LUXEMBURG
MARCO MENG

Wie die Transportbranche vom Straße-Schiene-Modell profitieren kann

Der Ausbau zu einem Logistikknotenpunkt nimmt Konturen an. Die Erweiterung des Multimodal-Verladebahnhofs Bettenburg ist im Gange, um die Kapazität von derzeit knapp 50.000 auf später 300.000 Container von Straße auf Schiene zu bewerkstelligen, die Bauarbeiten am Eurohub Sud nahebei dürfte in Kürze ebenfalls starten. Da die Wirtschaft in Europa allmählich wieder Fahrt gewinnt, lädt heute der Luxembourg-Poland Business Club (LPBC) zusammen mit Deloitte Luxembourg zu einer Logistik-Konferenz, an der hochrangige Vertreter aus Polen teilnehmen, unter ihnen der Chef des Frachtverkehrs der polnischen Eisenbahn.

Die Verbindung nach Polen wäre laut Alain Krecké vom Interessenverein Clusterforlogistics Luxemburg eine zusätzliche Ausbaumöglichkeit, um den Logistiksektor im Land weiter Schubkraft zu verleihen. Ein Schwerpunkt der heutigen Konferenz ist dabei das Thema „Multimodal“, also die Verknüpfung von Frachttransport per Lastkraftwagen mit der Schiene. Der multimodale Bahnhof von Bettemburg hat schon eine Verbindung ins französische Perpignan, und so könne Luxemburg durchaus ein Knotenpunkt nach Norden und Osten werden, so Krecké. Mit einer Fertigstellung des Ausbaus in Bettemburg, ohne den keine Kapazitätserweiterung mehr möglich ist, rechnet Krecké mit 2016. „Wir sind also nicht dabei, Verträge zu unterzeichnen, und es wird auch nicht dieses Jahr mit der Umsetzung der Idee begonnen; es ist ein längerfristiges Projekt, und wir sind jetzt dabei, dieses Projekt zu starten.“

Großes Potenzial: Von Polen, überdie Ukraine bis nach Kasachstan

Drei Regionen in Polen stellen auf der Konferenz ihre Logistikinfrastruktur vor: Die Provinzen Oppeln und Lodz sowie die von Mazovia. LPBC-Präsident Artur Sosna, erklärt, auch in Polen nehme der Warenverkehr zu, weshalb man die Idee zu dieser Konferenz und der Auslotung der Kooperationsmöglichkeiten gehabt habe. „Täglich fahren polnische LKW durch Luxemburg, und das wird zunehmen. Eine multimodale Kooperation hier würde viele Vorteile bringen: Es wäre unter anderem ökologischer und schneller, also auch kostengünstiger“, meint Sosna. Eine Delegation von Speditionsunternehmen aus Oppeln wird heute die Chambre de Commerce, das Logistikzentrum am Findel und auch den Hub in Bettemburg besuchen. Ein Pendant in Polen gibt es noch nicht. Das könnte zum Beispiel Posen sein, mutmaßt Sosna, aber auch andere Plätze kämen in Betracht. Dabei sei Polen oft auch nur Durchgang zu Russland oder der Ukraine, ja die Frachtroute könne bis ins bodenschatzreiche Kasachstan weiter gehen. Logistik hat, anders als in Luxemburg, noch kein Cluster in Polen, man könne sich das nun von Luxemburg abschauen, so Sosna augenzwinkernd. Einig sind sich alle, dass hier ein großes Potenzial besteht.

Der Ende April von Clusterforlogistics organisierte „Logistiktag“ wird sich dem Straße-auf-Schiene-Umschlagplatz Bettenburg widmen. Die nächsten Veranstaltungen des Luxembourg-Poland Business Club werden Real-Estate als Thema haben - Polen soll der attraktivste Immobilienmarkt Europas sein - sowie den Informations-Technologiesektor, ebenfalls ein für Luxemburg wichtiger Markt, der auch in Polen stark ist.