LUXEMBURG

Journalist Roland Baumann über sein Werk „100 Joer Automobilsport zu Lëtzebuerg“

Der Automobilsport ist Luxemburg ist, was die Literatur angeht, nur ein recht „unbeschriebenes Blatt“. Doch nun ist ein Werk auf den „Walfer Bicherdeeg“ vorgestellt worden, dass ganze 100 Jahre dieses Sports beleuchtet. Autor ist der Luxemburger Auto-Journalist Roland

Woher kommt Ihre Begeisterung für den Motorsport…?

Roland Baumann Als Kind saß ich oben auf der Treppe vor unserem Haus und blickte fasziniert auf die sich vorbeischlängelnden Autos. Obwohl erst wenige Jahre alt, kann ich mich noch gut an diesen ersten Kontakt zum Automobilsport erinnern. Ende der 1950er Jahre waren wir in die Beleser Stadionstraße gezogen und genau vor unserer Haustür führte der alljährliche Slalom vorbei. Ich habe noch heute den markanten Benzingeruch der Rennwagen in der Nase…

Und dieser Geruch hat sich festgesetzt?

Baumann Oh ja, als ich dann im Alter von neun Jahren meinen ersten Fotoapparat geschenkt bekam, wurde dieser selbstverständlich beim Slalom ausprobiert. Man sieht auf den Abzügen winzig kleine Autos, die eine völlig menschenleere Straße entlang fahren. Was ich nicht wusste: Die Zuschauer standen alle am Start und Ziel vor meiner Grundschule, aber dort durften mein Bruder und ich aus Sicherheitsgründen nicht hin. Stattdessen genossen wir unseren Logenplatz vor dem elterlichen Haus.

Schön und exklusiv, der private Logenplatz…

Baumann …samt ganz persönlichen „Catering“ von unserer Mutter aus der Küche.

Doch die Passion verfestigte sich später auch im beruflichen Bereich…

Baumann Autosport muss etwas ganz Elitäres sein, dachte ich fälschlicherweise, da ich stets die menschenleere Straße bei den Rennen aus meinen Kindheitstagen in Erinnerung hatte. Erst 1992 erhielt ich durch die „AutoRevue“ den ersten unmittelbaren Kontakt zum Motorsport. Patrick Weber, Journalistenkollege und späterer „AutoRevue“-Chefredakteur, nahm mich mit zum 24h-Rennen am Nürburgring, wo wir eine Reportage über den Langstreckenklassiker und die vielen Zuschauer entlang der Nordschleife erstellen sollten. Die Fotos waren zu jener Zeit noch in Schwarz-Weiß, das Resultat aus heutiger Sicht nicht gerade berauschend. Seitdem jedoch arbeite ich für die „AutoRevue“ und habe Hunderte, wenn nicht sogar über tausend Autorennen in Europa, Afrika, Asien und Amerika besucht. Patrick Weber hat mich in diese mir damals völlig unbekannte Welt einführte. Ich habe ihm viel zu verdanken, und noch heute beeindruckt er mich durch sein Fachwissen, sein messerscharfes Gedächtnis und seine Faszination für diesen Sport. Ihm möchte ich an dieser Stelle danken, denn so gut wie alles, was ich über Autosport weiß, hat er mir vermittelt.

Und die Begeisterung gipfelte nun in dem Buch über 100 Jahre Luxemburger Automobilsport…

Baumann Die Arbeit an dem Werk war eine Herkulesaufgabe, der ich mich zu Beginn mit dem notwendigen Respekt und einer gewissen Ehrfurcht stellte. Ein Archiv über die Geschichte des Motorsports in Luxemburg gab es und gibt es nicht, genauso wenig wie eine umfassende Sammlung an Resultaten oder gar Fotos aus den verschiedensten Epochen. Unsere Recherchen fingen gewissermaßen bei Null an. Anfang 2012 begann unsere Arbeitsgruppe, in Zeitungsarchiven, der Nationalbibliothek, der Fotothek der Stadt Luxemburg sowie bei vielen Privatpersonen nachzuforschen. Erst nach und nach bekam unser Redaktionsteam einen halbwegs vernünftigen Überblick und Ende 2012 konnte mit dem Schreiben der Artikel begonnen werden.

Auch hier hat Patrick Weber mitgewirkt, indem er bescheiden im Hintergrund sämtliche Kapitel durchgelesen, ergänzt und verbessert hat. Dieses Buch ist ein erster Schritt auf dem Weg zu einem strukturierten Archiv über den Luxemburger Automobilsport. Auch wenn das Ergebnis dieser aufwändigen Nachforschungen schon beachtlich ist, muss weiter gesucht und nachgefragt werden, damit irgendwann eine lückenlose Datensammlung über die nationale Autosportgeschichte vorliegen kann. Und nun liegt das Ergebnis auf 328 Seiten vor…iz