LUXEMBURG
MARCO MENG

Eine Chronologie der Ereignisse am Wirtschaftsstandort Luxemburg 2014

Ein bewegtes Wirtschaftsjahr geht zu Ende. Wechsel, Fusionen, Rekorde, Insolvenzen, Sozialpläne... Wir blicken zurück auf einige Schlüsseldaten.

25. März Der Luxemburgische Bankenverband ABBL (Association des Banques et Banquiers Luxembourg) feiert sein 75jähriges Jubiläum. Nachdem die Zahl der Banken in den letzten Jahren zurückgegangen war (1996 waren es noch 221 gewesen), stieg sie zuletzt wieder auf 150. Das verwaltete Vermögen ist im letzten Jahr auf 307 Milliarden gestiegen.

Direkt beschäftigen die Banken rund 6.800 Mitarbeiter, der von der ABBL vertretene Sektor insgesamt rund 20.000 Personen.

25. März Nach der Insolvenz der Drogeriekette dayli im vergangenen Januar und des Vorgängers Schlecker 2012 öffnen die meisten Geschäfte wieder unter dem Namen „Meng Drogerie +“

26. März Cargolux hat einen neuen Chef. Dirk Reich löst Richard Forson, der Interimchef war, ab. Forson selbst bleibt als Finanzvorstand bei Cargolux. Robert Song vom neuen chinesischen Anteilseigner HNCA wird Senior Vice President, Head of Asia & Pacific; der umstrittene Manager muss bald aber wieder gehen. Die Verhandlungen mit dem Personal über einen neuen Kollektivvertrag stocken und konnten bislang nicht abgeschlossen werden.

28. März Luxemburg und die Vereinigten Staaten unterzeichnen das FATCA-Abkommen zum automatischen Austausch von Informationen über Vermögenswerte, die von US-Bürgern bzw. US-Gebietsansässigen bei Finanzinstituten in Luxemburg gehalten werden. Bis spätestens 30. Dezember 2015 soll das Abkommen umgesetzt werden.

3. April Karim Michel Sabbagh wird neuer Präsident und Geschäftsführer des Luxemburger Satellitenbetreiber SES und folgt damit Romain Bausch, der lange die Geschicke des erfolgreichen Unternehmens leitete. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres konnte SES seinen Umsatz um 2,1 Prozent auf 1.406,6 Millionen Euro erhöhen; der Konzerngewinn stieg um 5,9 Prozent auf 437,9 Millionen Euro.

2. Juli Luxemburgs Finanzminister Pierre Gramegna bestätigt, dass neben der China Merchants Bank und der Bank of Communications auch die Agricultural Bank of China, laut „Forbes“ das drittgrößte Unternehmen der Welt mit einem Marktwert von 141,1 Milliarden US-Dollar, ihren europäischen Hauptsitz in Luxemburg errichten wird. Damit gibt es in Luxemburg bald sechs chinesische Banken.

9. Juli Erster Sukuk in Euro: Der Finanzplatz diversifiziert sich. Neben Chinas Währung Renminbi fasst man auch „islamic finance“ ins Auge. Das Parlament hat dazu ein Gesetz zur Schaffung eines luxemburgischen „Sukuk“ in Euro verabschiedet. Sukuk sind Anleihen nach islamischem Recht, bei denen keine Zinsen auf das angelegte Kapital gezahlt werden, sondern eine Gewinnbeteiligung.

16.Juli Ein Konzern wankt. Der portugiesische Telekom-Konzern PT erhält Verbindlichkeiten der Investmentgesellschaft Rio Forte in Höhe von 847 Millionen Euro nicht zurück.

Rio Forte gehört zur Gruppe Espírito Santo, die wiederum mit 20 Prozent an der kriselnden Großbank BES (Banco Espírito Santo) beteiligt ist. Die in Luxemburg ansässigen Firmen des Konzerns, Rio Forte und Espírito Santo International (ESI), beantragen später die Einleitung eines Insolvenzverfahrens.

7. August Konkurrenz für Cactus Hobbi: Alles für Werkstatt, Haus und Garten soll in Luxemburg bald auch von Bauhaus angeboten werden. Der nach Obi zweitgrößte deutsche Baumarkt kündigt an, ab September in Capellen ein Fachcenter errichten. In einer ersten Phase sollen dort 140 Personen eine Anstellung finden.

Im Jahr davor hatte der Bauhaus-Konkurrent Praktiker Insolvenz angemeldet, das Auslandsgeschäft, darunter auch die bâtiself -Filialen in Strassen, Foetz und Ingeldorf, waren davon nicht betroffen.

Die Anteile, die ehemals Praktiker hielt, hat der Luxemburger Baumarktbetreiber C.W.A. sàrl übernommen, der in Luxemburg bereits Baumärkte unter der Marke BATI C betreibt und auch an Hoffmanns SA beteiligt ist, die im November „Quincaillerie Printz“ auf Cloche d’Or übernahmen und schlossen: Die Angestellten von Printz werden von Hoffmanns in Alzingen und Mersch weiterbeschäftigt.

17. September Die künftige Freihandelszone, der Luxembourg Freeport, wird neben dem Cargo Center am Luxemburger Flughafen eröffnet. Der Freeport soll ein logistisches Drehkreuz für jegliche Art von Wertgegenständen werden, Kunstwerke genauso wie Edelmetalle, Juwelen, Weine, Antiquitäten und Wertdokumente. Laut Euroasia Investment, Hauptinitiator des Projekts, betrug das Investitionsvolumen etwa 55 Millionen Euro.

24. Oktober Rekord beim Fondsvermögen. Das verwaltete Vermögen der luxemburgischen Investmentfonds hat zum Ende September 2014 die Schwelle von 3.000 Milliarden Euro überschritten, wie der luxemburgische Fondsverband ALFI (Association of the Luxembourg Fund Industry) bekannt gibt.

Das entspricht einem Anstieg von 14,97% seit Beginn des Jahres und ist überwiegend auf hohe Nettozuflüsse zurückzuführen.

1. November Die auf Autoglas spezialisierte Guardian-Tochter „Guardian Automotive Products“ sowie deren Luxemburger Ableger in Grevenmacher mit 600 Mitarbeitern, Guardian Automotive E.S.A., ist vollständig an Central Glass übergegangen.

Das 1936 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Tokio verspricht sich vom Zukauf ein erweitertes Produktions- und Vertriebsnetzwerk.

Hundertprozentiger Eigentümer des Autoglasherstellers in Grevenmacher war bis dato Luxguard II. SA., die wiederum zu 100 Prozent Guardian Industries in Michigan, USA, gehört.

Der Aktienwert von Guardian Automotive beziffert sich auf rund 68 Millionen Euro.

 

2. Dezember Zum ersten Mal in ihrer Geschichte hat Luxair mehr als eine Million Fluggäste innerhalb eines Jahres befördert. Nach dem historischen Verlust von mehr als zehn Millionen Euro, welcher das Jahr 2012 prägte, war es der LuxairGroup 2013 gelungen, den Trend umzukehren und mit einem wenn auch bescheidenen Gewinn von 1,9 Millionen abzuschließen.

Geschmälert werden könnte das nächste Ergebnis durch Cargolux, an der Luxair beteiligt ist: Die braucht nämlich 2015 eine weitere Kapitalerhöhung.