"Bridges for music“ heißt die Organisation, die vom Spanier Valentino Barrioseta geleitet wird. Sie hat es sich zum Ziel gemacht, mittels elektronischer Musik interkulturelle Brücken „zu bauen“. Einige der weltweit bekanntesten und begehrtesten DJs, wie Skrillex oder Luciano entführen ihre Beats in Südafrikas Townships und begeistern dort Menschen, die andernfalls nie in den Genuss einer solchen Erfahrung kommen würden. Nun aber das weitaus Interessantere am Konzept: Im Gegenzug bringt die Organisation Plattenjongleure aus den Townships in den Line-Ups großer Musikfestivals unter und bietet ihnen die Gelegenheit, sich „der Welt“ zu zeigen. Für das Tomorrowland-Festival im belgischen Boom hatten gleich zwei südafrikanische Künstler dieses Privileg: DJ Siphe Tebeka und Lavish 189 aus Langa, einem Kapstadter Township. Letzterer stellte sich den Fragen des „Lëtzebuerger Journal“.
Lavish 189, du bist das erste Mal auf dem Tomorrowland-Festival. Wie lief dein Set?
Lavish 189 Es ist richtig gut gelaufen. Die Bühne, auf der ich gespielt habe, lag mitten im Wasser. Verrückt! Natürlich war ich etwas aufgeregt, denn ich wusste nicht was die Leute von mir erwarteten. Die Musik, die wir in meiner Heimat auflegen, ist doch sehr anders als die elektronische Tanzmusik, auf die man hier in Europa abfährt. Ich habe aber das Gefühl, dass meine Performance gut angekommen ist.
Hatte deine Aufregung vielleicht auch damit zu tun, dass du zum ersten Mal überhaupt in einem Flugzeug gereist bist?
Lavish 189 Ja, das stimmt. Ich bin schon ein paar Mal verreist, aber wenn, dann immer nur in die Nachbarländer Südafrikas. Jetzt bin ich zum ersten Mal in Europa und musste dafür gleich einen 13-stündigen Flug auf mich nehmen. Es war aber eine spannende Erfahrung. Außer der Landung, die mochte ich nicht so sehr. (lacht)
Gibt es Unterschiede zwischen deinen Auftritten in Kapstadt und denen vor einem internationalem Publikum, wie hier auf dem Tomorrowland?
Lavish 189 Oh ja, die gibt es auf jeden Fall. Meiner Meinung nach unterstützen europäische Musikfans die weniger bekannten Künstler weitaus besser. Ich weiß, dass auch kleinere Labels hier ihre Fanbase haben, also Anhänger, die dich unterstützen, weil sie das mögen, was du tust. In Südafrika ist das anders. Die Leute dort folgen den großen Trends. Du musst also erst eine gewisse Bekanntheit erreicht haben, bevor du echte Fans hast.
Nun konntest du das Tomorrowland kennenlernen. Was ist für dich das Besondere am Festival?
Lavish 189 Ich habe viele spannende Momente erlebt, mit so unterschiedlichen Menschen, die aber alle für dieselbe Sache hier sind. Das ist das Unglaubliche: Mir scheint, die ganze Welt sei hier zusammen gekommen! Besonders ist auch was sich auf den Nebenbühnen abspielt. Hier hatte ich den meisten Spaß. Ich habe viele interessante Künstler auftreten sehen, die mich inspiriert haben und von denen ich lernen kann. Dieses Festival ist für mich wie eine Weltmeisterschaft oder Olympische Spiele für DJs. Mit all den wehenden, farbigen Fahnen im Publikum.
Was erzählst du den Leuten aus deinem Township, wenn du zurück kehrst?
Lavish 189 Ich werde Ihnen sagen, dass es eine riesengroße Ehre war, hier gewesen zu sein. Ich habe eine unglaubliche Geschichte zu erzählen und möchte anderen Menschen mitteilen, dass sie alles erreichen können, wenn sie nur geduldig und ambitioniert bei der Arbeit bleiben. Organisationen, wie „Bridges for music“ und Tomorrowland können diese Erfahrungen bieten, sie können Menschenleben verändern.



