ESCH/ALZETTE
PATRICK VERSALL

Kulturprojekt „L’Homme qui“ ab Herbst in der Kulturfabrik

Stahlmogul Lakshmi Mittal mit übergestülpter Protestmütze aus Strick als Personifizierung des wirtschaftlichen Untergangs der gesamten Stahlindustrie, die über Jahrzehnte einen wichtigen Eckpfeiler der Wirtschaft in den vier Ländern der Großregion bildete. Das Lütticher Künstlerkollektiv „Le Collectif Mensuel“ inszeniert im Herbst das Theaterstück „L’Homme qui valait 35 milliards“,

in dem eben jener indischer Multimilliardär im Zentrum des Geschehens steht, eine Figur, die zahlreiche Stahlarbeiter gerne da sehen würde, wo der Pfeffer wächst.

Das aus der Feder des Dramaturgen Nicolas Ancion stammende Stück ist der Aufhänger des Kulturprojektes „L’Homme qui“, das vom 4. Oktober bis 1. Dezember anhand eines sehr breiten Angebots den wirtschaftlichen Umbruch in den ehemals von der Eisenindustrie geprägten Landstrichen zwischen Lüttich und Metz, Saarlouis und Petingen künstlerisch aufbereitet. Die Wiege des Kulturprojekts „L‘Homme qui“ steht übrigens in Lüttich, eine Stadt, die unter der Wirtschaftskrise bluten musste; Tausende Arbeiter sind gezwungen, nach der Schließung der Stahlwerke stempeln zu gehen.

Reaktion auf den Todesstoß

Renaud Riga, Künstler und Mitglied von „Le Collectif Mensuel“, der selber auch Anfang Oktober in der Inszenierung am Escher Theater eine Rolle übernimmt, betrachtet Ancions Werk als eine Antwort auf das große Schweigen, das den wirtschaftlichen Kataklysmus begleitet, eine Reaktion auf den Todesstoß, den der Stahlbaron den Hütten in der Großregion verpasste.

„L’Homme qui valait 35 miliards“ soll eine Debatte über Verluste anstacheln, die der wirtschaftliche Tsunami hinterlassen hat. Menschen verlieren nicht nur ihren Broterwerb, Fabrikschließungen können gegebenenfalls auch das Landschaftsbild einer gesamten Region mittelfristig verändern. „Le Collectif Mensuel“ betrachtet die Auswirkungen des Mittal-Gaus unter einem künstlerischen Blickwinkel. Das Stück sei leicht zugänglich, die Handlung fiktiv, so Riga. Man wolle ja nicht unbedingt auf Mittal einpreschen, erklärte Riga bei der Vorstellung des Projektes schmunzelnd. Mittal bietet sich jedoch perfekt dazu an.

Alle Veranstaltungen des „L‘Homme qui“ -Projektes finden in Esch/Alzette statt.