LUXEMBURG
MARCO MENG

Kinderbetreuung muss gut organisiert sein, sagt Fabiana Caruso - ihr Startup soll dabei helfen

Die Italienerin Fabiana Caruso weiß zwar nicht, ob sie mit ihrem berühmten Namensvetter verwandt ist. Sicher ist sie hingegen, dass auch sie auf ihre Art eine Künstlerin ist, wie sie erklärt. „Wenn ich meine Persönlichkeit beschreiben sollte, so würde ich sagen, ich bin eine kreative Person“.

Seit 1997 lebt Caruso in Luxemburg, nachdem sie im Jahr zuvor ihr Wirtschaftsstudium an Universita di Napoli abgeschlossen hatte. Erst kam sie nur für eine Weiterbildung nach Luxemburg - doch daraus wurde dann mehr. „Ich war gleich fasziniert von Luxemburg. Ein kleines Land, aber voller Potenzial.“ Darum blieb sie hier und begann ihre berufliche Karriere als Marketingspezialist im Finanzsektor. „Nach 13 Jahren in der Investmentfonds-Branche wechselte ich als Produktmarketingspezialistin zu Reuters. Dort wurde ich mit Computertechnologie und Programmierung vertrauter.“

Irgendwann sei dann der Zeitpunkt gekommen, erklärt sie, das zu tun, was ihr wichtig sei und woran sie wirklich glaube: „Und das lag im sozialen Sektor“. Als berufstätige Ehefrau und Mutter hatte sie ganz persönlich erfahren, wie schwer es ist, Kindererziehung und - betreuung unter einen Hut zu bringen, lernte, wo die Schwierigkeiten lagen und bekam Ideen , was zu tun sei, um es besser zu machen. Heute ist Caruso Geschäftsführerin mehrerer Krippen und Tagesstätten in Luxemburg.

Es fing mit Kids’ville an

2008 gründete sie das Unternehmen Kids’ville, das als Kinderbetreuungsunternehmen Kindergärten und Kindertagesstätte für Kleinkinder vom Säuglingsalter bis zu drei Jahren wie auch für Kinder von vier bis zwölf Jahren betreibt. „Um die Kinderbetreuung durchführen zu können, brauchte ich ein gutes Team“, sagt Caruso. „Darüber hinaus muss das ganze aber auch gut organisiert sein, weil man schnell auf veränderte Bedürfnisse, eine veränderte Nachfrage und so weiter reagieren muss. Wenn mein Team frustriert ist, wird es auch nicht den Kindern das geben können, was die Kinder verdienen und deren Eltern verlangen. Hier ist Organisation und Information alles.“ Die Schwierigkeit liege darin, nicht zu vergessen, dass eine Kinderbetreuung auch ein Unternehmen sei: Rechnungen und Löhne müssen bezahlt, Rechnungen müssen geschrieben, alles muss verwaltet werden. Es sei kein Zufall, so Caruso, dass viele Kinderbetreuungen schließen müssten, weil sie leicht den wirtschaftlichen Aspekt aus den Augen verlieren würden. „Und was die Kinderbetreuung betrifft“, erklärt Caruso, „so kann man hier vieles nicht einfach anhand von Excelfiles planen oder analysieren; da braucht man mehr. Excel ist nicht dreidimensional und ermöglicht nur schwerlich, zeitgleich viele verschiedene Informationen miteinander zu vergleichen.“

Die richtige Software als Lösung

Die administrative Arbeit hatte Caruso, je mehr Kinder zu betreuen waren, einfach zu viel Zeit und Energie gekostet, die sie lieber für das Gespräch mit den Kindern, den Erziehern und den Eltern verwenden wollte. Mit einem Programmierer und einem Buchhaltungsfachmann hat sie darum angefangen, Logidev zu entwickeln - ein Programm, für das man als Nutzer keine speziellen Computerkenntnisse braucht. Nach drei Jahren Entwicklung und Erprobung war es dann soweit. „Die Software habe ich in meinen Krippen und Tagesstätten eingesetzt. Das positive Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten: Die Abläufe wurden optimiert, die Kosten reduziert, Zeit gespart, was mehr Ressourcen für die Qualitätsverbesserung beim normalen „Geschäft“, der Kinderbetreuung bedeutet“, so Caruso.

Mit der maßgeschneiderten Software, die sie ursprünglich für sich selbst, für Kids’ville, entwickelte, „managen wir das Personal, die Kunden, den Lagerbestand, die buchhalterischen Angelegenheiten, das Begleichen der Rechnungen, darüber hinaus die Planung: Wie viele Kinder werden zu welchem Tag wie viele Stunden betreut werden, wie viele sind vormittags da, wie viele am Nachmittag, wie viele Betreuer werden also wann gebraucht und so weiter“, erläutert Caruso. „Das Ergebnis dieser Software war für mich so beeindruckend, dass ich mir sagte, warum sollte das nicht auch anderen zugute kommen.“

So entschloss sie sich, diese Lösung auch anderen Kindergärten und Kindertagesstätten anzubieten, weshalb sie im Oktober die Software-Firma Logidev mit dem Motto „Enlighting Your Future“ gründete. „Das Programm ist sehr innovativ; nicht im Hinblick auf die Technologie, da haben wir jetzt keine grundlegend neue Software erfunden, aber im Hinblick auf das Betreiben und das Organisieren der Kinderbetreuung. Logidev gibt die Grundlage für das Erreichen und die Wahrung des Qualitätsstandards ISO9001 und ISO15504.“ Nun gehe es an die Vermarktung der selbst erprobten Software - für die Marketingexpertin dürfte das nichts Schweres sein.