1,25 Millionen. Zum Vergleich, bei der französischen ersten Liga sind das 1,56 Milliarden, bei der 1. Deutschen Bundesliga ist es ein Betrag von 2,2 Milliarden und bei der spanischen Primera División gar 2,5 Milliarden Euro.

Fußball ist ein Milliardenmarkt, und Spielertransfers sind inzwischen auch für kleinere Fußballklubs zu einer einträglichen Einnahmequelle geworden. Bis zu 25% der Einnahmen erzielen laut FairPlay Capital die Klubs dadurch. Diese Einnahmen, so der Fonds, könnten die Vereine durch systematische Investitionen noch bedeutend vergrößern. FairPlay hatte dazu eine gründliche Analyse des Umsatzes vorgenommen, den französischen Spitzenclubs mit Spieler-Transfers machten (90 Transaktionen zwischen 2005 und 2011). Man sei dabei zu der Schlussfolgerung gelangt, dass rund 53% im Laufe dieser fünfjährigen Periode ein wesentlich besseres Ergebnis hätten haben können, wenn eine optimale Spieler-Transfer-Strategie bestanden hätte. Dies zu realisieren ist Ziel des neuen Investmentfonds, der in einem ersten Compartment von 20 Millionen privaten und investitionellen Anlegern mit einer Minimaleinlage von 125.000 Euro zur Verfügung steht.

Wohl und Wehe für Luxemburger Vereine

Laut Marc Diederich, Jurist des Luxemburger Fußballverbandes, sei man zwar in Luxemburg auch in der 1.Liga weit davon entfernt, als Profiliga bezeichnet zu werden, aber der Weltverband unterscheidet nur zwischen Amateuren und Nicht-Amateuren, die mehr Geld erhalten als es für die Ausübung eines Hobbys notwendig ist. Laut Statuten des FIFA-Weltverbandes müssen alle Clubs, in denen ein Spieler zwischen dem 12. und 21. Lebensjahr ausgebildet wurde, bei Profitransfers bis zum 23.Lebensjahr prozentual beteiligt werden. Geht jemand also vor dem 23. Lebensjahr wie Miralem Pjanic von Schifflingen nach Metz, dann nach Lyon und dann nach Rom, ist das für die vorherigen Vereine ein gutes Geschäft. Die Vereine, denen eine Ausbildungsentschädigung zusteht, können diese bis zu 18 Monate nach der Vertragsunterschrift einfordern. Pfiffige Anwälte scheinen erkannt zu haben, dass man da für Vereine Geld rausschlagen kann: So fordert unter anderem ein portugiesischer Verein nun von Grevenmacher 50.000 Euro für einen Spieler, obwohl dieser nur zweimal für Grevenmacher spielte. Diederich findet es darum bedauerlich, dass die Fifa da nicht differenziere, denn der Sinn der Ausbildungsvergütung gehe dadurch verloren. Das Team des Fußballfonds FairPlay Capital setzt sich aus Experten zusammen, die aus dem Bankensektor, dem Sportmanagement sowie der Fußballspielervertretung kommen und Erfahrungen bei hochgradigen Spielertransfers für Clubs wie den FC Liverpool, Paris Saint-Germain, den FC Valencia, den AS Monaco oder Olympique Lyonnais gesammelt haben.