LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Erstes Gender-Lunch bringt über 40 Teilnehmerinnen in US-Botschaft zusammen

Alberta Brusi ist seit zwei Jahren die Landes-Chefin der Citi Bank in Luxemburg. Gestern lud sie mit Gastgeberin Kerri Hannan, Chargé d´Affaires der USA, über 40 Frauen aus Luxemburg in die US-Botschaft zu einem Lunch samt Vortrag zum Thema „Gender Agenda in the Age of Digital Disruption“. Es war das erste Mal, dass die Bank eine solche Veranstaltung in Luxemburg abhielt. In Brüssel und anderen Städten haben sich Citi Netzwerk-Veranstaltungen für Frauen schon etabliert. Citi ist in 160 Ländern vertreten. Warum jetzt das Event in Luxemburg? Brusi lacht: „Sie wissen genau, warum ich das tue!“ Der Grund ist nicht nur, dass Brusi eine Frau ist, die Karriere macht, sondern auch, dass sie als Managerin weiß, dass Unternehmen Frauen brauchen. „Mehr Frauen in der Belegschaft führen zu mehr Wachstum“, ist sie überzeugt. „Außerdem ist das wirtschaftliche Umfeld anders, wenn Frauen da sind.“

Digitalisierung als Chance

Diese Ansicht teilt sie mit Elise Badoy, Citi Head of Research, die den Vortrag zum Thema hielt und Studien erstellt hat. Die stellvertretende Leiterin der Research Abteilung von Citi hat bereits 2015 eine Studie zu Gender erstellt. „Es gibt viele neue Gesetze und Regulierungen, aber gerade in Entwicklungsländern wird Frauen systematisch der Zugang zu Einfluss und Eigentum verwehrt“, warnt sie. Um diese Ungleichheit abzuschaffen, brauche es starke Stimmen. Badoy sieht in der Digitalisierung eine Chance für Frauen. Hintergrund solche Vorträge sind nicht nur die Vorwürfe nach der Finanzkrise 2008 an die weiße, männliche Führungsriege der Finanzkonzerne, sondern auch ein langsamer Wandel der Ansichten. Vor allem in Unternehmen mit Corporate Governance und internationaler Präsenz spielt das eine Rolle. Citi selbst beschäftigt rund 218.000 Mitarbeiter weltweit.

In Luxemburg müssen, wie anschließende Diskussionen zeigen, noch verschiedene Gesetze fallen, die die Gleichstellung bremsen. Daran arbeitet derzeit Isabelle Lebbe, Partnerin bei der Kanzlei Arendt & Medernach und dort für die „action positive“ zuständig. Sie hofft auf die Unterstützung durch die Politik.

Aber auch kleine Gesten können schon etwas bewirken. „Wir fordern Männer, die auf einem Panel gesprochen haben, dazu auf, anschließend auch das Gespräch mit Frauen zu suchen. Das nimmt anderen Teilnehmern die Scheu, auf Frauen zuzugehen“, berichtet Badoy aus der Praxis. Ein weiterer wichtiger Schritt sei gewesen, Frauen in die Teams für Vorstellungsgespräche zu setzen. „So sehen sie, welche Fehler Frauen machen, die zu kritisch mit sich sind und lernen auch etwas darüber, welche Gehaltsforderungen angebracht sind wie sie von Männern durchgesetzt werden“, erklärt Badoy.

Viele neue Initiativen von Kanzleien

In Luxemburg gibt es seit gut einem Jahr viele neue Initiativen für Frauen. KMPG beispielsweise hat den „Women in Tax Club“ Ende 2016 gestartet. Er wendet sich vor allem an Frauen in diesem Segment, aber aus allen Unternehmen.

Die Kanzlei Allen& Overy stellte im Juni offiziell die „Ladies In Law Luxembourg Association“ (LILLA) vor. Juristin Marine Tarditi bietet damit ein Netzwerk für Frauen im juristischen Bereich. In dieser Woche lancierte die Kanzlei Wildgen offiziell „Wildgen 4 women“. Den Veranstaltern geht es um „Learning, Leveraging and Leading“. Mevlüde-Aysun Togbak zeichnet für die über das Unternehmen hinaus reichende Initiative verantwortlich. Partner sind die ADEM, die „Asian University for Women“, die Diversity Charter und die Fondsfrauen, deren Luxemburger Sektion Ende 2016 gegründet wurde.

Die Teilnehmerinnen des Citi Netzwerk-Lunches machten klar, dass sie gern an einer Folgeveranstaltung teilnehmen würden. Brusi scheint nicht abgeneigt.