LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

COSL stellte in Zusammenarbeit mit Sportministerium ein Konzept für den Sport vor

Als eine Art Gebrauchsanweisung für den Sport, beschrieb der zuständige Minister Romain Schneider gestern ein vom „Comité Olympique et Sportif Luxembourgeois“ (COSL) sowie von seinen Mitarbeitern erstelltes Dokument. Bereits 2009 hatte man innerhalb des COSL damit angefangen, nach einem Konzept zu suchen, um den Sport auf nationaler Ebene weiterzubringen. Daraufhin wurde mit Mitarbeitern aus dem Sportministerium eine Arbeitsgruppe gegründet. „Besonders geht es darum, dem Sport mittels dieses Konzepts den Stellenwert zu bringen, den er unserer Meinung nach haben muss. Wir möchten daneben bewirken, dass sich die Sichtweise innerhalb der Gesellschaft ändert“, fügte COSL-Präsident André Hoffmann hinzu und wies außerdem auf den wirtschaftlichen Einfluss des Sports hin, der oft unterschätzt werde. Herausgekommen ist nun ein 70 Seiten starkes Dokument mit dem Titel „Concept intégré pour le sport au Grand-Duché de Luxembourg“. „Es ist wichtig, alle Akteure in einen Zug zu bekommen, der dann auch noch in eine Richtung fährt. Jeder soll sich einbringen“, so Hoffmann.

Alle Probleme in einem Dokument

Einen wesentlichen Beitrag dazu sollen die politischen Entscheidungsträger leisten. Sportminister Schneider zeigte sich zufrieden mit dem Resultat der jahrelangen Arbeiten. Das Dokument zeige sowohl Probleme als gleichzeitig auch Lösungsansätze auf. „Der Ist-Zustand wird beschrieben, aber auch der wünschenswerte Zustand. Außerdem werden alle Sportarten berücksichtigt und sämtliche Baustellen aufgezeigt“, so Schneider. Was den Wettkampfsport anbelangt, so gelte es, das Vorhandene besser zu bündeln und letztendlich den Elitesportlern alle Infrastrukturen zur Verfügung zu stellen. Im Breitensport habe man einen guten Weg und Rhythmus gefunden. In Sportinfrastrukturen müsse weiter investiert werden, um kurze Wege zu ermöglichen. Vor allem sollten sie in ihrer Gesamtheit der Öffentlichkeit zugänglich sein, hob der Minister hervor.

Die treibende Lokomotive (dixit Schneider) bei der Ausarbeitung des Konzepts war COSL-Direktor Heinz Thews. „Wir fangen nicht bei null an, immerhin haben wir eine bestehende Sportstruktur. Die gilt es nun zu optimieren und gegebenen Falls zu ergänzen“, bemerkte Thews eingangs. Aktuelle Zahlen, was den sportlich aktiven Teil der Bevölkerung anbelangt, fehlen. Die letzte Erhebung geht auf das Jahr 2009 zurück und zeigt deutlich, dass nur knapp die Hälfte der Einwohner Luxemburgs regelmäßig Sport treiben. Fünfmal wöchentlich betätigen sich nur 12% sportlich.

WHO: Fünf wöchentliche Sporteinheiten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät hingegen jedem Erwachsenen, sich mindestens an fünf Tagen der Woche während jeweils 30 Minuten physisch zu betätigen, oder mindestens an drei Tagen während 20 Minuten intensiv Sport zu treiben. Von diesem Ziel ist Luxemburg demnach weit entfernt. Schlimmer noch, rund ein Drittel der Einwohner tut überhaupt nichts. Aus diesem Grund haben der COSL konkrete Zielsetzungen ausgearbeitet. Zum einen müsse das Bewusstsein der Eltern geschärft werden, die motorische Entwicklung der Kleinkinder dürfe beispielsweise nicht dem Zufall überlassen werden, zum anderen sollten die regionalen Rahmenbedingungen verbessert werden und daneben mehr Sportstunden in der Schule angeboten werden. „Nur in der Schule ist der Sport obligatorisch. Diese riesige Chance müssen wir noch mehr nutzen“, meinte der COSL-Direktor.

Zu wenig luxemburgische Spitzentrainer

Feststellen musste die an dem Konzept beteiligte Arbeitsgruppe, dass die Trainerstühle weder quantitativ noch qualitativ ausreichend besetzt wären. Zudem gebe es kaum Luxemburger Spitzentrainer, was darauf zurückzuführen sei, dass es hierzulande keine Trainer-Berufsvorbereitung gebe. Überdies, so Thews, werde der Sport beispielsweise an der Uni oder in der Forschung stiefmütterlich behandelt. Einen Studienzweig für Sportwissenschaften gibt es an Luxemburgs Universität nicht.

Weg vom Subsidiendenken

Dass die Sportbranche ein echter Wirtschaftssektor sei, würde ebenfalls vernachlässigt, bedauerte der technische Direktor des COSL. Der Sport an sich werde, wie überall in Europa, hauptsächlich durch Privathaushalte finanziert. Im Jahr 2005 (letzte Erhebung) waren das immerhin 220,1 Millionen Euro. Der Staat investierte 42,7 Millionen Euro in die Strukturen, von den Gemeinden kamen 25 Millionen, während Sponsoring und Spenden 43,7 Millionen brachten. Was die staatlichen Fördergelder anbelangt, so flossen im Jahr 2013 1,025 Millionen Euro in den Sport, womit sich Luxemburg, prozentual gesehen, innerhalb der EU weitab von anderen Ländern situiert. Auch der Beitrag des „Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte“ sei mit 5 bis 6% der Lotterie-Einnahmen zu gering. Auf internationaler Ebene seien 25% üblich, so Thews.

„Sport darf nicht länger eine Nischenpolitik sein, “, stellte Thews klar. „Wir müssen wegkommen vom Subsidiendenken, sondern das Ganze als eine Investition in die Gesellschaft sehen“, brachte es der Präsident des COSL, André Hoffmann, auf den Punkt.