LUXEMBURG-KIRCHBERG
GERHARD KLUTH

Saisoneröffnung des Orchestre de Chambre du Luxembourg in der Philharmonie

Mit der Reihe „Convergences“ startete auch das Orchestre de Chambre du Luxembourg (OCL) am Sonntagabend in die neue Spielzeit. Im Kammermusiksaal der Philharmonie schlugen die Musiker unter der Leitung von David Reiland eine Brücke zwischen Zeitgenössischem und Klassik.

In einem Interview hat der japanische Komponist Toshio Hosokawa einmal festgestellt, dass es ein unterschiedliches Verständnis des Begriffes Natur in Japan und Europa gibt. In Japan verstehe man unter Natur die Quelle allen Seins. Dieses Verständnis trägt auch seine Komposition „Im Frühlingsgarten“ aus dem Jahr 2002. Mit diesem Werk eröffnete das OCL sein Konzert auf dem Kirchberg und schilderte sehr eindrucksvoll das Werden von etwas Neuem.

Es war keine Musik, bei der man sich entspannt zurücklehnen konnte. Ständig passierte, entwickelte sich etwas. Dabei brauchte es nicht viele Instrumente. Neben einem Streicherquintett bis hinab zum Kontrabass hat Hosokawa sein Opus noch mit Querflöte, zwei Klarinetten und einem Horn besetzt. Dieses Nonett führte einen intensiven Dialog, dem zu folgen sich als äußerst spannend erwies. Unter Reilands Leitung verstand es das Ensemble, sein Publikum in das Geschehen einzubinden und mitzunehmen.

Lyrik fürs Streichorchester

Den Mittelpunkt bildete Benjamin Brittens „Les Illuminations“ für Sopran und Streichorchester. Ein Liederzyklus, der 1939 in den Vereinigten Staaten entstand und als Grundlage Texte von Arthur Rimbaud verarbeitet. Als Solistin hatte Reiland Mariette Lentz gewinnen können, die den sehr surrealen Texten auf wunderbare Weise Leben einhauchte. Lentz verfügt über eine Stimme, die an Glanz und Präsenz nur so überquillt.

Der von Britten gestellten Aufgaben konnte sie, getragen vom präzise agierenden Orchester, mühelos gerecht werden. Es war ein wahres Vergnügen, sich auf die Geschichten einzulassen, die sie erzählte. Dabei gewann man den Eindruck, als gäbe es für sie keine Höhen, die nicht erreichbar wären. Sopranistin und Orchester bildeten eine sehr geglückte Einheit, die für diese Komposition optimale Sachwalter waren. Anders sah es leider beim Abschlusswerk des Konzertes aus. Hier hatte Reiland die Sinfonie Nr. 29 von Wolfgang Amadeus Mozart ausgewählt, für die das Streichorchester mit zwei Oboen und zwei Hörner verstärkt werden musste. Und genau hier lag das Problem. Die Bläser fügten sich nicht in den Gesamtklang ein sondern agierten fast schon wie Solisten.

Viel zu stark überlagerten sie den Streicherklang. Eklatant wurde die im Trio des Menuetts deutlich, das von den einzeln besetzten Streichern sehr delikat und filigran gespielt wurde. Dieses Filigrane aber wurde durch den als Akzent gedachten Bläserakkord zunichte gemacht. Schade.