LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

„Bommeleeër“-Prozess am Wendepunkt

Am 121. Verhandlungstag erfolgte ein weiterer Paukenschlag im „Bommeleeër“-Prozess: Der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald kündigte am vergangenen Montag Klage gegen den ehemaligen BMG-Mann Marcel Weydert und den früheren „Sûreté“-Chef Armand Schockweiler an. Sie könnten durch ihre eigenen Aussagen und die Aussagen anderer nicht mehr als Zeugen betrachtet werden, heißt es. Bei Weydert zuhause findet wenige Stunden nach Oswalds Ankündigung bereits eine Hausdurchsuchung statt. Neue Ermittlungen laufen also bereits.

Neue Liste der Beschuldigten in Ausarbeitung

Mit Spannung wartet die Öffentlichkeit auf eine neue Liste von Beschuldigten. Am Ende könnten noch einige andere neben Scheer, Wilmes, Weydert und Schockweiler auf der Anklagebank sitzen. Unklar ist, ob der Prozess nun völlig neu aufgerollt werden muss oder nicht. Falls ja, könnte es Jahre dauern, bis es dazu kommt. Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass fünf Jahre und vier Monate zwischen der Beschuldigung der Ex-BMG-Männer Scheer und Wilmes im November 2007 und dem Start des Prozesses Ende Februar 2013 vergingen. Ihre Verteidiger waren durch alle Instanzen gegangen, um die Anklage abzuwehren. Apropos Verteidigung: Auch sie bereitet derzeit Klagen wegen Falschaussage und Justizbehinderung gegen eine Reihe von Offizieren vor.

Auf jeden Fall ist mit Oswalds Ankündigung der Druck in diesem Prozess gleich um mehrere Stufen gestiegen. Nicht nur auf die Leute, die sich am Ende auf der Angeklagtenliste befinden. Nein, auch auf den Untersuchungsrichter Ernest Nilles, auf die Staatsanwaltschaft.

Und auf die neunte Kriminalkammer am Bezirksgericht Luxemburg selbst, das Oswald in Sachen Weydert folgte. Wird es den Prozess bis zum Abschluss der neuen Ermittlungen aussetzen? Auf das Risiko hin, dass wichtige Zeugen bis zur Wiederaufnahme des Prozesses schon nicht mehr leben werden? „Es gibt derart viele Hypothesen, zu dem was möglich ist“, meinte Generalstaatsanwalt Robert Biever letzte Woche gegenüber dem „Luxemburger Wort“, „da ist es besser, sich nicht auf eine Hypothese festzulegen. Da kann sehr vieles geschehen“.

Aber vielleicht klärt sich schon diese Woche, in welche Richtung das Verfahren geht.