MERSCH
PATRICK WELTER

Das Office National de Remembrement beging seinen 50. Geburtstag mit einem Festakt

Für Otto Normalbürger ist das Thema Flurbereinigung oder „Remembrement“ so fern wie der Mond. Viele können sich nicht einmal genau vorstellen um was es dabei geht. Ganz einfach: Aus lauter kleinen unzusammenhängenden Äckern, Waldstücken oder Weinbergen soll, am besten durch geschicktes hin und her Tauschen, für die jeweiligen Eigentümer eine zusammenhängende und besser nutzbare Fläche geschaffen werden.

Ziele sind eine Ertragssteigerung und eine leichtere Bearbeitung der neuen Parzelle. Damit verbunden ist auch der Weg von neuen Feld- oder Weinbergwegen. Die pragmatischen Moselaner haben dafür den schlichten Begriff Weinbergzusammenlegung gefunden.

In der Neuzeit gab es erste vereinzelte Flurbereinigungen schon im 18. Jahrhundert, dort wo das Erbrecht der Realteilung galt, also wo das Erbe zu gleichen Teilen unter den Nachfahren aufgeteilt wurde.

So wurden die Parzellen kleiner und kleiner. In Luxemburg gab es den ersten Versuch eines Gesetzes zum Thema „Remembrement“ 1922.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es erste freiwillige Flurbereinigungen.

Großherzog und drei Landwirtschaftsminister zu Gast

Erst 1964 wurde die öffentlich rechtliche Einrichtung „Office national de Remembrement“ (ONR) durch ein Gesetz gegründet. Das nun anstehende Jubiläum, der 50. Geburtstag, wurde gestern mit einem Festakt im Merscher Kulturhaus in Anwesenheit von Großherzog Henri begangen.

Neben Landwirtschaftsminister Fernand Etgen (DP) und seinen Vorgängern Romain Schneider (LSAP) und Fernand Boden (CSV) war alles, was in Landwirtschaft und Weinbau Rang und Namen als Gäste geladen.

Unerwartete Hauptaufgabe

Passend zum Anlass hat das ONR ein Jubiläumsbuch mit einem Rückblick auf 50 Jahre Arbeit herausgegeben.

Einen Rückblick lieferte auch der Präsident des ONR, Georges Fohl. Dabei war besonders interessant, dass das ONR gar nicht auf eines seiner späteren Hauptaufgabengebiete gefasst war.

Das Ziel des Gesetzes von 1964 war in erster Linie, die klassische Landwirtschaft für den Markt in der EWG, den sechs Kernländern der EU, fit zu machen.

Doch schon unter den ersten Antragstellern war eine Weinbaugemeinde - es sollte nicht die einzige bleiben.

Die Arbeit an den Weinbergen, oft von langen und erbitterten Debatten vor Ort begleitet, entwickelte sich in den letzten fünf Jahrzehnten zum Kerngeschäft des ONR.

111 Millionen Euro investiert

Nach Aussagen von Präsident Georges Fohl hat das ONR in diesen Jahren 42 Flurbereinigungen realisiert und 111 Millionen Euro investiert. Der Festvortrag über die Zukunft der Landwirtschaft hielt der Pariser Agronom und Professor Marcel Mazoyer.

Das Schlusswort gehörte dann Landwirtschaftsminister Fernand Etgen.